, daß wir uns so unterhalten können . Ja , ja , die Liebe und die Not sind erfinderisch , und wer weiß wie es stünde , wenn dies nicht wäre . Benachrichtige mich doch offen , was die Leute so über meine Bestrafung sprechen . Ob der Entschluß in mir oder bei Andern gereift ist und ob ich freiwillig oder durch das Los zum Mörder wurde , darüber laß mich schweigen , und auch Du schweige gegen andre . Nun lebe wohl , schreibe bald und sei nicht so kurz mit Deinen Worten ; Du schreibst fünf Zeilen und ich Dir immer ellenlange Briefe . Laß ja den Schlüssel machen ; siehe Dich aber mit dem Schlosser vor , er muß Dich entweder genau oder gar nicht kennen . Dein Emil III. Um die Mitte Januar bricht die Korrespondenz ab , um erst zwei Monate später wieder aufgenommen zu werden . Ob hier Briefe fehlen oder ob einfach die Wachsamkeit eine größere geworden war , läßt sich aus der Korrespondenz selbst nicht entnehmen . Diese wird immer äußerlicher und zum Teil auch zynischer , je näher die Katastrophe rückt , was unerklärlich wäre , wenn man nicht annehmen müßte , die Hoffnung auf Begnadigung habe ihn bis zuletzt begleitet . Ich lasse nun wieder die mit dem 10. März aufs neue beginnenden Briefe sprechen . Adalbert von L. an E. von Arnstedt 10. März 1837 . Lieber Arnstedt . Gott sei Dank , endlich mal wieder etwas von Deiner lieben Hand . Meine Freude beim Anblick Deiner letzten Zeilen war unaussprechlich . Du verlangst einen ausführlichen Bericht und ich versuche es . Mit Deiner lieben Mutter und Deiner schönen , Dir sehr ähnlichen Schwester waren wir am Abend vor Deiner Abreise ( dieses ist unverständlich ) recht vergnügt bei Landvogts ; Dein Schwesterchen war etwas angetrunken und daher sehr liebenswürdig und heiter . Auch von Klara , so verlangst Du , soll ich Dir schreiben . Nun , ich darf Dir der Wahrheit gemäß versichern , daß sie Dich liebt und immer lieben wird . Unsre Gespräche haben nie einen andern Gegenstand als Dich , und Du erfüllst ihre ganze Seele . Nur einmal hat sie mich geärgert : als ich ihr Deinen Brief gab , hat sie diesen Brief an Kirchner gezeigt . Neulich , auf dem Beamtenvereine , haben wir uns ziemlich amüsiert ; die Stelle dicht an der Tür , wo Du mit Klara das letzte Mal gesessen , wird jetzt immer von uns eingenommen , weil sie ihr die liebste ist . In der Loge war ich auch neulich . Franziska wird jetzt von einigen Dragoner-Fähnrichen becourt ; zugleich macht sie Gedichte an Dich . 35 Es ist alles weder gehauen noch gestochen , doch es sind ja Verse . Woher weißt Du , daß ich jetzt einen kurzen schwarzen Samtrock habe ? Tanze nur fleißig schottisch , damit Du doch etwas Bewegung hast . Schreibe mir auf die Rückseite dieses Briefes . Dein treuer Vetter A. L. Arnstedt antwortete denselben Tag noch ( 10. März ) und schrieb , wie proponiert war , auf die Rückseite des Briefes . Mein lieber guter schwarzröckiger Vetter . Daß Du einen schwarzen Samtrock hast , habe ich längst gewußt , aber das ist neu , daß ich Dich vielleicht nächstens darin sehen werde . Ich habe nämlich Hoffnung als » Staatsgefangener « nach Magdeburg zu kommen ; ist das aber der Fall , so werde ich mit Extrapost fortgebracht . Da können wir uns dann möglicherweise sehen und sprechen ; man muß nur alles ausspekulieren und pfiffig sein . Was hat denn Kirchner zu dem Briefe gesagt ? Ihr werdet mich übrigens sehr verändert finden . Mein Haar umhüllt mich wie ein Mantel , und mein Bart hängt bis zur Erde , denn es sind jetzt runde fünfzehn Wochen , daß ich eingesperrt wurde . In zwei bis drei Jahren hoff ' ich wieder frei zu sein ; kann und darf ich dann in unserem Heere nicht fortdienen , so ist Rußland oder Griechenland mein Asyl . Aber erst verlebe ich einige Zeit bei Dir . Nächsten Freitag kommt Vetter Fritz wieder zu mir ; da könntest Du mir etwas Herzstärkendes zuschicken , eine Flasche Wein oder einen guten Leckher oder Leckhin . Aber es muß in einer Flasche sein , die der Vetter in die Tasche stecken kann . Franziska dichtet . Nun ich auch und mein Neuestes ist ein Lied » An den Arrest « . Als ich dich zum ersten Mal erblickte , Diesen Augenblick vergeß ich nie , Als ich mich auf deine Pritsche drückte , Wurde mir , ich weiß es selbst nicht wie . Du siehst , ich bin auch ein Dichter . Dein Emil , Suitier in Ketten Fünf Tage später , derselbe an denselben 15. März 1837 . Mein lieber Adalbert ... Mein Urteil wird und muß bald kommen und wird hoffentlich nicht so streng ausfallen . Daher Geduld . Bin ich erst an meinem Bestimmungsort , so erhältst Du die erste Nachricht . Nun aber , was macht Klara ? Denkt sie meiner noch oder bin ich vergessen . Laß mich nicht vergebens auf Antwort warten . Grüße sie und sage ihr , daß mein Herz nur für sie schlägt , daß ich durch sie lebe und atme ... Ich hoffe noch auf frohe Tage und rufe deshalb auf Wiedersehen . Grüße Klara . Gesund bin ich und fidel wie immer , obgleich mir die Flügel beschnitten sind . Dein Emil Adalbert von L. an Emil von Arnstedt 24. März 1837 . Mein guter , lieber Arnstedt . Dein liebes Briefchen habe ich erhalten . Du fragst darin unter andern , wie Klaras Vater und ihre Mutter von Dir denken ? Ersterer urteilt wie fast alle Männer , also lieblos , die letztere jedoch bedauert Dich von Herzen . Du frägst auch , wer jetzt Klara bekurt ? Die Leute meinen , ich täte es ; aber es