als das seinige gewesen war ... Er hörte den gleichmäßigen Trab bewaffneter Reiter ... Bald sah er einen Trupp Carabinieri , denen in einiger Entfernung eine Kutsche folgte ... Es war die Kutsche des Cardinals Ceccone ... Benno gab seinem Pferd die Sporen ... Windschnell suchte er vorüberzufliegen ... Er mußte vor einem zweiten Reitertrupp abschwenken , der die Arrièregarde des Wagens bildete ... In die unheimlichsten Gespenster schienen sich ihm jetzt rings die Bäume und Felsen zu verwandeln ... Wie von einem Höhnen der Natur verfolgt , sprengte er dahin ... So schuldlos ihm sein eigenes Innere erscheinen durfte , immer mehr Schrecken begehrten Einlaß in seine Brust ... Ist das Rom , das gelobte Zauberland der Christen - ! ... Ceccone fuhr soeben zu Lucinden , die der Mann im Purpur ohne Zweifel allein wußte ... Die Unterredung mit ihr hatte Benno ' s ganzes Interesse gewonnen ... Er hatte erkannt , daß Lucinde in der That aus dem Trieb ihrer Liebe zu Bonaventura auf Wegen wandeln könnte , wo man ihr eine Anerkennung nicht versagen durfte ... Nun stürzte alles zusammen ... Er sah nur noch - die Buhlerin ... Wie glücklich war er , als er , die hohen spitzen Aloes und Statuen erblickend , die die Treppengelände der Villa Torresani zierten , unterschied , daß in den Sälen kein Licht war ... So war Olympia doch noch nicht zurück ... Und sie blieb wol über Nacht in Rom ... Er sprang vom Pferde und flüchtete sich in die Einsamkeit seines Pavillons ... Wer waren die drei Reiter ? ... Schwerlich Räuber ... Man kennt dich in den geheimverbundenen Kreisen als einen Freund der Bandiera - du hast die Begrüßungsformeln des » Jungen Italien « und dennoch weilst du in der Nähe eines Mannes , den - Mord und Verrath umschleichen - ! ... In seiner gewagten Doppelstellung glaubte Benno sich nicht mehr lange halten zu können ... Es mußte zu Entscheidungen , zu Entschlüssen fürs Leben kommen ... So suchte er die Ruhe , von der er wußte , daß er sie nicht finden würde ... Man brachte ihm noch einen Brief , der während seiner Abwesenheit angekommen war ... Die verstellte Handschrift war die der Mutter ... Die Mutter schrieb , daß sich in seiner Wohnung , dann bei ihr selbst der berühmte Advocat Clemente Bertinazzi hatte erkundigen lassen , ob Herr von Asselyn nicht bald aus dem Gebirge zurückkehrte ... Das war eine Mahnung , der er sich entschließen mußte , Folge zu leisten ... Sie konnte gefährliche Folgen nach sich ziehen , wenn er nicht auf sie hörte ... 8. Als nach Mitternacht Olympia von Rom zurückgekehrt war und sie ihm dann in der Frühe beim Wandeln im Garten begegnete - Thiebold freilich immer in der Nähe , heute mit dem Begießen von Blumen beschäftigt - sah Benno wol , daß auf die Länge des Freundes Beistand nicht mehr vorhielt ... Mit der Gießkanne und ähnlichen Hülfsmitteln konnte er nicht überall hin folgen ... Olympia wollte heute sogar ihre Schmähungen über Lucinden Benno nur allein vertrauen ... Menschen wie Thiebold können für den Umgang unentbehrlich werden ; doch erfüllen sie nicht die Phantasie ... Sie lassen sich als Freunde , als Gatten , nicht als Liebhaber denken ... Benno erhielt seinen vollen Platz in Olympiens Herzen und die Stunde rückte näher und näher , wo die zunehmende Vertraulichkeit um so mehr eine schwindelnde Höhe erreichen mußte , als sein » bester Freund « Ercolano plötzlich schüchtern und verlegen zu werden anfing . Die Mutter hatte in der That seine Eifersucht angeregt ... Das Wohnen auf seiner Villa hatte sie eine lächerlichen Beweis von Schwäche genannt ... Olympia trotzte der Zumuthung , die deutschen Freunde aus ihrer Nähe entfernen zu sollen ... Darüber ging Ercolano wie in der Irre ... Thiebold war bald nur noch der Vertraute ihres Geheimnisses mit Benno ... Er wurde nichts als eine » schöne Eigenschaft « seines Freundes mehr ... Thiebold übernahm die Commissionen ihrer Launen , für die sie den Angebeteten selbst zu hoch hielt ... Thiebold mußte » das Verhältniß zum Cardinal Ambrosi « lösen , d.h. die letzten Aufmerksamkeiten und Geschenke überbringen , die noch für dessen Einrichtung bestimmt waren ... Sonst aber ärgerte sie sich schon lange über Thiebold ' s Allgegenwart ... Bald hatte dieser Unbequeme gerade an derselben Stelle , wo niemand anders als Benno erwartet wurde , seine Brillantnadel , bald sein Portefeuille verloren ; er suchte und fand den Freund immer an einer Stelle , wo sie mit Benno allein zu sein hoffte ... Wenn sie geneigt wurde , beide aus dem Pavillon der Villa Torresani nach einer ihr noch bequemeren Besitzung des Cardinals umzulogiren , so war es , weil Thiebold wahrhaft Benno ' s Schatten blieb ... In Rom spielte selbst im Sommer eine Operntruppe ... Olympia besuchte diese Vorstellungen wieder ... Das Sitzen in den Logen bot Zerstreuung , kokette Unterhaltung , neckendes Fächerspiel , Gelegenheit zum Hin- und Herfahren , Abholen , Sichbegleitenlassen , Verfehlen u.s.w. ... Da die Freunde trotz der Schönheiten des Landlebens doch von den Merkwürdigkeiten Roms gefesselt sein mußten und manchen Tag in der Stadt blieben , so wollte die junge Fürstin zu gleicher Zeit mit Villa Torresani auch die » Brezel « an der Porta Laterana bewohnen ... Die Aeltern waren entschieden dagegen und beriefen sich auf die Ehepacten , die jeden Punkt der Vergünstigungen bezeichneten ... Sie verlangten , daß ihre Schwiegertochter die Villa Torresani bis zu einem bestimmten Tage nicht verließ ... Manchen Menschen , sagte Lucinde zu Thiebold , der hier vermitteln sollte , ist es Bedürfniß , sich zu ärgern ... Wenn die Fürstin ihre Tochter in ihrer Nähe entbehren sollte , entgeht ihr ein Motiv der Aufregung ... Die Mutter ist so gut gewachsen , daß sie sich gern ihrer Schwiegertochter als Folie bedient ... Wir Frauen heben nicht den Arm auf , ohne nicht zu berechnen , wie unser herabströmendes Blut ihn weißer machen muß