sie war unten ... Schlurck wie todt taumelte in einen Sessel . Dreizehntes Capitel Auferstehung Wie dumpf und stickig das hier ist ! sagte Melanie , als sie beim Vater unten war und sich staunend umblickte . Und eine Scheibe zerbrochen ! Ei welche Nachlässigkeit ! Du arbeitest , Vater ? Schlurck hatte sich in der Vernichtung , die ihn auf den Sessel geworfen , wenigstens das Ansehen gegeben , als läse er in den durcheinander geworfenen Akten . Hackert blieb in seinem Versteck unbeweglich . Die Kirche dauert lang , sagte Melanie etwas aufräumend , und ich glaube fast , die Mutter wird noch Besuche machen . Schlurck nickte . Er hatte sich noch immer nicht sammeln können . Väterchen , es ist recht lange her , daß wir uns nicht im Stillen gesprochen haben ! Schlurck seufzte und schauderte grade über die Todtenstille im Zimmer . Warum sind wir nur seit geraumer Zeit so unglücklich ! Mit diesem letzten Sommer sind alle unsre Freuden abgeblüht . Schlurck sammelte sich , griff mechanisch nach der goldnen Dose und stotterte , sich zu künstlichem Humor zwingend , den Vers : Des Lebens Mai blüht einmal und nicht wieder - Hackert hätte dazwischen springen und rufen mögen , daß dies Wort auf Melanie nicht passe . Ihr schien ein ewiger Mai zu blühen . Wol ruhte auf der edlen Stirn eine Wolke von Melancholie , wol schienen die Formen des Antlitzes etwas herabgezogen , etwas in jenes Oval gesenkt , das den Kummer der Seele verräth ; aber ein geminderter Schönheitsglanz war darum doch nicht sichtbar . Es war die alte sylphidische Gestalt , es waren die gewölbten Schultern , der stolze Nacken , das reiche , kunstvoll verschlungene dunkle Haar , die vollen Arme , die unter einem leichten Hauspelzüberwurfe in schöner Rundung hervorschimmerten und sich über den Sessel des Vaters lehnten ... Hackert hielt den Athem an . Darf ich dir eine Neugier verrathen , Väterchen ? begann Melanie . Was hast du kürzlich mit dem Fürsten bei der Geheimräthin in dem türkischen Zelt verhandelt ? Schlurck ' s erster Gedanke war nun , zu erwidern , sie wollten hinaufgehen . Doch hinderte ihn die Angst vor Hackert . Er kannte ihn genug , um sich zu sagen , daß seine tückische Natur zu schonen war . Aber nicht nur Furcht vor dem versteckten Lauscher , sondern auch Mitleid bestimmte ihn , nicht vom Hinaufgehen zu reden . Er malte sich Alles aus , was in Hackert ' s Innern vorgehen mußte und gleichviel , welches der Grund seiner vorherigen Aufregung gewesen war , gleichviel welches Verbrechen der zerstörten , jetzt leidlich wiederhergestellten Ordnung des Zimmers zum Grunde lag , die Vorstellung war ihm fremd gewesen , Hackert zu sich zu locken und ihn in der Art , wie der Mistrauische es andeutete , verdächtig zu machen ! Er litt ernstlich ebenso unter dieser Vorstellung , wie er ohnehin halb verzweifelnd sich schon vor Schaam fühlen mußte . Und so sagte er nur : Ah ! Bah ! Laß diese Sachen ! Erzähl ' mir heitre Geschichten ! Was hat dich denn plötzlich so musikalisch gemacht ? Ich habe dich abonnirt auf die Symphoniesoireen . Siehst du ! Wo sind nur die Billete ? Hier , hier ... Er suchte ... Das ist sehr schön von dir , sagte Melanie . Aber jetzt weiche mir nicht aus , Väterchen , sondern sprich : Was hattest du so lange mit dem Fürsten ? Frag ' ihn Das selbst ! sagte Schlurck und faßte das Kinn seiner Tochter , es noch zitternd emporhebend . Nein , Vater , antwortete Melanie ernst und unter dem Pelz die Arme zusammenschlagend ; nein , ich frage den Fürsten nie nach solchen Dingen , die er mir nicht selbst erzählt . Ich habe gefunden , daß dies ein Mann ist , der seine eigne und höchst wunderliche Behandlung erfordert . Unter andern Umständen hätte Schlurck zu dem Lächeln seiner Tochter selbst mitgelächelt . Diesmal standen ihm seine Mienen , die er zu einer feinen Anerkennung der Philosophie seines Kindes verzog , mehr schmerzlich als erfreulich . Melanie wiederholte ihre Bitte und Schlurck , fast die Gelegenheit ergreifend , vor der anwesenden , so gefährlichen , so tief ihn durchschauenden dritten Person eine Rechtfertigung zu versuchen , antwortete : Mein gutes Kind ! Ich war kürzlich unten in meinem Keller , dem einzigen Orte , wo wir Männer uns sorglos der Gefahr aussetzen , den Schnupfen zu bekommen . Wie ich auf den Gestellen die umgelegten Sorgenbrecher sah , schlanke , lange , kleine , kurze , die geschmacklosen Boxbeutel aus Würzburg und was sonst dort zur Ansprache an Herz und Gemüth ausgelegt ist , überfiel mich recht der Kummer , daß der alte Rapport zwischen mir und meinen Zöglingen da unten hin ist . Wie behaglich wählt ' ich sonst aus , was die Tafel schmücken , die Gäste erfreuen sollte ! Wie schwelgte ich in den langen spanischen und portugiesischen Etiketten , die unsre Leute beim Serviren meiner Kostbarkeiten den Gästen gravitätisch zuflüstern mußten ! Jetzt sagen alle diese Herrlichkeiten : Don Ranudo de Colibrados ! Zu meiner Zeit war Das ein beliebtes Theaterstück , Kind , in dem ein pauvrer Edelmann vorkam , der auf seine Würde hielt , aber sich die Löcher seiner Kleider mit Tinte verschmierte . Liebes Kind , auf meine Würde fühl ' ich leider , werd ' ich in unsrer jetzigen Lage nicht viel halten können . Die Emporkömmlinge haben nichts von der Grandezza des gebornen Adels . Ich nun vollends , meine gute Melanie , bin zum Komödianten in einem Grade untauglich , daß ich im Stande wäre , aus der einfachsten und leichtesten Rolle zu fallen . Deine Mutter hätte wol allerdings das Talent , alle Welt glauben zu machen , daß wir nur in Folge unsrer veredelten Grundsätze , in Folge unsrer geistlichen Umkehr und Einkehr uns einzuschränken anfingen . Sie könnte die Rolle einer