Fefelotti die Frage zu entscheiden hat , ob das magnetische Leben innerhalb des Christenthums Berechtigung hat ... Ich fürchte , man wird den Magnetismus verwerfen ... Die Concilien sprechen nichts davon ... Mich ängstigen die Gefahren des Bischofs , wenn ich auch beim Lesen dieser Blätter lachen - freilich auch viel mich ärgern muß ... Ich sehe die Zipfelmütze des alten Onkels Levinus und seine gelehrten Forschungen - Ich sehe die Tante Benigna und ihre Schweinemast ... Aber auch vieles Andere ... Nur seltsam ! Die wahren Verhältnisse der Asselyns und Wittekinds , wie ich sie kenne , sind Paula unbekannt ... Benno wurde eben von einem der näher gekommenen Diener mit einem Blick befragt , ob sein Pferd in Bereitschaft gehalten werden sollte ... Im Wandeln waren sie schon dicht bei der Thorpforte angekommen ... Reiten Sie jetzt zurück ! sagte Lucinde ... In Italien ist die Nacht unheimlich ... Und Sie , Sie übersetzen diese Visionen ins Italienische ? fragte Benno erstaunt ... Im Auftrag Fefelotti ' s ! bestätigte Lucinde ... Fefelotti ist es , der die Kirche regiert ... Und glauben Sie nicht , daß man dem Bischof hier die Kerker der Inquisition öffnet und jenen greisen Bewohner des Thals von Castellungo herausgibt ? ... Das ist nicht möglich - und zwar deshalb nicht , weil man ihn gar nicht in Gewahrsam hat ... Das glaubt der Bischof nicht ... Aber es ist so ... Als es hieß , Pasqualetto hätte den Vielbesprochenen in Gestalt eines Pilgers von Loretto gefangen genommen , freuten wir uns alle des Beweises , den jetzt die Dominicaner nicht mehr zu geben brauchten , indem sie ihre Gefängnisse öffneten ... Letzteres thun sie nicht ... In Rom gewiß nicht , verlassen Sie sich darauf ... Hubertus wurde entsandt , den Pilger aufzusuchen ... Seither sind leider beide verschwunden ... Warnen Sie den Bischof , diesen Streit nicht wieder aufzunehmen ... Fordert man ihn vor die Schranken eines geistlichen Gerichts , schlägt man hier in den Archiven nach , wo über Tausende von Seelen der katholischen Welt - Geständnisse und Aufklärungen liegen - ... Lucinde hielt inne ... Sie konnte nicht wissen , ob nicht in der That die Curie von Witoborn von Leo Perl ' s Geständnissen damals nach Rom Bericht gemacht hatte ... Daß man die Frage über den Magnetismus anregt , ist mir schon ein Beweis , wie man in unsers Freundes Vergangenheit einzudringen sucht - fuhr sie nach einiger Besinnung fort ... Ich wünsche ja aufrichtig , daß Bonaventura hier eine ganz andere Krone als die des Märtyrers trägt ... Wäre er darum nach Italien gekommen , um hier - in einem Kloster elend unterzugehen - ? ... - ? ... Die Wasser des Anio rauschten so mächtig , daß sie das Gespräch übertönten ... Beide hatten die Eingangspforte mehrmals umkreist ... Das Roß scharrte schon im Kieselsande ... Es wird zu spät ! sagte sie . Ich lade Sie nicht ein , bei mir zu einem Nachtimbiß zu bleiben ... Auch ist die Fürstin Ihnen gram ... Sie hat ihrem Sohn Vorstellungen gemacht über die Aufführung seiner jungen Frau ... Sie verlangt - hören Sie ' s nur - daß Sie und Thiebold von Villa Torresani wegziehen ... Das alles findet sich - besonders wenn Sie der guten Dame selbst ein wenig den Hof machen ... Wir haben soviel gemeinschaftliche Sorgen ! ... Aber - vielleicht auch Freuden ! ... Glückauf in Rom ! ... Geben Sie mir die Hand ! Lassen Sie uns Verbundene bleiben ! ... Benno reichte die erstarrte , kalte Hand ... Lucinde schied mit einer Miene der Protection , wirklicher Theilnahme und - Koketterie ... Sie sagte : Versprechen Sie mir , daß Sie auf Villa Torresani nie anders von mir reden , als so , daß ich Männern noch in einer einsamen Abendstunde gefährlich werden könnte - ... Damit schlug sie nach ihm mit einer Päonienblüte , die sie am Wege abgebrochen hatte und in ihrer gewohnten Weise zu zerzupfen anfing ... Der Diener hatte den Rücken gewendet ... Die deutsche Unterredung schützte beide vor dem verfänglichen Inhalt ihrer Worte ... Benno schwang sich in den Sattel ... Lucindens » Auf Wiedersehn ! « war wie ein Gruß zu einer Reihe der unterhaltendsten und vertraulichsten Beziehungen auf lange , lange Zeit ... Benno schied halb außerordentlich gefesselt , halb in der Hoffnung , binnen wenig Wochen vom giftigen Hauch dieser ganzen Atmosphäre befreit zu sein - ... Der Weg war dunkel und abschüssig ... Er mußte langsam reiten ... Hinter der finstern , scheinbar vom Silber des Wassersturzes mehr als vom Mond erleuchteten Schlucht unterhalb Tivolis verbreiterte sich der Weg ... Die Krümmungen des Anio hatten hier Anbau ... Zur Linken ragten die Trümmer der zu einer Schmiede gewordenen Villa des Mäcenas mit dem Schimmer der Cascatellen , die aus ihren Fenstern gleiten , und mit Feueressenglut auf ... Ringsum war es still , doch nicht einsam ... Einzelne Wanderer hielten am Wege inne ... Da und dort erhob sich aus den hohen , noch nicht abgeernteten Maisfeldern ein spitzer Hut ... Benno ritt tief verloren in Gedanken ... Paula , Bonaventura , alles was ihm theuer war , umschwebte ihn ... Welche Welt gestaltete sich in seiner Brust ! Welches Chaos rang zum Lichte ! Es waren nichts als glühende Tropfen , die Lucinde auf seines Herzens geheimste Stätten hatte fallen lassen ... Allmählich belästigte es Benno , von drei Reitern , in der Tracht römischer Landbesitzer , mit hohen Flinten auf dem Rücken , ledernem Gürtel , Gamaschen bis weit übers Knie , auf unruhigen , ohrspitzenden Maulthieren , fast in die Mitte genommen zu werden ... Eben wollte er seinem Roß die Sporen geben , um sich dieser unfreiwilligen Begleitung zu entziehen , als die Reiter innehielten , wie der Blitz abschwenkten und zur Schlucht zurückritten ... Hatten sie sich in seiner Person geirrt ? ... Wenige Secunden und Benno begriff , daß ihr Auge und Ohr schärfer