ihn die etwa eintretende Melanie nicht sehen konnte . Und im selben Augenblick erscholl ihre Stimme : Papa ! Schlurck konnte nicht hindern , daß Hackert nun mit zwei Sprüngen unten war . Papa ! rief es wieder von oben . Ich kann ja hier unten gehen , sagte Hackert und wollte durch jene Thür sich entfernen , durch welche damals der Justizrath dem draußen lärmenden Bello des Fuhrmanns Peters Ruhe gebot . Er wußte , daß der Schlüssel von innen stak . Doch fehlte dieser Schlüssel und Schlurck stand da , rathlos , wie vom Donner gerührt , wohl lächelnd , aber wie in wahnsinniger Verlegenheit . Zum Glück hörte man Melanie nicht wieder , aber die Unordnung , die hier unten herrschte , war doch nicht mehr zu verbergen . Durch die nichtgeschlossenen Fensterläden brach ein Lichtschimmer , hell genug , um den ohnehin an das Dunkel inzwischen schon gewöhnten Augen Dinge zu zeigen , die befremdlich genug waren ... Aber , zum Teufel , Justizrath , brach Hackert aus . Hier möchte man ja meinen , hier ist Einer eingebrochen ! Wie ? Was ? stotterte Schlurck und versuchte , aufathmend , daß wenigstens Melanie fernblieb , einige Scherze in seiner alten Art ... Hier ist der Ring , sagte er zu dem dämonisch aufblickenden Hackert und stieß zu gleicher Zeit , während er diesem ein Etui reichte , einige Schlüssel und eine eiserne Stange hinterrücks von sich . Siehst du ? Dieses zerbrochene Stück ... Komm jetzt hinauf ! Lassen Sie doch noch ! Ihr Fensterladen ist ja offen ... Hackert trat an ' s Fenster und hatte durch eine zerbrochne Scheibe nur nöthig , den Laden zurückzustoßen . Da sah man denn den Zustand des Zimmers . Nur eines einzigen Überblicks bedurfte es für den gewandten jungen Spürkopf , die Situation zu übersehen . Der furchtbarste Verdacht wurde ihm zur augenblicklichen Gewißheit . Schlurck wollte die Miene annehmen , als wär ' er an diesem stillen Sonntagsmorgen durch Einbruch beraubt worden . Das stand ihm im Nu fest . Und eben so rasch schoß ihm wie mit einem Tigersprunge der Gedanke durch den Kopf : Wärst du nicht hier unten , dem Justizrath gegenüber , nun selbst gewesen , so hättest du in die Lage kommen können , für den Dieb zu gelten ! Und darum hergelockt an einem Sonntag Vormittag ? Darum die Versuchung mit dem Ring ? Darum ... Er riß das Etui an sich mit krampfhafter Wuth , sprang auf Schlurck zu , daß dieser zurücktaumelte und rief : Schlurck ! Was ist ? Ein durchbohrender , tief in alle Falten der Seele wie mit tausend Pfeilen zugleich zielender Blick aus Hackert ' s starren Augen auf den Justizrath ... Aber zu sagen wagte er doch nicht , was er dachte ... Schlurck aber verstand ihn sogleich , bebte und meinte nur : Welche Unordnung ! Hilf mir aufräumen , Fritz ! So , so ! Wie müde bin ich ! Schon frühmorgens ! Hilf doch ! Aber denke nur nicht , ich wäre gewissenlos . Ich habe viele Clienten verloren ! Da lagen sonst Tausende , jetzt sind ' s Papierschnitzel . Hast den Ring ! Sieh nach ! v.R.v.R. Weiter nichts , aber viel gesagt ! Prinzessin von Rudolstadt , von Rußland ... ho ! ho ! Junge ! Siehst du , hier hast du oft genug gesessen und die Feder gekaut . Die Welt , mein Sohn , ist ein Dudelsack , bei dem der Wind die Hauptsache ist . Nur Luft , nur Wind , dann pfeift sich ' s und tanzt sich ' s ! Hast den Ring ? Adieu , mein Sohn ! Adieu ! Mußt oben gehen ! Leise ! Leise ! Hier fehlt der Schlüssel ! Leise ! Leise ! Und dies » Leise ! « war ' s , was Hackert nicht ertragen konnte . Er hätte sich in Alles gefunden , jeden Verdacht niedergeschlagen , er hätte mit Schlurck Mitleid haben können , sich selbst überwunden , aber jetzt : leise ? Immer leise ? Ewig leise ? Und doch sagte er noch nichts , sondern hielt an sich und lugte nur zu den Schränken und sprach : Justizrath , ich weiß noch Alles ! Da lagen die Mündelgelder der minorennen Grafen Werdenbach ; da lag eine Erbschaft , die so viel Prozesse kostete ; ist sie nun entschieden ? Da weiß ich , in Nr. 9 , die angesammelten Zinsen und Kapitalien der polnischen Äbtissin Sybille im Kloster zum Herzen Jesu , die für die Nachkommen eines gewissen Kaminski ausgesetzt waren , der nach Frankreich floh ... Recht ! Recht , mein Junge ! Warst ein Genie ! Kennst Alles : Jetzt aber leise ! Leise ! Leise ! Zum Teufel ! wandte sich Hackert . Vor wem hab ' ich mich denn zu fürchten ? Fritz , misbrauche meine Gutmüthigkeit nicht ! Gutmüthigkeit , daß ich hierhergelockt wurde , während hier Alles vorbereitet wird , zum Schein , als wär ' ich ' s , der hier gestohlen ... Hackert ! stieß Schlurck halb ohnmächtig heraus . Seine Lippen bebten , sein Auge blickte starr . Er mußte das Geländer der Wendeltreppe fassen , um sich zu halten . Er begriff jetzt doch erst ganz , was in Hackert ' s Seele vorging . Von dem Gedanken : der Unglückliche glaubt , ich wollte ihn zum Verdächtigen eines Verbrechens machen , das vielleicht in seiner eignen Brust noch schlummerte und vielleicht eben erst halb ausgeführt war , war er bis zur Ohnmacht überrascht und überwältigt ... In dem Augenblick ging oben eine Thür . Gewänder rauschten . Melanie rief ... Väterchen ! Sie war an der Treppe . Sie kam . Hackert springt in eine Ecke des Zimmers , wo jener Schirm stand , hinter welchem einst Dankmar ' s Schrein mit dem Kreuze gestanden . Melanie beugte den Kopf über das Geländer der Treppe ... ein paar Sprünge ...