sie : Sie haben ganz Recht ! Paula , Graf Hugo und Bonaventura gehören einer einzigen Kirche an ... Doch die Kinder ? sagte sie plötzlich , zu den Religionsformen der Erde zurückkehrend und des oft an ihr nagenden Bundes gedenkend , den der heilige Franz von Sales gerade mit einer verheiratheten Frau , mit der Stifterin der Visitandinen geschlossen - ... Nein ! Nein ! beantwortete sie sich selbst ihre Frage ... Die werden nicht kommen ! ... Wenigstens nach dem Urtheil der Aerzte nicht - Die Gräfin hat ihre Visionen noch immer ... Sogar jetzt in Witoborn , wohin sie nach dem wiener Winter mit dem Grafen gereist ist ... Die in Salem heftig eintretende Rückkehr ihrer Visionen , die Aufregung derselben für Wien , das Andrängen der Aerzte , die Neugier der Forscher und Träumer brachten beim Grafen den Entschluß zu Wege , seine Güter um Westerhof zu besuchen ... Vielleicht regte sich in Paula die Sehnsucht nach des Obersten von Hülleshoven magnetischer Hand ... Ueberraschend ! entgegnete Benno ... Diese Nachrichten hatten wir selbst noch nicht in Robillante ... Woher wissen Sie alles das ? ... Unwillkürlich fiel sein Blick auf die Papiere , die ihm Lucinde entzog ... Seine Neugier mußte sich steigern , als sie fortfuhr : Auch Sie sollten nun doch für immer in Rom bleiben und sich hier nützlich machen ... Sie sollten Partei ergreifen ... Wem kann das Glück mehr lächeln als Ihnen ? ... Fürchten Sie sich doch nicht so sehr vor einem Roman mit Olympia Rucca ! ... Die Zeiten sind vorüber , wo böse Frauen ihre ausgenutzten Liebhaber vom Thurm zu Nesle stürzten ... Jetzt geben sie ihnen Anstellungen und manchmal sogar - Frauen ... Bleiben Sie in Rom ! Nehmen Sie hier eine Stelle , die nicht zu gebunden ist ! ... Schon ließ Sie , hör ' ich , der Staatskanzler in eine verlockende Zauberlaterne blicken ... Für Ihre Heimat haben Sie seit Ihrer Courierreise doch den Credit verloren ... Auf dem Venetianischen Platz kann ich das große schöne Haus mit dem schwarzgelben Banner nie ansehen , ohne nicht die Stelle wenigstens eines österreichischen Legationssecretärs an Sie zu vergeben ... Rom ist die Welt ... Und selbst wenn Sie Rom nur studiren wollten - ich kenne Ihr Verhältniß zu Ihrem Bruder , dem Präsidenten von Wittekind nicht - so brauchen Sie dazu ein Leben ... Sie können hier jeden Tag eine andere Inschrift , jeden Tag einen andern Marmorstein vornehmen ... Und verstellen Sie sich nicht ! Ganz gleichgültig ist Ihnen Olympia keineswegs ... Man flieht nicht so eifrig vor dem , was man verachtet ... Wär ' ich ein Mann , mich würd ' es sogar reizen , diesen Panther zu bändigen ... Schwärmen Sie in der That noch immer für die Lindenwerther - Kindereien ? ... Da Sie alles wissen , erwiderte Benno mit dem Ausdruck jener Toleranz , die Männer ein für allemal der kecken Rede aus Frauenmund zu gewähren haben , was wissen Sie von Armgart ? ... Von den englischen Cardinälen , entgegnete Lucinde , von jenen Aermsten , die sich alle drei Jahr dem Martyrium aussetzen , sich in England von den Roheiten John Bull ' s beschimpfen lassen zu müssen , hat Cardinal Talbot Armgart in London gesehen ... Bei guter Laune verglich er sie dem Heiland , der als Kind im Tempel predigte ... Sie legt die Bibel aus , wie ihre Mutter ... Eine Krankheit das - nur findet sie bisjetzt noch immer das in der Bibel , was die Engländer erst sehen , wenn sie in den Katakomben waren ... Wenn sie nicht auf die andern Thorheiten der Engländer einginge , würde man sie kaum dulden ... Glücklicherweise reitet sie nicht nur und schießt , sie schwimmt und angelt auch ... Sie könnte die Herzogin von Norfolk sein , hör ' ich , wenn die Auswahl ihrer Bewerber nicht zu groß wäre ... Ob sie für die beiden jungen Männer , die ihr einmal eine Flucht aus der Pension erleichterten , noch die alte Pietät bewahrt , zweifl ' ich fast ... Im Bericht des Cardinals erfuhr ich nichts davon ... Mit Baron Terschka hat sie sich ausgesöhnt ... Ja , ja , die Gefühle junger Mädchen wollen ihre Nahrung haben . Thut man auch gar nichts , lieber Herr , um sie an sich , zu erinnern , so unterhält solche kleine Koketten mehr noch der Haß , den sie auf manche . Menschen werfen , als eine bald verklingende Liebe aus dem Pensionat ... Benno widersprach nicht ... Er war in die Erinnerung an sein zu Armgart gesprochenes Wort , sie würde noch einst lange in der Irre gehen und dann voll Wehmuth an ihn zurückdenken - so versunken , daß Lucinde eine Frage wiederholen mußte , die sie an ihn gerichtet hatte : Was halten Sie von Paula ' s Visionen ? ... Ich glaube nicht an sie , aber sie können zutreffen , sagte Benno ... Das ist ein Widerspruch ... Nein ! ... Niemand kann freilich sehen , was erst die Zukunft ins Leben rufen muß ... Aber ein Auge wie Paula ' s blickt unbeirrt von den Verhältnissen , die uns andere zerstreuen ... Wir würden alle ein wenig sozusagen allwissend sein , schärften wir nur unser inneres Auge , jenes Auge , das nicht mit dem Verstand , sondern mit dem Herzen sieht ... Nun - dann hoffen Sie ! ... Paula sieht Armgart in ihren Visionen - immer nur mit Ihnen verbunden ... Sie staunen ? ... Ueber diese Papiere ? ... Nun ja , freilich , das sind Abschriften der Visionen Paula ' s ... Genau gesammelt seit einer Reihe von Jahren und fortgeführt bis in die neueste Zeit ... Ich erwarte schon morgen aus Witoborn eine neue Sendung ... Wer sie niederschreibt , weiß ich nicht . Frau von Sicking - oder Norbert Müllenhoff in ihrem Auftrag - möglich ... Sie wissen vielleicht nicht , daß