Aufregung des Justizrathes für völlig in der Ordnung . Sie wußte , wie gewagt es von Hackert war , in diesem Hause zu erscheinen . Sie wandte sich nach den Zimmern , die zum Hofe hinaus lagen ... Daß du auch grade heute - begann Schlurck und schien wiederum zu überlegen , ob er Hackert in die Zimmer lassen sollte oder nicht . Melanie spielte am Klavier . Das beruhigte ihn wenigstens ... es klang so wehmüthig , so schmelzend , so sanft aus den vordern Zimmern her ... Ich wollte nur wegen des Rings , von dem Sie neulich sprachen , sagte Hackert , als der Justizrath ihm zuwinkte , leise aufzutreten , und ihn auf die Thürschwelle nöthigte . Welcher Ring ? Ah so ! Ja ! ja ! Das kann ja geschehen . Komm , mein Sohn ! Leise ! Leise ! Sie spielt ... Alle diese Worte sprach Schlurck durcheinander wie Jemand , der seiner selbst nicht bewußt war ... Was ist ihm nur ? dachte Hackert und trat in die ihn so traulich begrüßenden Räume ... hier auf gebohnte Fußböden , dort auf bunte Teppiche . Er sah die überwinternden Blumenstöcke , die Porzellananhäufungen hinter Glasschränken , die Gemälde , die Vasen in den kleinen niedrigen , aber kostbar austapezierten Zimmern . Ein Papagey in einem großen Messingbauer kreischte auf , als wenn er Hackerten erkannte ... Schlurck ging voran . Sein Auftreten war schwankend . Er hielt sich zuweilen und blieb wieder stehen , sah Hackerten an und rückte die Brille hin und her ... Sind Sie krank , Herr Justizrath ? Schlurck hörte nicht , sondern brummte nur vor sich hin : Der Ring ! Warum auch grade heute ... was sagst du Hackert ? Nein , nein , rede nicht ! Sei still ! Sie könnte hören ... Damit waren sie an jenes Zimmer gekommen , von wo aus eine Wendeltreppe in die untere Arbeitsstube des Justizraths führte . Beide Gemächer gehörten ihm selbst an . Er schien in der Meinung zu sein , den Ring in dem obern Zimmer zu finden ... Er schloß einen Schrank auf und suchte überall , indem seine Hände zitterten ... Hackert kannte seinen Pflegevater hinlänglich , um sich zu sagen , daß eine solche Aufregung nur mit einem seltsamen , ganz unerhörten Vorgange in Verbindung stehen konnte . Noch vor wenig Tagen war ihm Schlurck so nicht entstellt , so todtenbleich , so abgefallen nicht erschienen . Er erklärte auch , sich entfernen zu wollen und ein ander Mal wieder zu kommen ... Nein , nein , Hackertchen , sagte der Justizrath , es liegt so viel auf mir . Deine Stelle ist noch immer nicht würdig besetzt . Der Ring ! Ich entsinne mich doch ... ein rothes Etui war ' s , worin ich ihn aufbewahrte ... ich gratulire , wenn du deinen Stammbaum entdeckst . Ich habe mir Mühe genug gegeben , dir einen bessern Vater zu verschaffen , als ich bin , Fritz ... Und während der Justizrath noch so plaudernd und seine Erregung bergend suchte und suchte , hielt er plötzlich inne , sah Hackerten mit einer Miene fast des Mitleids an , schlug sich an die Stirn und ließ die Worte fallen : Nein aber , daß grade Du ... Ich ? Was ist ? Eben so rasch wollte Schlurck den Eindruck seiner Worte verwischen . Warum ich ? Nichts ! Nichts ! Sie finden den Ring nicht ! Er liegt unten ... Unten ? Nein ! In dem Depositenschrank ... Was weißt du ? fuhr Schlurck auf . Ein rothes Etui ! Im Fach Nr. 13 links liegt ein rothes Etui ! Du irrst , du irrst ! lenkte ungeduldig , fast zitternd der Justizrath ein , wühlte noch einige Augenblicke in dem Sekretär , erklärte das Etui nicht finden zu können und wollte eben zuschließen und Hackerten wieder zurücklassen nach vorn , als er hörte , daß Melanie mit dem Klavierspiele aufgehört hatte . Thüren gingen . Schlurck ' s Unruhe verrieth , daß er annahm , seine Tochter suchte ihn vielleicht und könnte den ihr so tödtlich verhaßten Hackert hier finden ... Er winkte fast mechanisch dem Besuch , näher an die Wendeltreppe zu treten , hielt ihn dort aber zurück und bedeutete ihn zu schweigen . Er flüsterte , er wollte selbst hinuntergehen , um unten nach dem Etui zu suchen ... Sonntags pflegte dies untere Kabinet durch die vorgelegten und geschlossenen Fensterläden dunkel zu sein . Heut ' war es hell . Um so auffallender mußt ' es Hackerten erscheinen , daß der Justizrath ein weiteres Nachfolgen auf der Wendeltreppe entschieden verbot ... Bleibst da ! Bleibst da ! sagte er fast schnarrend und heftig . Ich kann ja unten gehen , wenn ich doch ... Bleibst da ! Bleibst da ! Hackert begriff nicht , was hier vorging . Unten hörte er den Justizrath rumoren . Er selbst blieb erst oben , dann auf der viertel , zuletzt auf der halben Treppe . Schon entdeckte er eine sonderbare Unordnung in dem Kabinet , eine Verwirrung , die sonst nie in ihm herrschte . Papiere mit Siegeln lagen auf der Erde . Die Schubläden sonst verschlossener eichner Schränke waren aufgezogen , ein Sessel umgestürzt , die Fensterläden nur leise angelehnt , Geld klimperte , wie wenn es auf der Erde läge und der nach dem rothen Etui Suchende darüber stolperte . Endlich schien Schlurck das Kästchen gefunden zu haben , sah sich um und bemerkte , daß Hackert gefolgt war . Er erstarrte darüber . Bleibst oben ! rief er tonlos . Verdammter ... Und wie Schlurck eben so fluchend hinaufstieg , hörte man ganz in der Nähe Thüren gehen und Kleider rauschen . Jemand schien den Justizrath zu suchen . Vielleicht Melanie . Unwillkürlich trat Hackert trotz des Verbotes niedriger und war mit seinem Kopf schon in ebner Linie mit der ersten Stufe der Treppe , so hurtig , so behend , daß