' ich gerungen nach euerer Freundschaft , nach euerer Schonung nur ... Kalt , grausam habt ihr mich zurückgestoßen ! ... Nun mußt ' ich mir freilich selbst helfen ... Das ist die größte Feigheit der Männer : Ein Weib um ihrer Thorheit willen leiden sehen und sie dann auf Vernunft und Besinnung verweisen ... Vernunft und Besinnung haben wir ja nicht ... Nur in der That , sei ' s der That der Liebe , sei ' s dem Rausch des Wahns oder dem Klagegeschrei der Enttäuschung , nur in Handlungen und Zuständen sind wir , was wir sind ... Vernunft und Besinnung ! ... Nachdenken und Reflexion ! ... Was soll das uns ! ... Ich vergebe dem Bischof - doch nie , was er alles , alles an mir gethan hat ... Benno wußte kaum , was er einem weiblichen Wesen erwidern sollte , das auf einen katholischen Priester Rechte der Liebe zu haben behauptete ... Er begnügte sich , die Wildaufgeregte zu beruhigen mit einem einfachen und ironischen : Sie beteten doch eben voll Frömmigkeit das Ave Maria - und verlangen das Unheiligste ... Sie haben nie das Gemüth dieses edelsten der Menschen verstanden ... Ein Gemüth ist ' s , wie das dieser Bildsäule ! sagte Lucinde zornig ... Als wenn ein Priester von seinen Gelübden sprechen könnte , der sie doch einer andern gegenüber nicht hält ! ... An jenem Abend auf dem Friedhof von St.-Wolfgang schon , wo wir unter den - - Gräbern wandelten , funkelten die Sterne herab , als wollten sie sagen : Halte sie doch fest , die Stunde der Versöhnung ! ... Sieh , dies wahnsinnige Weib , so sprachen die Sterne , hat zwei Jahre geschmachtet nach Wiedervereinigung mit dir ! Nun kommt sie und pocht , voll Hoffnung an deine Hütte ! Du - du opferst sie aber schon der alten Magd , die dich bedient ! ... Lachen Sie nicht ! - Die Sterne sprachen mehr ... Sie sagten : Du schmähst ihre Verehrung , die so ganz ohne Interesse , nur ein reines Opfer der Liebe ist ! - Ich bin um diesen Mann katholisch geworden - ich wäre schon glücklich gewesen , nur dann und wann mit ihm sprechen zu dürfen ... Daß ich seine Magd hätte sein können , mich wirklich als Bäuerin bei Renate verdingen , davon will ich gar nicht reden ... Ich war heimisch in ihm , als ich ihn das erste mal sah ... Ich fand einen Menschen wieder , der todt war und in ihm sein Testament zurückgelassen hatte ... Schon damals , als Ihr Vetter geweiht wurde , kannte ich seine Zukunft ; ich kannte die ganze kommende Zerrissenheit seines Gemüths ; wußte , daß er dort enden würde , wo er jetzt steht - an einem furchtbaren Abgrund , den nur noch seine äußere Würde deckt ... Ich kannte alles , was ihm über die Leiden dieses Daseins hinweggeholfen hätte ... Er verschmähte es ... Nun folg ' ich dem Ruf in die Dechanei , erlebe die Demüthigung , zum Hause hinausgeworfen zu werden ; ich klammere mich an den Saum seines Kleides , an den Teppich der Altäre , die sein Fuß berührt ; ich wage mich in die schwierigsten , demüthigendsten Lebensverhältnisse , nur um eine Erhörung meines - um Güte und Vertrauen - Gott , ich sage nicht : um Liebe - verschmachtenden Herzens zu finden ... Keine Hülfe ! ... Nichts als die kalte Sprache der Lehre und Ermahnung ... Mit der Zeit konnt ' ich ihm furchtbar erscheinen , konnte ihm drohen , ich that es auch - ... Als ich dennoch mich bekämpfte , dennoch von dem beweinenswerthen , rasenden , wahnsinnigen Gefühl für diesen Mann mich beherrschen lasse , alle meine Waffen senke , sind ' ich noch immer keine Regung der Versöhnung , kein Wort der Güte , keines des Vertrauens ! ... Noch in Wien stößt er den Nachen zurück , auf dem ich mich zu ihm geflüchtet ... Das ist wahr - er nahm mir in Wien eine Bürde ab , die mich zum Tod niederdrückte - aber kaum fließen meine Thränen , so läßt er mich auch wieder hinaus auf die stürmende See in ein Leben , das bisher nur Noth und Demüthigung mir gebracht ... Jetzt hab ' ich einen kurzen Augenblick des Glücks ! Er macht - euch alle schwindeln ... - Mich nicht ! Ich weiß , was ich thue ! ... Ja ! Wie eine Bettlerin - will ich nicht wieder vor euern Thüren stehen ! ... Lucinde war aufgestanden ... Benno erbebte vor ihrem Blick ... Er fürchtete für Bonaventura ' s schwierig gewordene Stellung ... Sie sind bei alledem dem Bischof werth ... sagte er und mit voller Ueberzeugung ... Sie anerkannte diese Aeußerung , fuhr aber fort : Weil er mich fürchtet ! Weil ihr alle mich fürchtet ! ... Ich habe mich freilich rüsten müssen gegen euch ! Gesucht hab ' ich nichts - ich fand alles von selbst ... Auf dem Schlosse Ihrer Väter hab ' ich schon als Mädchen von sechzehn Jahren die sibyllinischen Bücher aufgeschlagen gesehen und verstand nur noch nicht die Zeichen , die in ihnen wie durchstochene blutige Herzen funkelten ... Jetzt liegt mir jeder Traum der Kindheit offen ... Ich verstehe das Wimmern und Seufzen in den Ulmen des Schloßparks von Neuhof , ich sehe die Verwirrung euerer ganzen Familie und euer - tragisches Ende ... Mit dem Bischof hab ' ich Mitleid ... Er liebt , ein umgekehrter Jupiter , statt eines Weibes eine Wolke ... Erzählen Sie mir von Paula ! Ich denke , ich verdiene , daß Sie sich ' s etwas kosten lassen , mich wenigstens - zu unterhalten ... Diese Worte waren freundlich ... Benno mußte ihr den vorangegangenen Ton des übermüthigen Emporkömmlings vergeben ... Sie setzte sich wieder ... Benno sollte es ebenfalls thun ... Angezogen hatte sie ihn niemals so wie heute ...