Euch ? Man wollte das Mädchen mit Gewalt hinausführen . Ein Fiaker wartete . Das aus der Halle getriebene Volk mehrte sich nun draußen zu dichten Haufen am Eingang ... Laßt mich ! schrie Louise und warf sich wieder auf den Bruder . Karl ! Nicht einmal eine arme Hütte haben wir , in die wir dich tragen dürfen , wo du drei Tage bei uns bleibst , bis sie dich unter die Erde holen ! Aber an deinem Grabe sollen sie zittern ; da sollen sie ' s hören , die Feigen , die dich gemordet haben ! An die Mauer sollen sie dich nicht werfen , wie einen todten Hund . An deine Grube sollen die Freunde treten , die freie Gemeinde soll singen , der Prediger reden und die Frauen werden Blumen bringen ! Laßt mich , Schändliche ! Wer gibt mir meinen Bruder wieder ! Karl , ich lasse dich nicht ! Schon drängten vom Volke Muthigere herein , um das jammernde Mädchen , das da Allen das unverstandene Weh der Nichtbefriedigung im Volke austobte , vor der Polizei zu schützen , die sie mit Gewalt entfernen wollte . Die Wache im hintern Hofe trat in ' s Gewehr und entsandte eine Verstärkung zur Thorbesatzung . Louise aber schleuderte ihren Zorn heraus . Und wenn Ihr Euch rüstet mit Kanonen und Mordfackeln gegen Weiber und arme Kinder ! rief sie . Euer Tag wird hereinbrechen ! Eure Haare sind gezählt , nicht blos von Gott , auch von uns ! Hetzt uns nur , jagt uns nur wie das Wild ! Stört uns nur in unserm reinen Glauben ! Euer Glanz wird düster werden , wie Sturmgewitter ! Eure kostbaren Gewänder werden Euch wie Spinnweben zerrissen werden und Euer Purpur wird Euch von den Schultern fallen ! Auch unser Gott ist langmüthig , aber sein Gericht wird schrecklich sein , Ihr Tyrannen , Meineidigen , Gottesleugner ! Eben warf man krachend die Thorflügel zu , um die zuströmende Menge zurückzuhalten . Louise wurde von den Händen der Polizei ergriffen . Aber Riesenkraft fühlend , wand sie sich los , nahm die Geschwister mit Gewalt unter ihren Schutz und flüchtete sich zu der Säule hin , hinter der eben Hackert hervortrat . Hackert ! rief sie schaudernd ... Das Gefühl , einem Mädchen , das ihn so hoch verehrte , beizuspringen , hatte den fast kalten Beobachter hervorgetrieben . Die Aufwallung eines edlen Zorns kannte Hackert nicht , aber eine Vernunftreflexion , Mahnung zur Besonnenheit , stand ihm vollkommen zu Gebote . Was ist denn ? sagte er ruhig , die Hände aus den Taschen ziehend und wandte sich , da er Louisen ' s vorwurfsvollen Blick nicht ertragen konnte , zu den Polizeidienern und Soldaten . Laßt doch die Arme sich ausjammern ! Injurien von Unzurechnungsfähigen steckt man nach Landrecht Theil 3 , Titel so und so , geduldig ein ! Ja , liebe Louise , das ist Malheur . Der arme Karl ! Fassen Sie sich ! Ich wünschte , ich könnte ihn mit einer Rede aufwecken ; aber Sie wissen wohl , ich kann schlecht trösten . Guten Tag Riekchen ! Guten Tag Wilhelm ! Ja , Das ist schlimm ! Es ist nun aber . Faßt Euch ! Kommt ! Hier ! Geht hier heraus ! Hier ist eine Seitenthür ! Kommen Sie , Louise ! Wenn Eins helfen könnte ! Aber es ist so . Man verwindet ' s wieder . Was ist Leben ? Nichts , als daß man weiß , daß man lebt . Wenn der Karl wüßte , daß er nicht lebt , und nichts Besseres hätte , Das wäre schrecklich ; aber in Dem ist Nacht , da ist ' s dunkel . Sie glauben ja , Louise , an ' s Paradies ; es läutet jetzt eben von allen Kirchen ganz feierlich . Hier auf Erden ist der Himmel und die Hölle beisammen , dacht ' ich mir . Aber die Glocken draußen singen dem guten Karl ein besser Grablied . Kommt , Kinder , der Gang da ! So ! Die Droschke fährt uns schon nach . Ich führe mit Ihnen , liebe Louise , wenn ich ein Tröster wäre ... Und so sprach Hackert blasirt durcheinander fort und Louise schwieg und die Kinder faßten ihn bei der Hand und sie waren von dem Schauplatz des Jammers entfernt , sie wußten nicht wie . Und für Louise ... für sie lag in Hackert ' s Art doch ein Trost . Er wiederholte ihren Schmerz nicht , er unterstützte ihre Verzweiflung nicht durch gleiches Entflammen . Und grade dadurch bot er eine wirkliche Anlehnung . Louise mochte nicht nach seiner Lage fragen . Sie konnte es auch nicht , da ihr dazu die Sammlung fehlte . Der Wagen war an eine entgegengesetzte Thür des weitläufigen Gebäudes gefahren , wo sie jetzt das Gebäude verlassen mußten , die Menschen hatten sich verlaufen ... Seht , Ihr Kinder , sagte Hackert ruhig mit gewagter Wirkung , als Louise einstieg , Euch tröstet schon die Gelegenheit , einmal fahren zu können ! Das muß Euch erst geschehen , wenn Euer Karl todt ist ! Brandgasse Nr.9 ! Hackert bezahlte den Kutscher , die fünf waren untergebracht , der Wagen fuhr fort . Louise sah nicht mehr zu dem Polizeiagenten auf . Die Kinder schluchzten noch , aber schon nur noch deshalb , weil die Schwester weinte . Das Fahren war ihnen in der That ... ein Trost ! Hackert , der die schwache Menschennatur so traurig gut kannte , kehrte in die Halle zurück , die inzwischen leer geworden war . Der Thorweg blieb geschlossen . Es sah düster , fast fürchterregend in der Halle aus . Er trat an die Tragbahre , auf die blutige Strohmatte . Unwillkürlich war ' s ihm , als sollte er zu dem blassen , wachsgelben Antlitz sagen : Karl , stehen Sie auf ! Es schlägt fünf Uhr ! Großvater hustet schon ,