beteiligt hatte , ging nach der Schweiz . Daselbst starb er 1866 zu Montreux . Auch Herr von Heyden-Linden , in Pommern reich begütert , hatte sich seines neuen märkischen Besitzes nur kurze Zeit zu freuen . Er starb bald danach , und Hoppenrade kam an seine beiden Enkel : Georg Freiherr von Werthern und Ida Maria Freiin von Werthern . Ersterer ist der gegenwärtige Besitzer . Er hat die schönen Räume wieder herstellen lassen und bewohnt sie wenigstens zeitweilig . * Eine stille Stätte jetzt , dies abseits vom Wege gelegene Schloß , eine Stätte , von der niemand mehr spricht , am wenigsten vielleicht die , die tagaus tagein es umwohnen . Aber von ihr , die hier auf ein paar Jahrzehnte hin ein poetisches und fast märchenhaft phantastisches Leben hervorzuzaubern wußte , von ihr erzählen sie noch , und in den Spinnstuben horcht alles auf , wenn von Elliot und seiner goldenen Kutsche , von den tausend Lichtern im Harenzackenwald und von dem Badegetümmel in Mon Caprice , versteht sich unter allerlei Zusätzen aus eigener erregter Phantasie , gesprochen wird . Ja , die schöne , längst aus dieser Zeitlichkeit geschiedene Krautentochter , sie lebt fort an dieser Stelle . Von allen denen aber , die nach ihr kamen , erzählt niemand mehr , und nur ein Grab im Park noch gibt Andeutung von dem , was später und bis in unsere Tage hinein hier halb zu Gast und halb zu Hause war . Ein Grab im Park und auf einem Steine die wenigen Worte : » Clara von Wülknitz , geboren am 10. September 1826 , heimgegangen am 1. November 1850 . « Blumen und Efeu wachsen drüber hin und zur Seite steht eine Gruppe von Zypressen und Weymouthskiefern . Einer Enkelin letzte Ruhestatt und darunter ein Leben , das vielleicht ernst und schwermütig gerade hier erlosch , an einer Stelle , wo die schöne » Grandmama « den Becher der Freude leerte , erst den Schaum und dann – den Rest . Ohne Beziehungen zu Hoppenrade selbst , noch zu seiner vieljährigen Herrin , der schönen Frau von Arnstedt , steht der schon auf Seite 199 von uns erwähnte Fähnrich von Arnstedt , der uns in einem Schlußkapitel dieses Abschnittes beschäftigen soll . Nur eine Namensvetterschaft liegt vor , freilich begleitet von einer in mehr als einem Stück verwandten , keine Selbstbeherrschung kennenden Natur- und Temperamentsanlage , die die schöne Frau schließlich bis an den Rand des wirtschaftlichen Ruins , den Namensvetter aber auf das Schafott führte . Emil von Arnstedt , Fähnrich im Leibregiment ; enthauptet am 25. April 1837 I. Am 25. April 1837 mittags stand an den Straßenecken in Frankfurt a. O. die folgende Warnungsanzeige : Der Portepeefähnrich Emil Otto Friedrich Alexander von Arnstedt des 8. Infanterie-Regiments , 21 Jahre alt , aus Ballenstedt im Herzogtum Anhalt-Bernburg gebürtig , hatte – aus Rache für angeblich von seinem Lehrer an der hiesigen Divisions-Schule , dem Lieutnant Wenzel , unverdient erhaltene Zurechtweisungen und vermeintliche aber unbegründet befundene Verleumdungen bei den höheren Vorgesetzten – am 5. Dezember v. J. morgens , mit schon tags vorher überlegtem Vorsatze , den Wenzel im Gange der Kaserne durch einen Pistolenschuß getötet . Das in der Untersuchungssache wider den von Arnstedt am 7 Januar d. J. angeordnete Kriegsgericht hatte seinerseits dahin erkannt : daß der Angeschuldigte wegen Ermordung des Vorgesetzten mit dem Rade von oben herab vom Leben zum Tode zu bringen , welcher Ausspruch durch Allerhöchste Cabinets-Ordre vom 14. d. M. dahin mildernd bestätigt worden : daß der Angeschuldigte wegen Ermordung des Vorgesetzten , statt der verwirkten Strafe des Rades von oben , durch das Beil vom Leben zum Tode zu bringen sei , und ist diese Todesstrafe heut öffentlich an dem von Arnstedt vollzogen worden . 33 Frankfurt , 25. April 1837 . Königl . Gericht der 5. Division . Hierdurch war eine Sache zum Abschluß gebracht , die , vom ersten Augenblick an , nicht nur in Frankfurt a. O. , sondern auch in den Adels- und Militärfamilien der ganzen Provinz ein großes und gerechtfertigtes Aufsehn erregt hatte . Hinsichtlich des voraufgegangenen Lebens des von Arnstedt aber stehe hier , was ich darüber bei Personen , die dem Unglücklichen einst nahe standen , erfahren konnte . Emil von Arnstedt wurde 1816 zu Ballenstedt im Anhaltischen geboren . Sein Vater war der Hauptmann von Arnstedt , der sich zu nicht genau zu bestimmender Zeit , wahrscheinlich gleich nach Schluß der Befreiungskriege , mit einer sehr schönen Dame , einer geborenen Aldobrandini , vermählt hatte Während der zwanziger Jahre wurde von Arnstedt , der Vater als Hauptmann in das 12. Infanterieregiment , dessen eines Bataillon damals in Sorau stand , versetzt und auf dem Sorauer Gymnasium empfing Emil von Arnstedt , der Sohn , seine Ausbildung . » Wir vergeudeten unsere Zeit « , so heißt es in Mitteilungen eines ihn überlebenden Mitschülers . » Es wurde uns nichts geboten , was wir im späteren Leben hätten brauchen können . Immer Latein und Griechisch und daneben etwas Mathematik , noch dazu bei Lehrern , die selber keinen Begriff davon hatten . Wir mußten uns damit getrösten , einen Direktor zu haben , der als ein Ausbund von klassischer Gelehrsamkeit galt und vielleicht es auch war . Aber daß diese Gelehrsamkeit einem von uns zugute gekommen wäre , dürfte sich kaum behaupten lassen . So war uns die Schule widerwärtig , und anstatt etwas zu lernen , gingen wir Abenteuern nach oder durchlebten sie doch in unserer Phantasie . Bei Arnstedt kam noch sein Äußeres hinzu . Er war bildhübsch und schien für Aventüren und Liebesverhältnisse wie geboren . Etwa mit 18 Jahren kam er nach Frankfurt und trat ins Leibregiment . Sein Umgang und seine Lektüre waren , wie sie damals zu sein pflegten . Avantageure , Fähnriche , dann und wann auch ein paar der jüngeren Offiziere , versammelten sich , um sich von gehabten oder noch zu habenden erotischen Triumphen zu unterhalten . Es war nicht