mich hatten - Armgart hatte es Ihnen schon damals angethan - Nein , Sie trugen den Kopf so schrecklich hoch - um Ihrer Klugheit willen ! ... Das haben Sie ganz von Ihrem Vater ... Der konnte auch jedem einen Thaler geben , wer ihn klug nannte ... Ich lästere ihn nicht ... Mir war der Schreckliche gütig ... Nur zuletzt nicht mehr ... Hätt ' er mich da noch aufrecht gehalten , ich würde nicht so elend in die Welt hinausgefahren sein ... Es - ist - nun so ... Dafür machen Sie jetzt Ihren Weg ! fiel Benno mit Bitterkeit ein ... Wann werden Sie Gräfin Sarzana sein ? ... Sie hörte auf diese Frage nicht , sondern sagte träumerisch : Wenn ich rachsüchtig wäre ... Manche bezweifeln Ihre Großmuth - ... Und wenn ich sie nun nicht hätte , habt ihr mich nicht dahin kommen lassen ? ... Etwa auch meine arme Mutter ? ... Der Herzogin , das ist wahr , war ich zu Dank verpflichtet ; aber sie war nicht gut gegen mich ... Wir Frauen wissen , daß wir Ursache haben , uns im Leben an eine starke Hand zu halten ... Nun finde ich hier vielleicht eine solche ... Konnt ' ich ertragen , daß Ihre Mutter über mich lachte und ihrem Briefwechsel mit Ihnen , den ich voraussetzen durfte , Ihre und des Bischofs Urtheile über mich entnahm und weiter verbreitete ? ... Ich leugne nicht meine Herkunft und meine ehemalige Lage ... Ich weiß auch , daß mich im Leben noch niemand gemocht hat , und habe mir längst darüber mein System gemacht . Ich ahne sogar - im Vertrauen - daß auch diese Herrlichkeit hier bald zu Ende sein wird ... Aber was ich mir an Unglücksfällen ersparen kann , das will ich denn doch nicht unterlassen haben . Ihrer Mutter , einer höchst gefährlichen , völlig in sich unklaren , halb ehrlichen , halb listigen Frau , einer echten Italienerin , mußt ' ich einen Vergleich anbieten ... Ich will wünschen , daß sie die Bedingungen ebenso hält , wie ich sie halte ... Sie sind mit der jungen Fürstin Rucca intim , fragen Sie sie in einer Schäferstunde , ob ich geplaudert ! ... Selbst über Armgart werden Sie sie nicht unterrichtet finden - Sie Ungetreuer ! Was wird Armgart sagen ! Nicht nur Sie , sondern auch Herr de Jonge brechen ihr die Treue ! ... Meine Herren , sie erfährt alles ! Darauf verlassen Sie sich ... Herr von Terschka wird sie von allem in Kenntniß setzen ... Apropos , hüten Sie sich doch vor den politischen Grillen Ihrer Mutter ... Benno mußte anerkennen , daß der Ton des Wohlwollens durch alle diese Reden klang ... Dennoch lag er auf der Folter und hätte mit einem einzigen Wort die Maske seiner Selbstbeherrschung abwerfen mögen ... Werden Sie den Namen Asselyn behalten ? fragte Lucinde nach einer Weile ... Benno konnte die quälende Erörterung nicht mehr pariren ... Auch sah er , daß sich ihr Sinnen immer mehr und mehr auf den Bischof richtete ... Der Name Asselyn - erwiderte er - klingt dem Italiener nicht fremd - ... Der Präsident , Ihr Bruder , ist kinderlos - fuhr sie fort - Wenn Sie da - Nein , nein - lassen Sie die Wittekinds aussterben ! Bleiben Sie der räthselhafte » Sohn der Spanierin « , der Neffe des guten Dechanten , ein Asselyn ! ... Ich habe mir viel Mühe gegeben , hinter Ihr Geheimniß zu kommen , das ist wahr ... Aber es wissen nicht mehr darum , als der Bischof , ich , ohne Zweifel der Dechant und meine alte Freundin , Frau von Gülpen ... Aber Thiebold de Jonge scheint eingeweiht ... Das ist thöricht ... Sie müssen ihn freilich erprobt haben ... Ganz so dumm , wie Piter Kattendyk ist er nicht ... Sagen Sie , wie können Sie Dergleichen um sich ertragen ! ... Benno erhob sich und sagte halb scherzend , halb im Ernst : Nun wollen wir von den neuesten mailänder Moden sprechen ... Sonst erleben Sie , daß ich Sie auf Pistolen fordere ... Pistolen ! sagte sie kopfschüttelnd . Auch das kommt , in Italien nicht vor ... Wer uns hier beleidigt , fällt durch das Stilet eines Rächers , den man dafür bezahlt ... Das ist schrecklich und doch - ist es nicht eine unendliche Wonne , aus den deutschen Verhältnissen erlöst zu sein ? ... Rom hat seine Lügen , seine Schlechtigkeiten - aber dieses Maß von schwatzhafter Tugend , eitler Sittsamkeit , biederer Langeweile von jenseits der Berge gibt es hier gar nicht ... Erzählen Sie mir aber - ! ... Ja wie geht es Nück ? Ich weiß durch Herrn de Jonge , daß er ohne seine Frau in Wien ist und noch unentschlossen sein soll , ob er nach dem Orient geht oder nach Rom ... Ein solches unentschlossenes Umherblicken wird seine Halsschmerzen vermehren ... Sie sind boshaft ! ... Lucinde erröthete und schwieg ... Woher erfuhren Sie die näheren Umstände meines Geheimnisses ? Gewiß ist vorzugsweise Nück betheiligt ? ... begann Benno , der endlich mehr die Oberhand gewann ... In diesem Augenblick läutete es von Tivoli herüber ... Lucinde senkte den Blick und sprach für sich den englischen Gruß ... Benno durfte der frommen Sitte sich nicht entziehen ... Darüber hatte sie Zeit gewonnen und kam auf die verfängliche Frage wegen Nück nicht zurück ... Die Dämmerung war hereingebrochen ... Ueber die Höhen des Gebirgs sah man Streifen des Monds schimmern , die bald ihr mildes Licht über die dunkelnde Schlucht verbreiteten ... Läßt mir der Bischof nichts , gar nichts sagen ? begann Lucinde ... Nein ! erwiderte Benno und sprach der Wahrheit gemäß ... So war es ja immer , sagte sie mit stockender Stimme ... Lieblos entzogt ihr mir die rettende Hand ! ... Hinweggeschleudert habt ihr mich wie ein Wesen ohne Bildung ! ... Wie hab