ging ' s wieder her wie gewöhnlich . Lärmen , Toben , Schreien . Einem von uns griffen sie an den Säbel . Da pfiffen wir . Es kam Hülfe . Da sie den Aufrührern gegenüber zu schwach war , wuchs ihnen der Kamm . Sie warfen die Gensdarmen zum Hause hinaus . Nun aber : fliegende Kolonne ! Vor ' m Hause ein Geschrei , Reden , Winkelzüge , Fluchen , Hohngelächter . Drei Mal Auseinander ! Nichts Auseinander . Ratsch ! Zwölfe brannten los . Der Arme da war nicht der Schlimmste . Er ließ die Andern räsonniren und stemmte nur die Hände in die Hosentaschen und sah an der Thür zu . Die Rädelsführer rissen gleich beim ersten Trommelschlag aus . Der hat nun in ' s Gras gebissen ... Louise richtete den Kopf auf und sah sich im Kreise um . Alle redeten ihr zu , sich zu fassen , nach Hause zu gehen und sich in das Unabänderliche zu finden . Und wie sie so die sanften und gutgemeinten Worte hörte , fragte sie mit leiser Stimme den Mann , der eben so laut gesprochen : Wo ist Danebrand ? Wo Danebrand wäre ? wiederholten die Umstehenden fast einstimmig . Die geringen Leute sind dem Schmerz so aufmerksam , dem Leid so hülfreich ... Danebrand ! meinte Kümmerlein . Den haben sie bei den Ohren festgehalten , meine Beste ! Er sah den armen Jungen da fallen , rannte grade auf ihn zu , hob ihn auf die Schulter und wollte fort damit . Da tritt die Kolonne gegen ihn an und streckt ihm die Bayonnete entgegen . Er legt die Leiche - Der war gleich todt - legt sie auf die Erde , brüllt wie ein Stier und packt zwei , drei Gewehre und will sich Luft machen . Sie traten ihn aber doch nieder und haben ihm dann mit Schnupftüchern die Arme gebunden und fortgeführt . Wie er gebunden war , gab er nach . Hackert wußte , daß Danebrand für Karl Eisold arbeiten half und sich dem Wohle dieser unglücklichen Familie ganz gewidmet hatte . Gern wär ' er nun doch fortgeschlichen ... Aber jetzt grade schien Louise von der starren Betäubung des ersten Schreckens freigelassen . Sie brach in ein lautes Lachen und Weinen aus und rief : Haben sie dich gemordet , Karl ? Dich nun auch , wie so Viele , die in den zwei Jahren hingingen ? Bist auch gefallen , wie schon die Tausend ? Mamsell ! sagte Mullrich , gehen Sie nach Hause ! Lügt Ihr Menschen ? fuhr sie fort , versteckt Ihr Euch hinter Eurer Furcht ! Ihr Alle zittert und bebt vor dem Fluch , der über uns gekommen ist ! Was haben wir Armen ? Geht , geht , Mamsell ! drängte Kümmerlein ... Die Halle füllte sich von Menschen ... Die Kinder und die Alten , fuhr Louise mit bitterster , aus ihrem Innersten hervorbrechender Wehklage fort , die Kinder und die Alten holt die Krankheit , die uns Arme dahinrafft , die Jungen , unsre Brüder und Söhne , trifft die Kugel ... Laßt ' s jetzt gut sein ! sagte Mullrich . Geht Kinder , geht nach Hause ! Die Halle füllte sich immer mehr ... Hinaus da ! riefen schon einige Polizeidiener . Zurück da ! hier gibt ' s nichts ! Aber die Leute drängten ... Louise schluchzte mit den Kindern laut und wollte sich von der Leiche des Bruders nicht trennen . Klag ' ich Euch denn allein an ? sagte sie und lachte fast wie im Irrsinn . Ich , ich hab ' ihn ja gemordet , Ihr nicht ! Ich bin Schuld an deinem Tod , Karl ! Karl ! Ich bin Schuld ! Sie sank dabei so schwer nieder , daß die Leute sie aufgriffen und forttragen wollten ... Ich habe den Großvater umgebracht , stöhnte sie und murmelte nun Worte fort , die Niemand verstand . Hackert hörte Alles hinter seinem entlegenen Pfeiler . Er verstand sie in der Halle von den hundert versammelten Menschen ganz allein . Auch fiel ihm der Mann mit rothem Barte und das Wort vom Punsch ein . Er konnte sich denken , daß Karl , der sittenstreng war und Danebrand liebte , diese Bekanntschaft nicht billigte . Vielleicht war er gestern deswegen nicht nach Hause gegangen , vielleicht deswegen nur in den Verein gegangen , den er seiner Jugend wegen und als Lehrling sonst nicht besucht hatte . Hackert , hinter dem Pfeiler schielend , sah das Anschwellen der Menge ... Louise gab dem Drängen der Polizeidiener , sich zu entfernen , nicht nach . Erst als der Assessor Müller erschien , die Wache herausrief und mit dem Bayonnet die Halle räumen zu lassen drohte , zogen sich die Neugierigen und offnen Tadler der Gewaltscene zurück . Kümmerlein mußte einen Fiaker für die Geschwister holen , die , um alles Aufsehen und alle Aufwiegelei , wie der Assessor sagte , zu vermeiden , sich im Wagen entfernen sollten . Die Leiche wird heut Abend in das Todtenhaus auf den neuen Kirchhof gefahren ! hieß es . Und nun fort ! Fort hier ! Keinen Auflauf ! Somit gingen auch allmälig die Menschen ... Die Geschwister , die sich plötzlich in der Halle fast allein sahen , zogen die Schwester von der Leiche fort ... Müller sprach von Leichenbeschau , Begräbniß , Bekleidung , neuem Kirchhof , ungestörtem Besuche daselbst , Armenrecht , Armenbehörde ... Louise erwiderte mit den ihr so liebgewordenen Versen Louis Armands : Des Volkes Tochter , arme Bettlerin ! Du bist nicht arm , was auch dein Elend spricht ... Gehen Sie jetzt ! Da fährt der Wagen vor ! Geben Sie keinen Anlaß zum Zusammenlauf ! Fort Kinder , in den Wagen ! Auf die Straße will ich , rief Louise , auf dem Markt will ich ausschreien : Rache ! Rache ! Ihr habt meinen Bruder gemordet ! Was that er