Unter anderm sprach er von einem Fest , das der Heilige Vater noch dem jungen Rucca ' schen Ehepaar nachträglich geben wollte ... Es war eine Gunstbezeugung , die nicht zu selten ertheilt wird , ein Mahl im Braccio nuovo des Vatican ... Die dort aufgestellten Meisterwerke der alten Bildhauerkunst werden dann im Glanz der festlichsten Beleuchtung gesehen ... Lucinde kannte diese Wirkung noch nicht und bedauerte , daß nur Eine Dame , die die Honneurs macht , dabei zugegen sein dürfte - diesmal Olympia ... Der Vatican , bestätigte Graf Sarzana , gilt allerdings für ein Kloster ... Lucinde kannte allerlei Ausnahmen von der Regel der Klöster ... Ihr Lächeln konnte beim Nennen der im Braccio nuovo aufgestellten Sculpturen dem Vorfall mit dem von Thorwaldsen restaurirten Apollin gelten ... Sie that , als sähe sie ganz die Furcht , die Benno schon in Wien hatte , für die junge Fürstin das zu werden , was dem Uebermuth des Kindes jene Statue gewesen ... Ihr Blick blieb forschend ... Inzwischen zeigte sich der Graf unterrichtet über die Meister und die Schulen , denen jene Bildwerke zugeschrieben werden ... Endlich ging er und bald hörte man nur noch das Klirren seiner Sporen , bald nur noch den Hufschlag seines dahinsprengenden Rosses ... Nun kommen Sie ! sagte Lucinde . Wir haben dort einen bequemeren Platz und ich bin ermüdet ... Sie deutete an , daß sie den Grafen nicht im mindesten liebte und von seiner Bewerbung nur fatiguirt würde ... Mit einigen Schritten befand man sich in einem ringsumschlossenen traulichen und völlig einsamen Bosket , wo mehrere gußeiserne Sessel standen ... So finden wir uns wieder ! ... sprach sie jetzt ... Und ich sehe schon - Sie kommen voll Zorn auf mich ! ... Hat mich die Herzogin so verklagt ? ... Im Gegentheil , erwiderte Benno , des Mädchens , ihrer Umgebung , ihrer Haltung staunend ; meine Mutter rieth mir , mit Ihnen Frieden zu schließen ... Sie wissen , ich habe das immer als das beste Mittel erkannt - mit Ihnen auszukommen ... Ein Lachen deutete an , daß sie sich nicht verletzt fühlen wollte ... Nun , nun , sagte sie , verwundern Sie sich nur erst recht aus ! ... Ja , das ist hier Italien , das ist Rom , die Villa des Mäcenas drüben - das hier Villa Tibur ! ... Nicht wahr , wer das alles von Ihrem und unserm Leben geahnt hätte , als ich unreifes Kind auf Schloß Neuhof lebte , unter Männern voll Grausamkeit und Tücke , von denen der ärgste Ihr Vater war ! ... Der beste von allen - war mein guter , närrischer Jérôme , Ihr - Bruder ! Seltsam ! Ich hatte dort schon Träume , die mir alles zeigten , was seither eingetroffen ist ... Ich sah Ihre Mutter - wie oft ! - in den Kellern des Schlosses ... Ich sah die alte Hauptmännin Buschbeck mit der Giftschale in der Hand ... Ich sah das Dasein Ihrer Mutter in den Visionen Ihres Vaters ... Wie ich Ihnen dann zum ersten mal an der Maximinuskapelle begegnete ! ... Wissen Sie noch ? Sie trugen den rothen Militärkragen jener blonden , hellblauäugigen Sandlandsklugheit , der Sie Gott sei Dank ! Valet gesagt haben ... Frau von Gülpen ahnte schon meine Mitwissenschaft an so manchem und wies mich deshalb aus der Dechanei ... Wie ich diese stille Stätte des Friedens und der Hoffnung verlassen mußte , brach mir das Herz ... Ihr Onkel war so gut ... Und Ihnen ist er der Retter Ihres Lebens geworden ! ... Ich liebe , im Vertrauen gesagt , die Reue nicht , ganz wie die Spinozisten - alle Magdalenenbilder sind mir schrecklich - Aber schön und ein ganzes Leben verklärend war Ihres Pflegvaters Reue über einen schlimmen Antheil , den er doch wol auch an Ihrem Dasein hatte - denn der Kronsyndikus war sein intimster Freund ... Wie geht es dem Dechanten ? ... Er freut sich jeder frohen Botschaft aus Italien ... Grüßen Sie ihn von mir ! ... » Frohe Botschaften aus Italien ! « ... Kämen ihrer nur mehr ! ... Ich fürchte , ihr , ihr gerade siedet und kocht ihm nichts , was ihn laben wird ... Euer Bischof bringt ein Ungestüm über die Berge , das diesseits nicht am Platze ist ... Wer ist denn nur jener Eremit , um den er sich noch ins Verderben stürzt ? ... Ein Deutscher ! ... Erinnern Sie sich Ihrer Scherze zu dem Gypsfigurenhändler , als wir über den St.-Wolfgangberg keuchten ? ... Halt ! unterbrach sie sich plötzlich ... Ich vergaß die Papiere , wo wir standen ... Holen Sie sie mir ! ... Benno folgte , wie von einem mächtigen Willen regiert ... Er hörte und hörte nur ... Ueber den Eremiten hatte sie harmlos und sozusagen waffenlos gesprochen ... Nach wenigen Schritten war Benno zurückgekehrt und gab Lucinden ein Pack sauberer Velinpapierbogen , die deutsche Scripturen enthielten ... Sie war aufgestanden und setzte sich wieder ... Sie ahnen schwerlich , was diese Papiere enthalten ! - sprach sie , das Convolut neben sich legend ... Sie verwies ihn auf den nächsten Stuhl ... Ich höre , Sie und Klingsohr sind die Referenten der Curie in deutschen Angelegenheiten geworden ! erwiderte Benno ... Wir haben , wissen Sie gewiß , eine Reformation in Deutschland ... Sind das die betreffenden Actenstücke ? ... Sie schüttelte den Kopf , ließ den angeregten Gegenstand fallen und fixirte nur Benno mit prüfenden Blicken ... Seltsam ! sagte sie ... Ihr Haar ist von der Mutter ... Die Augen haben Sie vom Vater ... Ihr Blut scheint von Natur langsam zu fließen , wie - durch Kunst bei Ihrer Mutter ... Ihr Verstand , der ist hitzig , wie beim Kronsyndikus - und wissen Sie , ich hätte Sie schon in St.-Wolfgang mit ruhigem Blut in allerlei Unglück sehen können - Nicht dafür , weil Sie kein Interesse für