” — Aber kein Gedanke an Schlafen . Und sie lag und lauschte auf das harte Plätschern des Springbrunnens vor ihrem Fenster . Er hatte eine Sprache — aber sie verstand sie nicht . Er sang einen Rhythmus — sie mußte ihn doch endlich heraushören . . . . Vergebens . Immer das gleiche harte Plätschern . Wenn es doch einmal enden wollte — nur für eine Sekunde . . . . Es war ihr , als läge sie dort im Brunnen und das Wasser plätscherte auf ihre Stirn — immerfort — wie weh es that . — — Heut Mittag — der Herr ihr gegenüber an der Table d ' hôte . . . . Sonderbar sah er sie an . . . . Wenn er ihr auf einem einsamen Spazierwege begegnete . Und der Schiffer , der sie übergefahren , hatte sie auch mit dem Blick verfolgt . Er war eigentlich ein schöner Kerl . . . . Mein Gott , mein Gott — was ergriff sie denn ? War sie so tief gesunken , sich mit einem Schifferknecht zu beschäftigen ? Strafte Gott sie für ihr Abfallen vom Glauben , indem er sie der Gewalt des Teufels überließ ? Wenn es nun doch eine Hölle gab ? Ewige Verdammnis — ewige . . . Ewiges Bewußtsein seiner Qual . . . . . Schon fühlte sie ihre Schrecken in dieser Verlassenheit — diesem Ekel an sich selbst . — Adrian . . . . Adrian Lutz . . . . Ja , den allein hatte sie geliebt . O du Einziger , Schöner — Süßer . . . . Nein — es war ja gar nicht Adrian , an den sie eben dachte — es war Raikendorf . Und Raikendorf auch nicht . . . . Martin — Martin Greffinger ! Damals in Bornau hatte er sie doch lieb gehabt ! Hätte sie ihm den Kuß gegeben , um den er sie bat . . . . Sich dann mit ihm verlobt ! So viele Mädchen verloben sich mit Schülern . . . Martin hätte sie mit sich hinausgenommen in sein fremdes , abenteuerliches Leben . . . . Sie hätten für eine große Sache gekämpft , und sie wären selbst groß und frei und stark dabei geworden . O ja — sie hätte schon eine ganz tüchtige Sozialistin abgegeben ! Wie konnte sie nur von seiner warmen , schönen jungen Liebe damals so ungerührt bleiben ? — — Wenn Adrian sie verführt hätte — wie die Daniel ? O mein Gott ! Sie richtete sich auf und zündete Licht an . Die endlose Nacht war nicht zu ertragen ! Mit bloßen Füßen lief sie zum Fenster , lehnte sich hinaus und atmete die frische , düftegetränkte Bergluft . Wie müde — wie müde . . . In der Morgendämmerung schlief sie zuweilen noch ein . Unglücklicherweise hatte Papa die Leidenschaft der frühen Ausflüge . So wurde sie oft nach einer halben Stunde schon wieder geweckt . Und sie wagte ihm nicht zu sagen , daß sie schlecht schlief . Es würde ihm die Sommerfrische verdorben haben . Der Beginn des Tages war ja auch köstlich . Aber um zehn Uhr befand sich das Mädchen schon in einem Zustand von Abspannung und nervöser Unruhe , der nur durch eine krampfhafte Anstrengung aller Selbstbeherrschung verborgen werden konnte . Es war auch so schwül . Früh brannte und stach die Sonne in das weite , schattenlose , von den hohen Felsengebirgen umschlossene Thal . Abends entluden sich schwere Gewitter . Sie kühlten die Luft kaum . Nur ein feuchter Dampf quoll von den Matten , aus den Obstgärten , schwebte über dem wilden rauschenden Bergwasser , das den Ort durchströmte , und der warme Dunst senkte sich ermattend auf die nach Erquickung schmachtenden Menschen nieder . Dabei verging dem Regierungsrat die Lust , weitere Partieen zu unternehmen . Man saß auf der Veranda oder unter einer Edelkastanie des Hotelgärtchens — Agathe mit ihrer Handarbeit , Papa mit einer Cigarre und der Zeitung — so ziemlich , wie man daheim im Harmoniegarten auch gesessen hatte . War das Gewitter schon gegen Mittag eingetreten , so schlenderte man um die Zeit des Sonnenunterganges zum See hinaus . Sie hatten eine Gerichtsratsfamilie mit einer ältlichen Tochter zum Umgang gefunden — so blieb man hübsch in dem gewohnten Geleise der Unterhaltung . Agathe fragte sich zuweilen , warum sie eigentlich nach der Schweiz gereist waren . Sie sah die Felsenberge an in ihrer stummen , gewaltigen Größe — sie starrte in das eilig brausende Gewässer — sie betrachtete die Kastanien und Nußbäume , die thaufunkelnden Farne — die Granaten in den Gärten — die ganze schon südlich sie anmutende Vegetation — und an alle that sie die gleiche Frage . Die Felsen schwiegen in steinerner Ruhe , das Wasser brauste hinab zum See — die Granaten blühten , und die Bäume reiften ihre Früchte . Sie gaben Agathe keine Antwort . Und die aufdringliche Schönheit , die üppige Pracht dieser Natur ermüdete , beleidigte , empörte sie . Papa spielte Domino mit einem Herrn , der ihn kürzlich angeredet hatte , einem vielseitig gebildeten Mann , Professor in Zürich . Heut war er von einigen seiner Schüler im Vorüberwandern aufgesucht worden . Die jungen Männer tranken ihren Wein und aßen ihren Käse gleichfalls auf der Veranda . Die Thüren nach dem Eßsaal waren geöffnet . Plötzlich setzte einer der Studenten hastig seinen Kneifer auf und beugte sich vor . Drinnen ging ein Mann in einem grauen Anzug mit einem Strohhut vorüber . “ Herr Professor , ” rief der Student eifrig , “ da ist er — ich hatte doch recht ! Warten Sie — er wird gleich unten aus der Thür treten . ” Der Züricher Professor warf seine Dominosteine um in der Hast , mit der er aufsprang und sich über das eiserne Geländer bog . Auch die jungen Männer sahen hinaus . Dann wandte der Professor sich zurück und setzte