, Herzog – und warnte mich mit beweglichen Worten vor der spanischen Hinterlist . Ich aber hob mich in den Bügeln , reckte vor allem Volke die drei Eidfinger aus und schwur , daß es durch das Gebirge tönte : › Ich rette Bünden , so wahr mir Gott helfe ! Und müßte ich Spanien und Frankreich wie zwei Rüden aneinanderhetzen , bis sie sich zerfleischt haben ! ‹ ... Und ... Herrlichkeit ... « sagte er sich besinnend , » so werde ich tun , wenn Ihr nicht heute , nicht in dieser Stunde meinen Vertrag unterzeichnet ! « Und wieder erhob Georg Jenatsch die drei Schwurfinger . » So wahr diese Hand « , rief er , und sein Dämon trieb ihn , » den Pompejus Planta erschlagen und dieser Mund den guten Herzog betrogen hat ! « Serbelloni betrachtete den Maßlosen aufmerksam . Dieser Ausbruch ungezähmter Wildheit hätte den Bündner in seinen Augen auf die Stufe eines Ungefürchteten hinuntergesetzt , wenn ihm Georg Jenatsch im Laufe der Unterhandlung nicht tägliche Proben eines durchdringenden Verstandes und einer wildgewachsenen , aber der seinigen mindestens ebenbürtigen Staatskunst gegeben hätte . So erregte diese überreizte Tatkraft eher seine Besorgnis und im Interesse seiner eigenen Stellung fing er an zu wünschen , diesen auf eine gefährliche Weise außerhalb aller Regeln Fechtenden ohne Schaden loszuwerden . Inzwischen hatte sich Jenatsch wieder völlig gefaßt und der Herzog sah einen Krieger und Staatsmann sich gegenübersitzen , der seine scharfe und besonnene Rede an ihn richtete . Der Oberst suchte Serbelloni zu überzeugen und überzeugte ihn auch wirklich , daß ein erneutes Bündnis mit dem getäuschten Frankreich durchaus nicht zu den Unmöglichkeiten gehöre , sondern trotz seiner Abenteuerlichkeit in der Lage der Dinge begründet wäre . » Die französische Eminenz ist ein großer Geist « , sagte er , » und wird , was sie Persönliches gegen mich hat , um der Dinge willen verwinden . Sie wird mir bereitwillig den Rücken decken , wenn ich mein Bünden wieder in den französischen Interessenkreis ziehe . Anderseits soll es an mir nicht fehlen . Die Festungen des Veltlins sind schon in meiner Hand . In wenig Tagen ist unser ganzes , noch nicht abgerüstetes Heer hinübergeworfen und ich lasse die stets bereitwilligen Veltliner ihren bündnerischen Patronen schwören , ohne mich um irgendeinen Einspruch so viel zu kümmern ! « Und er blies leicht über die Fläche seiner Hand hin . » Gerade jetzt « , fuhr er fort , » da die launische Bellona auf dem deutschen Kriegstheater Spanien – Österreich wieder spröder sich erzeigt , müßte diese rasche Wendung der Bündnerdinge die Interessen der katholischen Majestät empfindlich schädigen . Bedenkt , ob der unwiederbringlich versäumte Augenblick der Unterzeichnung meines Vertrages nicht auch die persönliche Beziehung Eurer Herrlichkeit zum Hofe von Madrid einigermaßen erkälten könnte ! . . . Ohne Vergleichung – es ist Euch bekannt , wie gänzlich der edle Herzog Rohan durch seine Unkenntnis unserer bündnerischen Art und Natur seinen staatsmännischen Ruhm zerstört hat . Das darf Euch nicht begegnen . – Für mich laßt Euch nicht bangen . Ich würde mich bei der katholischen Majestät zu rechtfertigen wissen und dieselbe von dem notwendigen Verlauf der Dinge unterrichten lassen . « Der Oberst neigte sich geheimnisvoll gegen den Gubernatore und flüsterte etwas von einem durch seine Bekehrung ihm geöffneten geistlichen Weg und Zugange zum Ohre der Majestät von Spanien . Serbelloni sah sich im Netze . Es wuchs in ihm ein tödlicher Haß gegen den Tollkühnen und Hinterlistigen , den er am liebsten gleich hier in Mailand aufgehoben und vernichtet hätte . Das lag in seiner Macht ; aber seine Klugheit und sein Stolz verbot ihm diesen Mißbrauch derselben . Ihm geziemte , den völkerrechtlich unverletzlichen Gesandten ungefährdet heimziehen zu lassen . Mit ununterschriebenem Vertrage ? Nein . Er traute es diesem Menschen zu , daß er seine Drohung verwirkliche , und in diesem Falle stand ihm selbst die königliche Ungnade in sicherer Aussicht . Was aber seine Tatkraft dem Bündner gegenüber am meisten lähmte , war der geistliche Einfluß , den der Niederträchtige durch seinen Übertritt auf die gottesfürchtige Seele Philipps IV. gewonnen zu haben schien ; denn dieser entzog sich jeder Berechnung . » Beruhigt Euch , Sennor « , sagte er majestätisch . » Eure Gnade hat sich unnötig erhitzt und ist der Ermüdung einer eingehenden , umständlichen Staatsverhandlung ungewohnt . Bedient Euch mit einer Limonade . Wir werden überlegen , wir werden eine ruhige Stunde abwarten . « Der Bündner hatte den Vertrag , wie er in seinem Sinne und von seinem Schreiber verfaßt war , wieder zwischen den Papieren , die den Tisch bedeckten , hervorgezogen und legte ihn dem Herzog zum andern Male vor . » Alles Heutige « , sagte er , » ging ja nur von dem leichtfertigen Vorschlage Österreichs aus und war nur ein Übungsspiel und Turnier der Geisteskräfte , über die Tatsachen hingefahren , ohne sie zu ändern ... Laßt uns , Herrlichkeit , diese selbst ohne Flitter und Zutat ins Auge fassen . – So liegen sie und diese Lösung verlangen sie . – Macht ein gutes Ende « , bat Georg Jenatsch herzlich , » und ich werde Eure große und weise Politik zu rühmen wissen . « Sei es , daß der Herzog dieser Schmeichelei recht geben , sei es , daß er den Anblick eines Menschen , der ihm gedroht hatte , nicht langer ertragen wollte , er langte , während er mit hochgezogenen Brauen die Punkte des Vertrags noch einmal langsam durchging , mechanisch nach der Feder . Jenatsch ergriff sie , tunkte sie ein und überreichte sie mit einer liebenswürdigen Verbeugung und einem Anfluge seiner alten Unwiderstehlichkeit dem spanischen Staatsmanne . Als die Unterzeichnung vollzogen war , wandte sich der Herzog zu dem bündnerischen Bevollmächtigten und ersuchte denselben , ihm wenigstens noch ein paar Tage zu schenken , um die bei einem Vertragsabschlusse üblichen Gaben und Gnadenketten in Empfang zu nehmen . Dann geleitete er ihn bis an die