drückte es dann leidenschaftlich an ihre Lippen . Oh , sie wußte am besten , wie sehr man diesen Mann lieben mußte ! Das Bild an die Brust gedrückt unter ihren gefalteten Händen , blieb sie liegen , die Blicke unverwandt ins Leere gerichtet . Klaudines hinreißende Erscheinung , wie sie dieselbe vor ein paar Stunden gesehen hatte , gaukelte vor ihren Augen , sie sah sie neben dem Herzog bei Tische , beim Tanz unter den Linden – das Mädchen hatte so oft die Farbe gewechselt . – Wie war sie nicht stets befangen , wenn Seine Hoheit ins Zimmer trat ! Sie wollte immer so ungern singen , wenn er zugegen war ! » Arme Klaudine ! Eine schöne Freundin , die hier an dich denkt , die dich erst mit aller Gewalt herangezogen hat , um dann an dir zu zweifeln ! « Nein , sie zweifelte gar nicht . Unerhörter Klatsch ! Die kleine Prinzessin war bisweilen nahezu unbegreiflich ! Die Herzogin lächelte , und dennoch standen plötzlich perlende kalte Schweißtropfen auf ihrer Stirn , und durch das summende Geräusch des aufgeregten Blutes in ihren Ohren war ein heller unbarmherziger Glockenton , die Stimme der Prinzessin , gedrungen – » Hoheit wollen nicht sehen , Hoheit wollen nicht verstehen ! « – so bestimmt , so entsetzlich unabweisbar . Die heißen Hände drückten das Bild fester gegen das unruhige , laut klopfende Herz . Ihre Lippen flüsterten : » Lieber tot , als das erleben – laß mich sterben , guter Gott , laß mich sterben ! « Ihr ganzes Eheleben zog vor ihren Augen vorüber . Sie selbst hatte den Altar ihres Glückes verschwenderisch mit Rosen geschmückt . Sollte sie übersehen haben , daß er ohne das ein recht schmuckloser gewesen ? Daß sie allein davor gebetet hatte ? Wie kam sie nur darauf ? Nein , sie hatte sich nicht hineinphantasiert in dieses Glück , sie besaß es wirklich ! Er war doch stets so freundlich , so nachsichtig , so ritterlich gewesen , besonders jetzt , wo sie krank war . Freundlich ? Nachsichtig ? Ist das alles , was die Liebe geben kann ? Sie stöhnte auf , es schien ihr plötzlich , als sei ein Schleier von ihren Augen gerissen und lasse sie in eine grenzenlose Nüchternheit und Ärmlichkeit schauen . Aber niemals hatte er ihr doch einen Grund zur Eifersucht gegeben , dieser bürgerlichen Leidenschaft , wie Prinzeß Thekla sagte , die einer Fürstin unwürdig sei . » Ich kenne diese Leidenschaft nicht « , hatte sie damals geantwortet , » ich habe noch , Gott sei Dank , keine Gelegenheit dazu gehabt . « In diesem Augenblick aber fühlte die regierende Herzogin , die königliche Prinzessin , daß auch sie dieser Leidenschaft verfallen war in furchtbarem Grade , daß auch sie auf dieser Folterbank liegen werde , ohne Rettung . Wieder blickte sie in den Spiegel , dann schlug sie die Hände vor die Augen . War sie denn blind gewesen ? Was konnte sie ihm noch sein , sie , die Kranke , dem Grabe Zuwankende ? Nichts , nichts als eine Last . Aber konnten sie nicht warten , bis sie tot war ? Wie lange würde es denn noch dauern ? » Ach , nur Schonung , Mitleid so lange , nur so lange ! Erbarmt euch ! « Sie sank zurück in einem ohnmächtigen Zustande , unfähig sich zu bewegen und doch fühlend , daß sie wache , daß es entsetzliche Wirklichkeit sei , daß ihr Schicksal die lächelnde Maske abgeworfen hatte , um sein wirkliches Antlitz zu zeigen , ein trostloses , verzweiflungsvolles Antlitz . Der kalte Schweiß rieselte ihr über die Stirn , mit einer entsetzlichen Anstrengung schnellte sie endlich empor und riß in wilder Verzweiflung an der Klingel . Erschreckt stürzte die Kammerfrau herzu . » Die Fenster auf ! « stöhnte die Herzogin , im Bette sitzend , » ich ersticke ! « Die Kammerfrau eilte zum Fenster , raffte die Vorhänge zurück und da brach der erste funkelnde dunkelglühende Strahl der Morgensonne in das Gemach und traf das geängstigte fieberhaft erregte junge Weib auf seinem Lager . Sie starrte wie fragend hinaus in diese wunderbar schöne Welt , über die im Morgenwind zitternden Wipfel der Bäume des Parkes hinweg zu den blaugrünen tannenbewaldeten Bergen . Sie atmete die reine , frische Luft , sie hörte das Zwitschern der Vögel im Geäst und sie brach in Tränen aus , in Tränen der Scham über ihre Verzweiflung , über ihr Mißtrauen . Lange noch lag sie schluchzend und schlief endlich ein . Als sie erwachte , saß Klaudine an ihrem Lager . Sie ordnete einen Strauß Rosen , die sie von Heinemanns Stöcken erbeten hatte , und war damit so lautlos emsig beschäftigt , daß sie nicht merkte , wie die Augen der Herzogin schon eine ganze Weile auf ihr ruhten . Als sie aufblickte , ging ein froher Zug über ihr sorgenvolles Gesicht . » O , du ! « rief sie und kniete an dem Bette nieder mit ihren Rosen . » Wie hast du mich erschreckt , Elisabeth ! Was fehlt dir ? In aller Morgenfrühe ließ mich Frau von Katzenstein schon holen . Ist dir das Fest gestern nicht bekommen ? « Die Herzogin hatte den Kopf schwer auf die Hand gestützt und unverwandt in das schöne Antlitz , aus dem Angst und Betrübnis so deutlich sprachen , geblickt . Dann strich sie wie liebkosend über das duftige Blondhaar . » Mir ist schon besser « , sagte sie leise , » wie gut , daß du gekommen bist ! « Sie blieb stumm während des ganzen Vormittags , aber sie folgte Klaudine immerwährend mit den Augen . Gegen Mittag wollte sie aufstehen , aber sie taumelte wie eine Trunkene und mußte wieder zu Bette . » Bleib bei mir , Klaudine « , bat sie . » Ja , Elisabeth . « Die Kranke machte die müde