begegnet war , vielmehr glaubte ich es kommen zu sehen , als ich herzklopfend in der Kastanienallee des Parkes den jungen Gutsherrn mir entgegenkommensah . » Und doch bog ich rasch in einen Seitengang ein in heißer Scheu vor seinen Blicken , seinen Worten . » Einmal im Schutze des dichten Gebüsches , das diesen Weg fast dunkel machte , lief ich wie gehetzt und blieb an der Mündung des Weges in den einen Hauptgang betroffen stehen vor dem Baron , der , mein Ausweichen gewahrend , quer durch das Boskett gebrochen war , um mir nun lachend den schmalen Weg zu verstellen . › Endlich ! ‹ sagte er und aus seinen Augen flog es über mich hin wie zwei Flammen . Niemals wieder habe ich solche Augen , habe ich überhaupt solch schönen Menschen gesehen , wie ihn in seiner durch jede ritterliche Übung entfalteten Jugendkraft . » Und , Kind , so kam es denn – ich wußte kaum wie – , ich hörte nur noch seine zärtliche , flehende Stimme , das Geständnis seiner Liebe und fühlte den heißen Druck seiner Hände , welche 281 die meinigen nicht mehr loslassen wollten . Sprechen konnte ich kein Wort , aber er spürte doch wohl , daß mein Herz ihm schon gehörte ! » Die Glocke , die um halb acht Uhr geläutet wurde aus dem Gutshof drüben , schreckte uns nach wenigen Minuten auseinander . Mit dem ersten dieser Glockenschläge pflegten sich meine Eltern zu Tische zu setzen . So trennte ich mich denn , fast taumelnd unter der Last meines Glückes , von dem Baron und hörte nur noch sein : › Schlaf süß ! Morgen spreche ich mit Mama . ‹ » Ich erinnere mich , daß ich tiefatmend einen Augenblick vor der Wohnstubentür stehen blieb und bemüht war , mich zu fassen , eine gleichgültige Miene anzunehmen . Es war mir aber , als schwebte ich über der Erde , als müßte ich einen Jubelschrei ausstoßen , der bis zu den Bergen drüben klingen müßte . » Und wie ich dann mühsam beherrscht in unser altes , liebes Zimmer trat , fand ich es leer . » Wie einen Sturz kalten Wassers empfand ich diese Abwesenheit der Eltern – – das war noch nie dagewesen . Was sollte es bedeuten ? Draußen verklang das Abendläuten . Auf dem Eßtisch dampfte die mit Milchsuppe gefüllte Terrine . Ein Teller , der meines Vaters , war halb gefüllt , neben ihm lag zusammengeknüllt die Serviette , die Stühle an dem Platz der Eltern waren schräg gerückt , so , als hätten sie hastig ihre Mahlzeit unterbrochen , als hätte sie jemand gestört dabei . Beunruhigt ging ich zu der Tür des Schlafzimmers hinüber , leise drückte ich gegen die Klinke – es war verschlossen . Doch hörte ich hinter der Tür ein heftiges Auf- und Abschreiten . » Zitternd von allem , was über mich gekommen war in den 282 letzten Minuten , sank ich auf den Stuhl , der hart neben der Tür stand , und legte wie erschöpft den Kopf an den weißlackierten Rahmen derselben , der Dinge harrend , die da kommen sollten . » Und da traf auf einmal Vaters Stimme mein Ohr , daß ich taumelnd auffuhr , so deutlich und hart schallte es heraus . Ein Ton war darin , wie ich ihn noch nie gehört von ihm , ein mühsam unterdrücktes Grollen , ein Warnen ! » › Laß uns aufhören davon , Ilse , laß uns aufhören , bitte , werde mir einmal gerecht in diesem Einen , Ilse ! Gib nach ! ‹ So hatte er gerufen . Eine kurze Pause entstand . » Dann hörte ich meine Mutter sagen : › Und du meinst , bis jetzt wärest du stets der Nachgebende gewesen , Karl ? ‹ Es klang erstaunt und verletzt . » › Weißt du es anders ? ‹ fragte mein Vater dagegen . › Sieh mich nicht so starr an , Ilse ! Es ist so , und ich habe gern nachgegeben , bei Gott ! Als wir vor dem Altar standen miteinander , da flocht der Prediger in seine Rede auch das Wort ein : Er soll dein Herr sein ! Ich aber gelobte mir – ausgenommen in schweren , ernsten Lebensfragen , wo wir gemeinsam beschließen müßten , solltest du nie den › Herrn ‹ in mir sehen – und sieh , so ist ' s geworden . Alles gab ich in deine Hände , alles hat sich deinem Willen gefügt . Und so dünkte es mich recht ! Für alles , was du mir geopfert hast , war es ja auch der mindeste Dank , daß ich dich in unserer kleinen Welt herrschen ließ . Und gut und klug hast du geherrscht bis jetzt . Jetzt aber , wo unseres Kindes Zukunft in Frage kommt , wo sein Wohl und Wehe auf der Wage liegt – heute zum ersten Male behaupte ich mein Recht als dein Herr , Ilse . Helene darf den Baron nicht mehr sehen , sie soll nicht das erdulden , was du und ich erduldet haben . Und da wir einmal nun doch bei einer Aussprache sind , laß sie uns auch zu Ende führen ! Siehst du , ich habe dich ja tatsächlich zu mir heruntergezogen aus der Höhe deiner gesellschaftlichen Stellung . Und ich habe in deiner Seele mitgelebt , ich sah , wie du klaglos gelitten hast , wie fest die Fäden noch heute sind , die dich mit jener Sphäre verknüpfen . Du hast ja nie geklagt , Ilse , du bist eben eine starke Seele . Eine minder 283 starke wäre zu Grunde gegangen daran . Aber glücklich bist du nicht gewesen ! Und wenn du es jetzt behauptest , so ist es Rücksicht auf mich , dem du dich gegeben hast . Widersprich nicht , Ilse , es ist so ! Ich habe schwer unter dieser Erkenntnis gelitten neben dir