dem Baron Vorschläge gemacht , ob er sich nicht zur Ruhe setzen und Eberhardt das Gut übergeben wollte . Das habe aber der Baron sowohl wie der Herr Leutnant zurückgewiesen , der Baron , weil er noch zu jung sei , um schon auf der Bärenhaut zu liegen , sein Schwiegersohn , weil er Soldat bleiben wolle . Na , schließlich hat Frau v. Bendeleben gemeint , das aufgeregte Wesen liege in dem Zustande der jungen Frau , und wenn sie erst ein Kindel auf den Armen wiege , werde sich das alles machen . Nun hat sie einen herzigen Buben , wie die Liesel sagt , und ' s ist halt noch die alte Komödie . Was draus wird , mag Gott wissen . Ich sag ' , was ich sag ' , die Strafe bleibt nicht aus , es ist ein gerechter Gott da droben . « Ich hatte die Hände gefaltet . » Armer , armer Eberhardt ! « dachte ich und malte mir aus , welche häuslichen Szenen er mit jener schönen , ruhelosen , exzentrischen Frau durchgemacht haben mußte . » Die Eltern haben ' s natürlich gar gern gesehen , wie sie sich mit dem schmucken Neffen verlobte « , fuhr Kathrin fort . » Es soll da allerhand passiert sein in ihrer ersten Ehe , die Leute munkeln so manches . Der Kutscher , der sie damals , als der Graf Satewski gestorben war , über Hals und Kopf von Wien hat herfahren müssen , soll wunderliche Brocken herumgestreut und sich manchmal pfiffig hinterm Ohr gekratzt haben . Na , der Herr Baron hat ihn auch gleich am andern Tage wieder zurückgeschickt , aber in ein paar Stunden kann einer viel säen , was nachher aufgeht . Ich will nichts gesagt haben , die Menschen sind halt schlecht und reden , was sie dermaleinst nicht verantworten können ; aber aus der Luft fällt so was auch nicht immer . « Ich konnte es diesmal kaum erwarten , nach dem Schlosse zu gehen . Ich mußte wissen , ob die junge Frau wirklich nach Wien gereist sei . Richtig , sie war fort , und Frau v. Bendeleben hatte bereits einmal die Stadt besucht , um zu sehen , wie es dem Enkelkinde erging . » Eberhardt ist rührend « , sagte sie , » er sitzt den ganzen Tag zu Hause , wenn er nicht im Dienste ist . Ich wünschte , Ruth hätte etwas von diesem Sinn für Häuslichkeit : das wilde Wiener Leben hat ihn aber gänzlich erstickt . Als Gräfin Satewski umgab sie ein kleiner Hof , und es muß ihr wohl schwer fallen , sich in die Stellung einer Leutnantsfrau zu finden . Ich hoffe , Eberhardt wird sich noch einmal bereden lassen und seinen Dienst quittieren . Wir gedenken ihm einst das Gut zu übergeben , einen Sohn haben wir doch nicht , und Ruth ist die Älteste und Eberhardt unser Neffe . Wenn sie es nur verstände , so lange ihren Wünschen den Zügel anzulegen . « » Sind schon Nachrichten aus Wien da ? « fragte ich . » Jawohl , ein Brief an Eberhardt , aber ein sehr kurzer . Sie schreibt nur über die Erbschaftsangelegenheit , die nicht günstig für sie ausgefallen zu sein scheint . Der Universalerbe der großen Reichtümer sei ein Neffe der alten Gräfin Satewski , der einzige Sohn ihres einzigen Bruders , den sie immer sehr geliebt habe , ein junger Fürst Bodresky . – Nun , ich halte es nicht für ein so großes Unglück . Ruth ist immerhin durch das Vermögen ihres verstorbenen Gatten eine sehr reiche Frau geworden . Ich begreife nicht , wie sie darauf kommt , zu denken , die Schwiegermutter könne ihr Reichtümer vererben , die sie doch den Satewskis erst zubrachte . Diese besaßen eigentlich gar nichts wie ihren alten Namen . Sogar das Hotel in Wien , in dem die Satewskis gewohnt haben , stammt von den Bodreskys her , und die Satewskischen Familiengüter waren mehr als verschuldet . Als die Fürstin Bodresky den Grafen Satewski heiratete , hat sie sie mit ihrem Vermögen vor dem gerichtlichen Verkauf bewahrt . Ruth erhielt bereits nach dem Tode ihres Mannes ein bedeutendes Kapital . Wie sie jetzt noch mehr erwarten kann , begreife ich nicht . Ich meine , sie hätte zufrieden sein können , sie hat von Haus aus Vermögen , sie hat Eberhardt geheiratet , der ebenfalls ganz ansehnliche Mittel besitzt – « Frau v. Bendeleben schwieg , als hätte sie bereits zuviel gesagt . In der Tat , so vertraut war sie noch nie mit mir gewesen . Sie mochte sich wohl nach irgend jemand sehnen , mit dem sie sich aussprechen konnte . Sie schien unruhig und schmerzlich bewegt zu sein , als ob eine innere Angst sie peinige . Ich brachte die Rede auf Hanna , ein paar Worte wurden über ihren letzten Brief gesagt , dann kam wieder Ruth in den Vordergrund . » Du glaubst nicht , Gretchen « , begann sie aufs neue , » was für einen grenzenlosen Kummer es mir macht , Wilhelm und Ruth nicht so miteinander zu wissen , wie es eigentlich sein sollte zwischen einem jungen Ehepaar . Ich kann mir wahrhaftig das Zeugnis geben , daß ich Ruth gewarnt habe , als Eberhardt so plötzlich mit seiner Werbung vor mir stand . Ich habe ihr gesagt , daß sie sich nicht wohl fühlen würde in den kleinen Verhältnissen einer Offiziersfrau . Aber sie lachte mich aus und behauptete , sie liebe ihn einmal , und ich solle ihr nicht darein reden . Im Grunde waren wir ja froh , daß sie gerade Eberhardt gewählt , und wir hatten schließlich die besten Hoffnungen . Allein kein Jahr dauerte es , da fand sie ihre Stellung bereits unerträglich und Eberhardt nicht für sie paffend , selbst das Kind ist ihr langweilig . – Oh , mein Gott , was soll nur daraus