so reden wir weiter . Jetzt hab ich nit Zeit . Behüt dich derweil ! « Er ging mit Lachen davon und verschwand in der Luke . Traudi trocknete die Tränen vom Gesicht und trug dem Malimmes den Weinkrug und die Schüssel nach . Aus der Tiefe des Turmes klang wachsender Stimmenlärm und wirres Geräusch herauf . Hauptmann Grans begann die kleine Besatzung der Plaienburg für die Ablösung zu rüsten und ließ unter den Gehängen des Burghügels die Stallbuden für den Kriegstrupp aufschlagen , der am kommenden Morgen im Saalachtal erscheinen mußte . 10 Sechs Spießknechte , die der Hauptmann zu Plaien am späten Abend in seine Schlafstube gerufen hatte , verließen nach Einbruch der Nacht die Burg durch eine Schlupftür . Es hieß , sie sollten der nahenden Ablösung entgegenziehen und die Straße sichern . Um die zehnte Stunde war ' s ruhig in den Burghöfen . Droben in der Schlafstube des Hauptmanns brannte noch Licht , und von Zeit zu Zeit deckte der schwarze Schatten eines Mannes die rötliche Fensterhelle . Das war , als träte ein Ungeduldiger immer wieder an das Fenster , um in die Nacht hinauszuspähen . Im inneren Hofe saß ein Schlafloser vor der Türe des kleinen Gästehauses auf der Steinbank , regungslos , mit der Stirne zwischen den Fäusten . Jul , in einen Mantel gewickelt , trat aus der Tür und legte dem Gebeugten die Hand auf die Schulter : » Geh , tu rasten ein lützel ! « Runotter nickte . » Ich komm schon . Bald . « Jul ging in das Haus zurück . Und Runotter saß aufrecht gegen die Mauer gelehnt , mit den Fäusten auf den Knien . Seine Augen suchten in der stahlblauen Höhe , in der die ruhigen Sterne funkelten . Matter Lichtschein fiel aus den kleinen Fensterluken der Ställe . Manchmal hörte man das Schnauben und Wiehern eines Pferdes das Klirren einer Kette , die müde Stimme einer Stallwache . Und wie ein Chorgesang von tausend sanften Murmelklängen war das Rauschen der Saalach in der stillen Nacht . Die Felswände der Staufen und die Steinzinnen der Lattenberge wurden weiß vom Lichte des steigenden Vollmonds . Doch über Turm und Dächer von Plaien warf der schwarze Untersberg noch seinen finsteren Schatten . Oder kam auch da droben auf diesen dunklen Gehängen schon der Mond ? Eine wunderliche Helle zitterte über die steilen Wälder hinauf , und schwarze Waldmassen begannen sich mit rötlichem Schimmer zu säumen . Runotter erhob sich , höhlte die Hände um den Mund und rief gegen den Söller des Turmes hinauf : » Höi ! Wächter ! Siehst du da droben das Feuer nit ? « Aus der schwarzen Höhe klang eine Stimme : » Wohl , ich schau schon allweil und weiß nit , was ich denken soll . « Da wurde droben am Haus der Burg das erleuchtete Schlafstubenfenster aufgerissen , und der Hauptmann rief zum Turm hinüber : » Was ist denn ? « Während zwischen Haus und Turm die Stimmen hin und her klangen , wurde es in den Höfen lebendig . Die Söldner sprangen aus der Wachtstube und aus ihren Schlafkammern , die Roßbuben aus den Ställen , die Gesindleute aus dem Haus . Dann kam der Hauptmann scheltend herunter und bestieg den Turm . Auf dem Gehäng des Untersberges wuchs die Feuerhelle . Da droben lag der Hirschanger mit sieben bayrischen Bauernhöfen . Und man konnte nimmer zweifeln : Dort oben waren wieder ein paar leuchtende Sterne auf die schöne Erde gefallen . Man sah die Züngelflammen von Heustädeln und Hausdächern . Waren Spießknechte des heiligen Peter von Berchtesgaden brandschatzend auf bayrisches Gebiet geraten ? Anders konnte man sich die brennenden Feuer da droben nicht erklären . Aber noch immer schüttelte Hauptmann Grans den struwelhaarigen Kopf : » Die Gadnischen müßt ja doch der Teufel reiten bei so einer Frechheit ! « Da hörte man in der Nacht das Geschrei von Menschen , die durch den Wald herunterflüchteten , hörte das Gebrüll von Rindern , das Gerassel ihrer Schellen , und zwischen den schwarzen Bäumen zitterte ein Schein von Fackeln , die der Plaienburg immer näher kamen . Während der Vollmond über die Höhe des Gadnischen Hallturmes heraufstieg , das Tal der Saalach mit weißer Milch überflutete und neugierig aus dem ewigen Blau herunterguckte auf das sonderbare Treiben der Menschen , erreichte der Schwarm der Flüchtenden vom Hirschanger , an die dreißig Menschen - Männer , Weiber und Kinder , mit sechzig Rindern - das Tor der Plaienburg . Weil die kleine , enge Feste solchen Zulauf nicht fassen konnte , wurde das Vieh der Flüchtigen in den Baracken untergebracht , die man am Abend für die aus Burghausen angesagte Ablösungstruppe aufgeschlagen hatte . Die Bauern berichteten : Von der Gadnischen Seite wären Spießknechte brandschatzend eingefallen ; weil sie zuerst die auf den höheren Wiesen stehenden Heustädel niederbrannten , hätte sich alles Lebendige aus den Bauernhöfen noch rechtzeitig flüchten können , bevor das Feuer in die Häuser geworfen wurde . Hauptmann Grans brüllte vor Zorn über diesen gottsträflichen Friedensbruch . Und dennoch schien seine tobende Wut eine kühle Sache zu sein , die ihm den Herzfleck nicht heiß machte . Nur die obdachlos gewordenen Bauern hatten das richtige Zornfeuer in ihren Seelen , die Weiber weinten oder schimpften , die Kinder zitterten stumm oder heulten . Und die Söldner , weil sie Arbeit und Beute witterten , schlugen einen Spektakel auf , daß alles Gemäuer der Burg widerhallte von ihrem Geschrei . Es blieb dem Hauptmann Grans nach Brauch und Gesetz nichts andres übrig , als vier Reiter mit einem scharfzüngigen Sergeanten zum Berchtesgadnischen Hallturm hinaufzuschicken und in Herzog Heinrichs Namen strenge Sühne wegen dieser friedensbrecherischen Brandschatzung zu fordern . Nach blassen Mondscheinstunden begann der Morgen eines schönen Tages sich rosig zu erhellen . Die fünf Abgesandten brachten die Meldung : Der Hallturmer schwöre die heiligsten Eide , daß er von der Brandschatzung nichts wüßte und wider Herzog Heinrich schuldlos wäre ; keine Seele der Gadnischen