Als sie vor Traurigkeit dalagen , Tätst du mit großer Liebe sagen : Wachen und beten sollet ihr , Daß keine Versuchung euch verführ ! Nach solchem Beten setzt ich mich auf den Schemel , hielt die Händ gefaltet und überdachte noch einmal den Gang der Tortur und meine Lage . Und da ich so stumpf vor mich hinstarrte , fiel mir eine Schrift in die Augen , die mit einem scharfen , spitzen Ding in das Holz der Liegerstatt geritzt war . Mühselig entzifferte ich bei dem dämmerigen Licht das Gekritzel und las : » Drei Röslein im Garten , - Drei Enten im See , - Mein Everl mueß warten , - Bis i wieder außi geh ! « Darunter stand : » Heiliger Peterl mit den Himmelschlüsseln , spirr meine Keuchen auf und führ mi naus ! « Da ich dies gelesen hatte , wurde ich wieder gefaßter ; denn ich bedachte , daß auch vor mir schon mancher hier gebrummt und gezwirnt hatte , vielleicht mit noch geringerer Schuldigkeit - mit größerer Pein . Stand also auf und suchte an Tür und Wänden überall nach Zeichen von solchen , die das gleiche Unglück , wie ich , oder vielleicht ein größeres gehabt . Ach , da war schier kein Flecklein an der dicken Eichentür - kein Flecklein längs der grauen Wand , das nicht irgendein Mal , ein Zeichen oder sonst eine Inschrift gezeigt hätte ! Hier war ein Herz mit verschlungenen Buchstaben ; darunter stand das Verslein : » Du hast ein falsches Herz , Das hab ich geprügelt , Jetzt sitz ich voll Schmerz Beim Wasserkrügel . « Dort war ein Talerstück getreulich nachgezeichnet , darum die Worte standen : » Die Daler waren gar zu scheen , Deswegen mueß ich ins Zuchthaus gehn . « Wieder eine Inschrift hieß also : » Katherl , i kimm , wann i außi kimm ; Führ di in Gansbühl numero siem ! « Dazwischen waren allerhand Diebs- und Gaunerzeichen zu finden sowie geheime Zahlen und Zinken . An der Tür aber standen in Rotwelsch etliche Sätze und darunter die Worte : » Kamerusche , noppelt für den Jahrler Toni ! - Heut holchts in Falkenturm , morgen zur Inne , und in drei Jumen scheft ich kapore ! - Memento more ! « Indem ich noch las und buchstabierte , kam der Schürg mit dem Magister wieder zurück und ließ ihn ein . Der schmunzelte , sah nach der Tür zurück und sagte : » Haarbogen ! « Dann tat er einen Schluck aus dem Wasserkrug , streckte sich auf das hölzerne Lager , schob die Arme als Polster unter den Kopf und sah nachdenklich zur Weißdecke empor . Ich war aber nun neugierig geworden , was die Inschrift an der Tür zu bedeuten hätte , und sagte : » Magister , was heißt das ? « Und las ihm den ganzen Schmarren vor , worauf er ihn mir verdeutschte und sagte : » Das war einer von der Zunft ; der klagt : Die Streifer haben mich gefangen , mich dummen Hund ! - Jetzt bin ich Narr im Gefängnis ohne Kameraden . - Die Richter machen mir große Angst mit Stockschlägen und Tortur , wenn ich nicht gestehe . - Aber ich gestehe niemals ! - Wenn ich nur ausbrechen könnt ! - Ich fürcht , daß sie mich hängen oder köpfen , wenn sie meinen wahren Namen in die Nase kriegen . - Und das andere heißt : Kameraden , betet für den Waldler Toni ! - Heut gehts in den Falkenturm , morgen zur Tortur , - und in drei Tagen bin ich tot - kapore - memento more ! « Dann stand er auf , streckte sich und sagte : » Dem ist ganz recht geschehen , - das war ein wilder Bursch ; - der hat nicht wenig Bauern kalt gemacht und dazu genommen , was er erwischt hat . - Ist ein teuflischer Kerl gewesen - aber - hin ist hin . « Unter solchem Reden fiel mir mein eigenes Unglück wieder ein , und ich fragte den Magister , was er ausgericht hätt beim Richter ; doch war nicht um alles in der Welt eine Antwort aus ihm zu bringen . Er schob die Händ in den Sack , zuckte die Achseln und sagte bloß das eine Wort : » Abwarten ! « Also , daß ich aufs neue in große Kümmernis kam und nichts Gutes für den andern Morgen erwartete . Zugleich aber stieg nun mein Groll gegen den Magister , als den Urheber meines Unglücks , heftig in mir auf ; ich nannte ihn im stillen einen scheinheiligen Hund und sprach den ganzen Tag kein Wort mehr mit ihm . Und den Abend , da von den Türmen Sankt Peters und Heilig Geists das Angelusläuten ertönte , warf ich mich auf mein Lager , schlug die Händ vors Gesicht und würgte die heftig aufquellenden Tränen hinunter , indem ich der Schand gedachte , die meiner wartete . Ich aß auch nichts mehr und kehrte mich gegen die Wand , gab dem Magister auch auf sein Gut Nacht keinen Dank und entschlief , eh ichs bedachte . Mitten in der Nacht aber wachte ich auf ; - Fieber schüttelten mich , und ich sah mich im Geist schon auf der Bank ausgespannt liegen , zerschunden und zerfleischt . Die Haare standen mir zu Berg , und ich setzte mich auf , indes meine Glieder wie zerschlagen waren und schmerzten und brannten , daß ich aufstöhnte . Und in dieser Stunde machte ich den Vorsatz , den andern Morgen , wenn man mich fortführen wollt , alles zuzugeben , dessen man mich beschuldigte . Mocht man mich lieber als einen Fremden hängen , denn als Mathias Bichler schinden und schänden ! Nach solchem Entschluß ward ich wieder ruhiger und schloß die Augen . Ein fahles Rot schien den andern Morgen durch die trübe Fensterscheibe , spielte um die