! Sie haben die Hohepforte ! Nun kommt die ganze Armada ! « Aber Falkenberg schwang sein blutig Heldenschwert mit dem Rufe : » Wer rettet die Stadt ? « Und allsogleich rannten wir wütend den Feind an . Gleich beim Anprall erlegte ich mit dem Pistol einen Gegner . Doch brach mein Pferd zusammen , und ich stürzte mit dem Kopfe wider einen Prellstein der Straße , daß mir die Sinne schwanden . Als ich wieder zu mir kam und mich verwundert aufrichtete , war die Straße ringsum besäet mit Toten und stöhnenden , zuckenden Verwundeten . Ich betastete meinen Kopf , er schmerzte und blutete , doch fand ich keinen Bruch am Schädel . Nun riß mich die Kriegsfuria aufs neue in den Kampf . Ich sprang auf und lud meinen Karbiner . Da flüchteten etliche unserer Reiterei an mir vorüber , und siehe , einer war der Herr Administrator des Erzstiftes Magdeburg . Doch gleich hinter ihm drein sprengten fünf feindliche Panzerreiter , von denen einer kostbare Federn auf dem Helme trug . Dieser Ritter verlegte dem Administrator den Weg und rief gebieterisch : » Ergebet Euch ! Ihr sollet Quartier haben ! « Da hielt der Administrator sein Pferd an , steckte sein Schwert in die Scheide und gab sich gefangen . Ich legte auf den Ritter an und wollte eben losbrennen , als plötzlich eine weibliche Stimme » Johannes « schrie . Es war die Jungfer Gräfin , meine Thekla , als ein Mann gekleidet , mit Blute bespritzt , ein Schwert in der Rechten , ein Pistol in der Linken . » Zu Hilfe , Johannes ! « rief sie und lief zu einer kämpfenden Gruppe . Ich folgte und sahe den Obersten Falkenberg , der vor sich auf dem Rosse einen ohnmächtigen Verwundeten hielt und an drei Harnischreiter , so ihn umzingelten , Schwerthiebe austeilte . Den wildesten Gegner des Obersten traf mein Karbinerschuß . Des andern Roß brach unter dem Schwertstich der Jungfer Thekla zusammen . Da brannte der dritte sein Feuerrohr auf den Obersten ab , stürzte aber gleich darauf , getroffen von einem Beilhiebe des Rottmeisters Hans Herkel , jenes Propheten , so gerufen hatte : » Meine Seele sterbe mit den Philistern ! « Der Oberste Falkenberg ließ sein Schwert fallen , griff sich nach der Brust und sank nach vorne über den Menschenkörper , der noch immer vor ihm lag . Ich nahm des Obersten Linke , während Hans Herkel auf der andern Seite des Rosses die Rechte ergriff , Thekla hielt des Rosses Zügel - und so führten wir den verwundeten Obersten aus dem Kampfgetümmel . Unweit war der Jakobikirchhof . Dorthinein zu den grünen Grabhügeln ging unser Zug . Bei der Wohnung des Totengräbers war ein Brunnen und eine Bütte mit Wasser . Ein unmündig Mägdlein , des Totengräbers Kind , stund dabei und staunete uns an . Hier machten wir Halt , ich und Hans Herkel ließen den Obersten vom Roß in unsere Arme gleiten und legten ihn an einen grünen Grabhügel , das Haupt zwischen Stiefmütterchen und Narzissen gebettet . Jungfer Thekla hielt indessen den andern Körper , den das Roß getragen und der noch immer querüber lag , bei den Schultern und schaute schluchzend in das bleiche Angesicht . Und siehe , dies Angesicht gehörte der Frau Falkenbergin . Gleich Thekla hatte sich die edle Frau in Mannesgewand getan und als ein Krieger in den Kampf gestürzt , an ihres Gatten Seite zu fallen . Als wir sie neben den Obersten betteten , spürten wir , daß sie tot war . Falkenberg drehte seinen Kopf zur Gattin , und ihre Hand legte ich in die seine . Er dankte mir mit einem Blicke und schaute mit wehmütiger Liebe nach seiner entseelten Frau . Hans Herkel und ich stunden schweigsam dabei . Das Knattern und Donnern der Schlacht scholl herüber . Auf einmal aber ertönte aus dem nahen Blütenbusche das Flöten einer Nachtigall , so süß , als sei in Todes Arm die holdeste Hochzeit . Zugleich hörte ich des Totengräbers Kindlein jauchzen . Mit seinen Händlein plätscherte es in der Wasserbütte und freute sich der glänzenden Wellen und sprühenden Tropfen . Da ging ich hin , schöpfte meinen Hut voll Wasser und gab dem Obersten zu trinken . Thekla wusch das Angesicht ihrer verblichenen Schwester und weinte heiße Zähren . Hans Herkel hatte des Obersten Koller aufgetan und suchte das Blut der Brustwunde zu stillen . Stöhnend richtete sich der Oberste auf . Da fielen Ascheflocken aus der Luft bei uns nieder , und gen Himmel richtete der Sterbende sein Auge groß und gierig . Droben flogen Rauchwolken und Funken . » Herkel ! « - stieß er mühsam herfür - » es ist Zeit - ans Werk ! Er hat das Zeughaus übernommen . « Ein heiser Schluchzen brach aus Hans Herkels Brust ; dann rief er wild : » Ich tu ' s ! « und rannte spornstreichs fort . Mit einem Lächeln des Triumphes sank der Oberste zurück in die Blumen . Dann sah er milden Auges abwechselnd mich und Thekla an . » Tielsch , « - hauchte er - » rette Er die Jungfer - in die Kirche - schnell fort ! « Keuchend rang des Helden Brust , ein Blutstrom brach aus seinem Munde , er röchelte - und verschied . Thekla schrie auf , warf sich zu den Toten auf den Boden und umschlang ihre Schwester schluchzend . Dann küßte sie des Obersten Hand . » Mein gnädig Fräulein « , mahnte ich . Da sie aber nicht hörte und von neuem aufschrie , so ergriff ich ihre Hand , hub die Jungfer empor und sprach : » Bitt Euch , gnädig Fräulein ! Wollet doch den letzten Willen des Toten erfüllen und eilends mit mir gehen . Oder möchtet Ihr in Feindes Hand fallen ? « Sie starrte mich tränenvollen Auges an , besann sich und sprach : » Ja doch , Johannes ! Ich