wiederzusehen . « » Auch ich freu mich sehr , Herr Stanzides . « » Kein Brief für mich ? « wandte sich Therese an Demeter . » Nein Therese , nur für mich ein paar Karten « , und er steckte sie in die Tasche . » Seit wann sind Sie denn hier ? « fragte Georg und versuchte sich möglichst wenig überrascht zu zeigen . » Gestern Abend sind wir angekommen « , entgegnete Demeter . » Direkt aus Wien ? « fragte Georg . » Nein , aus Mailand . Wir sind schon acht Tage auf Reisen . « » Zuerst waren wir in Venedig , wie es üblich ist « , ergänzte Therese , zupfte lächelnd an ihrem Schleier und hing sich an Demeters Arm . » Sie sind ja viel länger fort « , sagte Demeter , » eine Karte von Ihnen sah ich vor ein paar Wochen bei Ehrenbergs . Haus der Vettier , Pompeji . « » Ja , ich hab eine wunderbare Reise hinter mir . « » Nun wollen wir uns ein wenig im Ort umsehen « , sagte Therese , » und im übrigen den Baron nicht weiter aufhalten , der sich jedenfalls Briefe abholen will . « » O das eilt nicht . Und wir sehen uns doch jedenfalls wieder ? « » Wollen Sie uns nicht das Vergnügen machen , Baron « , sagte Demeter , » heute im Europe , wo wir abgestiegen sind , mit uns zu lunchen ? « » Danke sehr , es geht leider nicht . Aber ... aber vielleicht paßt es Ihnen mit ... mit ... uns im Parkhotel zu dinieren , ja ? Um halb sieben , wenn ' s Ihnen recht ist . Ich lasse im Garten decken unter einem wunderschönen Platanenbaum , wo wir gewöhnlich speisen . « » Ja « , sagte Therese , » wir nehmen dankend an . Ich komme vielleicht schon eine Stunde früher , um mit Anna in Ruhe zu plaudern . « » Schön « , erwiderte Georg , » sie wird sich sehr freuen . « » Also auf Wiedersehen , Baron « , sagte Demeter , und indem er seine Hand herzlich drückte , fügte er hinzu : » Bitte meinen Handkuß zu Hause . « Therese winkte Georg vergnügt mit den Augen zu , dann schlug sie mit Demeter den Weg zum Ufer ein . Georg schaute ihnen nach . Hätt ich sie nicht gekannt , dachte er , Demeter hätte sie mir ohne weiteres als seine Gattin , geborene Prinzessin X. vorstellen können . Wie merkwürdig ! diese zwei ! ... Dann trat er in die Halle , ließ sich am Schalter seine Sendung geben und sah sie flüchtig durch . Das erste , was ihm in die Augen fiel , war eine Karte von Leo Golowski . Es stand nichts drauf als : » Lassen Sie sich ' s wohl ergehen , lieber Georg . « Dann war eine Karte da aus dem Waldsteingarten im Prater . » Haben soeben auf den verehrten Ausreißer unsre Gläser geleert . Guido Schönstein , Ralph Skelton , die Rattenmamsell . « Die Briefe von Felician , Frau Rosner , Heinrich wollte Georg erst zu Hause mit Anna zusammen in Ruhe lesen . Auch drängte es ihn , die Neuigkeit von der Ankunft des sonderbaren Paares Anna mitzuteilen . Er war nicht ganz ohne Unruhe . Denn Annas bürgerliche Instinkte wachten zuweilen in ganz unerwarteter Weise wieder auf . Jedenfalls beschloß Georg , ihr seine Einladung an Demeter und Therese als etwas vollkommen Selbstverständliches mitzuteilen und war bereit für den Fall , daß sie der Sache gekränkt , geärgert oder auch nur unsicher gegenüberstände , eine solche Auffassung mit Entschiedenheit abzulehnen . Er selbst freute sich auf den Abend , der ihm bevorstand , nach den vielen Wochen , die er ausschließlich in Annas Gesellschaft verbracht hatte . Beinahe spürte er ein wenig Neid auf Demeter , der sich nun auf einer so sorgenlosen Vergnügungsreise befand , in der Art wie er selbst sie im vorigen Jahr mit Grace gemacht hatte . Dazu kam , daß ihm Therese besser gefallen hatte als je . So vielen schönen Frauen er im Laufe der letzten Monate begegnet war , noch niemals , trotzdem Anna an weiblicher Anmut immer mehr verlor , war er in ernste Versuchung geraten . Heute zum erstenmal wieder fühlte er Sehnsucht nach neuen Umarmungen . Bald sah er durch die Gitterstäbe des Balkons das hellblaue Morgenkleid Annas schimmern . Georg pfiff , nach gewohnter Art sich anzukündigen , die ersten Takte der Beethovenschen fünften Symphonie , und gleich erschien über dem Geländer das blasse , sanfte Gesicht der Geliebten , und ihre großen Augen begrüßten ihn lächelnd . Er hielt das Päckchen Briefe in die Höhe , sie nickte befriedigt , dann eilte er rasch hinauf in ihr Zimmer auf den Balkon . Sie lehnte in einem Strohsessel vor dem Tischchen mit der grünlichen Schutzdecke , auf dem sie eine Handarbeit liegen hatte , so wie es beinahe immer der Fall war , wenn Georg von seinem Morgenspaziergang nach Hause kam . Er küßte sie auf die Stirn und auf den Mund . » Also was glaubst du , wem ich begegnet bin ? « fragte er hastig . » Else Ehrenberg « , antwortete Anna , ohne Besinnen . » Wie kommst du drauf ? Wie sollte die hierher geraten ? « » Nun « , sagte Anna pfiffig , » man könnte dir ja nachgereist sein . « » Man könnte , aber man ist es nicht . Also rat weiter . Dreimal darfst du . « » Heinrich Bermann . « » Aber keine Idee . Von dem ist übrigens ein Brief da . Also weiter . « Sie dachte nach . » Demeter Stanzides « , sagte sie dann . » Wie , weißt du am Ende etwas ? « » Was soll ich denn wissen