an jedem Stamme empor , wo eine Eichkatze die Rinde reißend hinaufhuschte , oder ein schmelzender Vogel unsichtbar seine Liebesmelodie tirilierte . Er horchte dem Spechtpochen und verfolgte den seltsamen Schwung seines Fluges , wenn er ihn absichtslos verscheucht hatte . Und sah ihn noch lange rüstig hintauchen zwischen den Schatten der Wölbung . Er begegnete Hirsch und Hinde . Der Hirsch , mit dem Blick eines Ernsten , Erstaunten , der plötzlich aus dem Dickicht herausbrechend , in gereckter Gestalt vor ihm stand , lange unerschüttert äugend , zwei Tiere und ein Junges scheu zur Seite hinter sich . Daß auch Einhart gleich völlig erstarrte . Daß die Blicke beider , Einharts und des reich gehörnten , mächtigen Waldkönigs sich fest ansahen und immer noch hielten . Bis das erstaunte Tier , seine Gabelung vehement in den Nacken werfend , um seine Flanken zu schützen , ebenso plötzlich mit königlichem Sprunge gegen die Waldwirrnis sprang und den Seinen mit dem Geweih wie mit einer Pflugschar durch Ast und Dorne den Weg fegend ' unter erstaunlich flüchtigem Zerkrachen und Zerbrechen von Buschwerk verschwand . Einharts Leben war jetzt ganz innerlich und froh erfüllt , wie das Leben des Vogels im Schattenwipfel oder das Leben der Woge im Meer . Der Strand breitete sich hellblendend , wenn Einhart die letzte Eiche des Waldgürtels zurückgelassen . Er stapfte tief im Sande auf den hellen Dünenhügel . Auf dessen leichter Höhe zitterten die Strandgräser . Dort lag vor ihm das weite , schäumende Meer ausgebreitet . Im Sande halbvergraben lag ein verfallenes Boot . Weit und breit war keine Menschenspur sichtbar . Hoch im Sonnenraum hing oder kreiste ein Seeadler einsame Runden , dann und wann einen kreischenden Wecklaut herniedergebend . Die glasigen Wogen hatten Schäume weit hinaus . Aus Nordosten flatterte der Meerwind . Und am Strande schlürften die Fluten breit heran , sich leise überstürzend immer und zurücksaugend , rieselnd und zerschäumend und neu zusammenrinnend . Immer wieder . Immer wieder . So weit der Blick Einharts an dem weiten Bogen des flachen Seestrandes sich verlor . Wenn die Mittagsonne warm schien , hockte Einhart gewöhnlich auf einem Waldfelsen über dem Strande , auf den er vom Meere aus zurückgegangen . Einhart liebte den Ausblick von oben , den frohhebenden Eindruck der Wogenwelt aus der Höhe . Von dort aus konnte er Johanna kommen sehen . Das galt Einhart eine Heiterkeit ohne Ende , wenn die verabredete Stunde heran war . Er hatte den Morgen lang beobachtet , skizziert , oder auch Malarbeit in Studien getan . Durch die silbernen Stämme von einigen Buchen dämmerte schon Johannas flatternde , lichte Gestalt . Sie ging in losen Ballisten und hielt einen Schal um die Schultern , der im Laufthauch winkte und wehte . Sie lachte von ferne , wie ein Specht lacht zwischen den Stämmen . Hören hätte es Einhart kaum können . Meerrauschen füllte mit ewigem Überstürzen und Branden , mit genug Lärm die sonnenlichte Strandeinsamkeit . Aber Einhart sah es klingen in Johannas Augen . Johannas Augen sahen groß aus Dunkel her . Ihre sanfte , schlanke Lieblichkeit , so eilfertig heranstrebend , schien nicht anders , als zuzugehören zu dieser blendenden Dünenwelt zwischen Meerflutschäumen und Waldeswehen . Auch Einharts Blutwelle pulsierte dann singend , als wäre er die Seele dieser einsamen Welt von Dünen , von Wald , Felsen und Wogen . Dann waren die Flatterwinde still . Die leichten Kleider warfen sie in den weißen Meersand . Johannas lieblicher , rosiger Leib enthob sich den letzten Hüllen . Sie sprang mit anmutigem Gezeter alsogleich in die heranstürzenden Wogenschäume . Sie kreischte lieblich . Sie fiel von der Kraft der Wasserstürze gestoßen und tauchte nieder unter die Flut . Da konnte auch Einhart aufjauchzen derart , als hätte er plötzlich die Stimme eines alten Tritonen , so voll . Da konnte er in die hohlen Hände trompeten , als ob er in eine Muschel dumpf tutend hineinblies . Da konnte er hinter der ängstlich kreischenden Johanna drein in den flachen Wellen schaumsprühend springen , mit vollen Händen Diamanten in Sonne und Lüfte und über Johanna unbarmherzig schöpfend und sprühend . Daß der Seeadler neu aus der Ferne heranstrich , fühlbar erregt hoch über ihnen seine Kreise ziehend , und dann und wann wie im Zorn niederstoßend . Als wenn er jetzt dächte , daß weiße , große Meerwesen aus ihren Wasserpalästen in der Tiefe aufgetaucht , die sich dreimal selig vergnügten im strahlenden Licht . Dann lagen die beiden lange noch im heißen Sande . Einhart war auf die Idee gekommen , Johanna tiefer und tiefer einzugraben . Sie sah allmählich aus wie eine neckische Sphinx . Kopf und Schultern und Brust hatte er freigelassen . Es waren lauter törichte Spiele , die ihnen wohl Appetit machten , daß sie dann endlich durch den Wald eilig zurückgingen , Hand in Hand und lachend wie Kinder . Und auch beim Mittagsmahle konnten sie nicht genug immer wieder alles sich erzählen , was ein jeder doch wußte , weil er es eben erst erlebt hatte . Aber so ist ein Schatz auch das Erzählen von glücklichen Dingen . Es gibt einen Hauch wieder , wenn das Glück verloren ist , und das Glück hier erneuerte sich jeden Tag und jeden Tag den ganzen Sommer lang . Nie war Johanna freier gewesen im ganzen Leben . Ihre Seele war wie eine Blumenwiese so reich bestellt und wie eine Meereswelle eilig . An Poncet dachte sie nie . Oder geradezu mit Ärger jetzt , wo sie Einhart so in Übermut um sich hatte und in wahrer , freier Sommerfreude . Und Einhart hing leidenschaftlich an der wachsenden Ernte seiner Sommerarbeit , aber jetzt auch voll an dem Taumel , Johannas Schönheit allenthalben in Wald oder Wellen anzustaunen und sein zu fühlen . 11 Einhart hatte ein paarmal an Doktor Poncet geschrieben , er möchte kommen . Aber Johanna war es sehr recht , daß trotz Poncets Zusagen den ganzen Sommer nichts daraus geworden