mein Kind erwachen soll . - Seit vierzehn Tagen kaum ins Bett gekommen , ich lege mich nur ein paar Stunden auf den Diwan , dann ist ' s wieder vorbei mit dem Schlaf , und ich wandere von der ersten Dämmerung an in der Wohnung herum - von einem Zimmer ins andere . - Es war so viel Freude darin , alles selbst einzurichten , so viel Stolz , daß man es selbst zusammengearbeitet hat . Alles scheint zu warten - die kleine Wiege , die neben meinem Schreibtisch steht - armselig ist das Ganze wohl , aber es war alles , was ich geben konnte , und für mich liegt schon der Glanz all der Liebe darüber , die hier zwischen uns beiden leuchten soll . Nur die letzte Arbeit muß noch getan sein - meine Augen brennen nach Schlaf . - Ich habe eine Schieblade vom Schreibtisch herausgezogen , um den Rücken dagegenzulehnen , die Schwere im Körper will mich fast zu Boden ziehen . Und ein Gefühl , als ob man nicht mehr auf der Erde wäre , sondern in einem fremden , durchsichtigen Element , wo ferne Glocken läuten und man nur lächeln und weinen möchte . September - - Mein Kind - nun ist es aus seinem langen , dunklen Schlaf erwacht , Tag und Nacht liegt es neben mir - Tag und Nacht scheint jetzt die Sonne , und die letzte Finsternis ist hell geworden - die Welt steht still um uns beide , wie ein Tempel , in dem alle Offenbarungen tönen . Mein Kind - mein schwererkämpftes - nach all dem stillen , frohen Warten noch einmal hinunter in den allertiefsten Abgrund - durch Martern hindurch , wie sie kein Traum zu ersinnen vermag , die alles hinweglöschen , was noch leben will an Furcht und hoffender Erwartung , alles verstummen machen vor dem einen schaudernden Aufschrei , daß solches Entsetzen möglich ist . Und dann der lichte Morgen , die hellen strahlenden Stunden , wo das Leben in seine Bahnen zurückflutete - , und wo ich zu fassen begann , daß ein Märchenwunder Wirklichkeit geworden war - das Märchenwunder , das neben mir in weißen Kissen lag und mich aus weiten , dunklen Augen ansah . - Mein Kind - was frage ich jetzt noch , ob es schwer erkämpft war - , mein Kind soll zur Freude geboren sein , nicht die verblaßten Spuren tragen von dem , was ich gelitten habe , und was jetzt mir selber Freude und Reichtum geworden ist . Mein Weg war wohl oft dunkel und blutig , ich habe den Tod von Angesicht zu Angesicht gesehen und seinen Blick gefühlt , den Wahnsinn und die letzte Verzweiflung - nun sehe ich dem Leben ins Auge und bete es an , weil ich weiß , daß es heilig ist . Es hat mich all seinen Reichtum gelehrt an Leiden und Lust - ich liebe alle die Schmerzen , die es mir angetan hat , und all die Opferwunden , die es schlug - ich liebe auch die Verlassenheit und die Not , die vor unserer Tür steht . - Wie konnten wir je Feinde sein ? Mag es jetzt geben oder nehmen - ich sehe ihm ins Auge , und wir lächeln beide .