Tiefe der Gräber erklingt ; wann deine gottlose Überhebung zerplatzt vor dem Hauch des Ewigen - Weib ! Weib ! was wirst du ihm antworten ? « Josefine sah seine wutzitternden Adern auf der Stirn , seine nassen Augen - sie fühlte , daß er schwer litt in diesem Zustande , und sie sehnte sich , etwas zu seiner Erleichterung zu tun . Aber sie wußte auch , daß es ihre Anwesenheit hier war , die ihn in diesen Zustand versetzt hatte , und so ging sie , ihn mit traurigen Blicken fixierend und unwillkürlich schwer aufseufzend , nach der Tür . Augenblicklich sprang er ihr nach . » Nur über meine Leiche ! « keuchte er , die Zähne weisend wie ein wütender Hund , sinnlos , zu jeder Gewalttat bereit . Aber die Frau empfand keine Furcht , nicht an sich dachte sie . » Laß die Tür , « sagte sie bestimmt , » ich hole dir etwas , du bist - sehr - krank - Georges . « Und während sie diese Worte , einzeln nacheinander , wie ebensoviele Dolchstiche in ihn hineinbohrte , legte sie ihre starke und geschmeidige Hand auf seine Schulter , die unter ihrem Druck entwich , zusammenknickte wie morsches Lattenwerk . » Erbarme dich ! erbarme dich ! « schrie er auf und stürzte in die Knie , die Hände in ihr Kleid verkrampft , so daß es zerriß . » Séfine , Weib , vor Gott dem Allmächtigen und nach menschlicher Satzung mein Weib - das heißt meine Untergeordnete , meine Dienerin , widerstrebe nicht ! « kreischte er vom Boden auf . Sie befreite sich endlich , schlug seine Hände zur Seite wie die eines lästigen , sich anklammernden Kindes , wortlos , furchtlos , ohne auf seine Worte zu hören ; zuweilen huschte ein ganz unwillkürliches Lächeln über ihr gespanntes Gesicht , weil sie so stark war . Er rollte auf dem Boden rückwärts in einer Flut von Papieren , die sich aus dem zerfetzten Pelzmantel ergoß . » Hätte ich nur dich nie gesehen , « wimmerte er , » mein Unglück bist du ! meine Schande ! Solch ein Weib muß jeden Mann ruinieren ! Ach , ach , mein Kopf ! mein Herz ! Nimm mich wieder auf , hörst du ? Warum erbarmt ' s mich noch , daß ich sie nicht totschlage ? Gib einem Manne , was ihm gehört ! Sein Weib und die anderen Weiber ! Ist ja nicht der Wert , darüber zu reden ! Vom Teufel erdacht ! vom Teufel gemacht ! Uh ! Meine Ohnmacht ! « Er begann den Boden zu schlagen . » Halt ! « rief Josefine , nach einem aufwirbelnden Papierblatt haschend , » was ist doch das ? « Sie hatte die Überschrift gelesen , die ihr schon so bekannt war . Von den » Gelehrten Weibern und geprellten Ehemännern « war bereits die vierte Fortsetzung erschienen ; man sprach schon in der Stadt darüber , andere Zeitungen brachten Erwiderungen , der pseudonyme Verfasser wurde heftig angegriffen , noch heftiger verteidigt . Hier sogar , im Hause » Zum grauen Ackerstein « , hatte es lachende Debatten gegeben über diese Herzensbekenntnisse eines Verschmähten , dessen possenhaft frivoler Ton immer mehr in ein hallendes Pathos übergegangen war , und dessen wunderliche Zitate aus unbekannten Büchern auf einen klugen Schalken zu deuten schienen , der nichts als eine Mystifikation bezweckte und vielleicht am Schluß , nachdem er alle Gegner des Frauenstudiums hervorgelockt , mit Pritschenschlag und Nasendrehen hinter der Maske hervorspringen werde . Und nun ? Nun hielt Josefine das Manuskript in der Hand , und der auf dem Boden kauernd sinnlose Worte ausstieß - Worte , die auch in jenen Artikeln vorkamen - Georges war der Verfasser ! Ihr war , als habe sie einen Stich in die Ferse erhalten - die Schlange , die sich vor ihr feige zischend krümmte , hatte doch zugebissen . Georges der Verfasser ! Sie blickte auf das lange und breite Blatt in ihrer Hand , viel korrigiert , viel durchstrichen , bedeckt mit Georges ' verschnörkelten , pomphaft geschwollenen Schriftzügen . Es stand ihm zu Gesicht , dieses Blatt , es paßte zu der verzerrten Larve , die , halb Angst und halb Triumph , zu ihr in die Höhe starrte . Sie warf es heftig von sich , ihre Geduld , ihre Überlegung verließ sie . Hier war Schande , und die Schande traf sie mit . Sie schrie laut auf . » Du ! Du ! hast du Grund ? gerade du ? Was für ein Mann ! Ach , gemeingefährlich ! ach ja ! Solche Dinge schreibst du ? du ? Solche Dinge sagst du anderen , die dumm und roh sind ! Oh , ich schäme mich ! ich schäme mich für dich ! « Wie eine Flamme der Verachtung war ihr Gesicht , die Augen groß offen , die Nüstern gebläht .. » Dazu mißbraucht er seinen Verstand ! Schande ! « Und sie stürzte hinaus , ohne sich nach dem umzusehen , der mit angehaltenem Atem , bebend vor ihrer Verachtung und gestachelt von Schadenfreude in seinem mottenfräßigen Pelzmantel im Winkel lag , ein ewiger Gefangener seiner haßvergitterten , maulwurfblinden Seele . In den Tagen tiefer Niedergeschlagenheit und quälenden Brütens über diese neue schlimme Entdeckung fand die bedrängte Frau nur eine Zuflucht - ihren Beruf . Wie zuvor zum Studium , so flüchtete sie nun zu ihren Kranken . Was für ein Segen wurde für sie diese nervenerschütternde , opferfordernde , oft so aussichts-und fruchtlose Tätigkeit ! Hier fand sie sich selbst wieder . Hier allein . Zu Helene hatte sie nicht kommen mögen mit ihrer Bedrängung ; sie fürchtete Helenes rein verstandesmäßiges Urteil . Sie schämte sich vor ihr , schämte sich auch vor Bernstein . Es kam ihr in solchen Momenten zum Bewußtsein , daß er einem anderen Volke angehörte . Er würde lachen und sagen : » Sehen