Graf werden nichts als Ärger und Verdruß gehabt haben und Ihr Geld einbüßen . « » Das ist doch wirklich traurig ! « sagte der Graf , und dem Tone , in welchem er das sagte , war anzuhören , daß es ihm von Herzen kam . » Ja , es ist tieftraurig ! « echote Schmeiß . » Solchen Menschen ist dann allerdings nicht zu helfen . « » Ganz sicher ist solchen Leuten nicht zu helfen , Herr Graf , « sagte Edmund Schmeiß mit wichtiger Miene und ernsten Blicken . » Ganz sicher nicht ! Da wird so viel geschrieben in den Blättern über die traurige Lage des Bauernstandes . Besonders die Blätter einer freieren Richtung , die demokratischen Organe , sind da immer schnell bereit , dem Großgrundbesitz die Schuld in die Schuhe zu schieben . Die Magnaten werden angeklagt , den Bauern zu ruinieren , aufsaugen , wie es da heißt . Von Bauernlegen wird gesprochen . Aber daß die Bauern meistens selbst an ihrem Untergange schuld sind , das sagt niemand . Die Leute treiben ' s danach ! Der Bauernstand geht an sich selbst zugrunde , Herr Graf , nicht durch den Großgrundbesitz . Hier an dem alten Büttnerbauern haben wir einen schlagenden Beleg dafür ! « Edmund Schmeiß hatte die letzten Sätze mit einer gewissen Feierlichkeit in Ton und Gebärde gesprochen , als decke er seine innerste Gesinnung auf . Bei dem Grafen waren solche Worte nicht verloren . Auch an ihn waren Klagen und Forderungen , welche die Neuzeit gegen den Großgrundbesitz erhebt , herangeklungen , und hatten ihn verdrossen . Diese Verteidigung der Magnaten klang ihm angenehm in den Ohren . » Was diese demokratischen Blätter sagen , ist alles Gewäsch ! « erklärte er . » Was verstehen denn diese Leute von der Bauernfrage ! Die mögen nur erst mal aufs Land hinausgehen und sehen , wie ' s dort zugeht , ehe sie ihre roten Artikel schreiben . Ja , wirklich solche Leute , Redakteure und überhaupt Zeitungsschreiber , die müßten alle mal zur Strafe ein paar Wochen das Feld - bestellen was ? Die Art Leute hinter dem Pfluge oder beim Düngerladen , wie denken Sie sich das ? « Der Graf geruhte zu lachen über seine eigene Bemerkung , und Edmund Schmeiß verfehlte nicht , mitzulachen ; auch er fand den Gedanken hochkomisch . Die Unterhaltung hatte entschieden einen wärmeren Ton angenommen , und der Graf war nicht mehr so unnahbar und von oben herab wie zu Anfang . » Nicht wahr ? Da kann einem doch niemand einen Vorwurf daraus machen , wenn man solch einen Mann seinem wohlverdienten Schicksale überläßt ? « fragte der Graf schließlich . » Im Gegenteil , Herr Graf ! « rief der Kommissionär . » Ich meine , es wäre unverantwortlich , wenn man hier einen Finger zur Hilfe rühren wollte . Diesen Leuten ist eben nicht zu helfen , und kein vernünftiger Mensch wird wagen , dies von dem Herrn Grafen zu verlangen . « Schmeiß hatte nun keine große Mühe weiter , den Grafen zu überreden . Leute von geringem Urteil und großer Gutmütigkeit , wie der Graf , sind leicht zur Härte zu verführen . Der Graf ärgerte sich bereits , daß seine Güte wieder mal hatte mißbraucht werden sollen , und er gedachte , seinem Güterdirektor diesen Versuch nicht zu vergessen . Der Kommissionär ging von ihm mit dem Bewußtsein , seine Aufgabe in glänzender Weise gelöst zu haben . Und außerdem kam noch die angenehme Genugtuung befriedigter Eitelkeit hinzu . Der Graf hatte ihn schließlich gar nicht mehr schlecht behandelt . Sogar eine Zigarre war ihm vor dem Weggehen angeboten worden . Mit gehobenem Selbstgefühl verließ Edmund Schmeiß das Haus , und dem prickelnden Gedanken , daß diese Aristokraten zwar äußerlich recht vornehm , im Grunde aber doch fürchterlich dumm seien . IV. Eines Tages , als Gustav die Dorfgasse hinabging , begegnete ihm Hauptmann Schroff zu Pferde . » Gut , daß ich Sie treffe , Büttner ! « sagte der Hauptmann . » Ich wollte eben zu Ihnen . Ich habe Nachrichten in unserer Sache . Leider keine guten ! Kommen Sie ein paar Schritte mit mir . Die Stute steht nicht gerne . « Gustav schritt neben dem Reiten her , welcher weiter berichtete : » Der Graf will nicht ! Rundweg abgelehnt meinen Vorschlag , nachdem er erst Lust gezeigt , und ich infolgedessen unserem Rechtsanwalt schon Auftrag gegeben hatte , mit dem Kretschamwirt zu verhandeln . Nun ist auf einmal Kontreordre gekommen von Berlin , sogar auf telegraphischem Wege . Was da vorgegangen sein mag , soll der Teufel wissen ! Auf lumpige zweitausend Mark kommt ' s dem Grafen doch sonst nicht an ! Können Sie sich denn denken , was passiert sein kann , Büttner ? « Gustav vermochte auch keine Erklärung zu geben . » Ich habe sofort noch einmal an den Grafen geschrieben , weil mir die Sache am Herzen lag . Er hat mir äußerst kurz geantwortet und mich bedeutet , daß , wenn er nein sage , das nicht ja heiße . Dadurch ist die Sache für mich natürlich erledigt . Ich habe mich zu fügen . Traurig ist das allerdings , tieftraurig ! « Der Hauptmann blickte mit düsterem Gesicht in die Ferne , seine Miene war voll Gram . » Der Teufel verblendet den großen Herren die Augen ! « sagte er , mehr für sich , und biß die Zähne aufeinander . Die Stute begann unter ihm nervös hin und her zu tänzeln ; er hatte sie in Gedanken zu fest gehalten . Er ließ , als er den Grund erkannte , ganz mechanisch die Kandarenzügel locker und zog die Trense etwas an . » Hoo , hoo ! « rief er , dem Pferde zuredend , und klopfte es am Widerrist . » Ja , da ist nun nichts weiter zu machen , mein guter Büttner ! « sagte