er nur ? « sagte Maruschka . » Was will er sagen mit meinem achtzigsten Geburtstag ? « » Ach , liebe Maruschka , was er mit deinem achtzigsten Geburtstag sagen will , das ist nicht schwer , das kann jeder verstehen . Ein achtzigster Geburtstag ist ein achtzigster Geburtstag . Aber was will er sagen mit silberner Hochzeit ? Was soll das ? « Maruschka kam auf sie zu , das Wollvlies wie eine Schleppe hinter sich her , und dabei gingen und klapperten die Nadeln : » Was das heißen soll , Ruth ? Silberne Hochzeit ! Nun freilich , dein Vater hat nie so lange gewartet , oder auch nicht gekonnt , weil der Tod immer dazwischenkam ; aber du mußt doch wissen , was eine silberne Hochzeit ist ? « » Gewiß , Maruschka , gewiß weiß ich , was eine silberne Hochzeit ist . Aber er sprach ja von meiner silbernen Hochzeit , und da muß ich doch fragen dürfen , was soll das ? Erst muß ich doch eine Braut sein und dann eine Frau ... « » Kommt Zeit , kommt Rat « , sagte Maruschka . » Du wirst eine Braut sein und auch eine glückliche junge Frau . Und dann werden wir zuletzt auch eine schöne silberne Hochzeit haben . Ich bin dann fünfundachtzig oder etwas drüber ... Aber wenn man warten kann , kommt alles . « Ruth nahm der Alten Hand . » Ach , Maruschka , ich will dir ' s nur gestehen , ich weiß alles , was Toby meinte ... Die Tage hier vergehen so still , und das Leben ist so gleich und arm . « Und dabei seufzte sie . » Nicht so , Ruth . Das kleidet dir nicht , dir kleidet bloß Fröhlichkeit und Lachen . Und die Heilige Jungfrau , die hilft . Aber das darfst du dem Alten nicht sagen , daß ich dir von der Heiligen Jungfrau gesprochen habe . Das mag er nicht . « Und nun lachte Ruth wieder . Siebenundzwanzigstes Kapitel Ende Oktober schlug das Wetter um , und nachdem bis dahin wundervolle Herbsttage geherrscht hatten , stellten sich nun Sturm und Regen ein . Der vom Gebirge herabkommende kleine Fluß , der den ganzen Sommer über mit nur wenig Wasser durch Nogat-Ehre hingeplätschert war , stieg plötzlich über seine Ufer und überschwemmte den etwas tiefer gelegenen Park . Zum Teil standen auch die Felder unter Wasser , und nur mit großer Anstrengung hielt man die Verbindung mit dem Stationshause von Darlington aufrecht , ohne welche Verbindung man von der Welt abgeschnitten und ohne Zeitungen und Briefe gewesen wäre . Die Wege zu den über das Tal hin zerstreuten Indianerdörfern aber blieben grundlos und der Mehrzahl nach unpassierbar . So verlief eine Woche . Da ließ endlich der Regen wieder nach , ein auftrocknender Wind ging , und Anfang November , am Allerseelentag , war alles wieder so weit passierbar geworden , daß Bruder Krähbiel , der das Bekehrungswerk und die Missionsschule bei den benachbarten Arapahos leitete , von dem kaum zwei deutsche Meilen entfernten und unter der Herrschaft von Gunpowder-Face stehenden großen Dorfe Navaconsin in Nogat-Ehre eintreffen und bei Obadja vorfahren konnte . Das Gefährt , in dem er kam , war freilich , um der schlechten Wege willen , so primitiv wie möglich gewählt worden und bestand aus einer ungefügen Schlittenschleife , vor die zwei Kühe gespannt waren . Ein alter , in eine dicke Friesdecke gehüllter Indianer , mit einem Zylinder auf dem Kopf , der mit dem Tottoschen eine bemerkenswerte Ähnlichkeit hatte , hatte die Zügel in Händen , unmittelbar hinter ihm aber saß Bruder Krähbiel selbst in einem Schafpelz und einer Otterfellmütze . Denn der austrocknende Wind , sosehr man sich seiner freute , war doch von empfindlicher Kälte . Krähbiel , steif und klamm geworden , suchte sich , so gut es ging , aus dem Schlittenstroh herauszuwinden , eh er aber damit zustande kommen konnte , waren auch schon Lehnert und Toby , die das Herankommen des Gefährts vom Oberstock aus gesehen hatten , ihm helfend zur Seite , halb von Diensteifer und Menschenfreundlichkeit , halb auch von Neugier geleitet . Und diese Neugier steigerte sich selbstverständlich noch , als das Gesicht , das Bruder Krähbiel alsbald aufsetzte , keinen Zweifel darüber lassen konnte , daß er eine Trauerbotschaft überbringe . Volle Gewißheit aber kam erst , als Krähbiel , um aufzutauen , vor das in der Halle flackernde Kaminfeuer gebracht worden war , allwo man dann , nachdem inzwischen auch Obadja erschienen , des breiteren in Erfahrung brachte , daß Gunpowder-Face während der letzten Nacht gestorben sei . Sein Tod sei der eines gläubigen Christen gewesen , und die Bemerkungen derer , er nenne keine Namen ( aber jeder wußte , daß er L ' Hermite meine ) , die nicht müde geworden wären , den großen Häuptling als einen unentwegten Heiden anzusehen , seien jämmerlich zuschanden geworden . Er , Krähbiel , habe noch in der letzten Minute verschiedene Fragen an ihn gerichtet , darunter auch die : » Fürchtest du dich vor dem Tode ? « , worauf der nunmehr selig Entschlafene mit einem deutlichen » Nein « und gleich danach auf die weitere Frage : » Weißt du , Gunpowder-Face , daß du durch Jesum Christum selig werden wirst ? « , mit einem noch deutlicheren » Ja « geantwortet habe . Seine Bekehrung sei fest gewesen und in die Tiefe gegangen und werde ganz zweifellos die segensreichsten Folgen in der vielfach noch im argen liegenden Navaconsingemeinde haben . Als Krähbiel in seinem Berichte - dessen wesentlichster Inhalt , die Todesnachricht selbst , sofort durch das ganze Haus lief - bis an diese Stelle gekommen war , waren auch Ruth und Maruschka und gleich danach Monsieur L ' Hermite erschienen , alle begierig , etwas Näheres zu hören , am begierigsten der Letztgenannte , der für die groteske Gestalt seines Paukenschlägers immer eine selbst ans