, in materieller wie in moralischer Beziehung - immer wieder um ein gutes Stück zurück . « » Du sprichst nicht wie ein Soldat , mein lieber Tilling . « » Ich spreche von einer allgemeinen Sache , mein lieber Schwiegervater . Darüber kann meine Ansicht eine richtige oder falsche sein - ob sie nun eine soldatische sei oder nicht , ist eine andere Frage . Wahrheit gibt es doch überall nur eine ... Wenn ein Ding rot ist - soll es einer grundsätzlich blau nennen , wenn er eine blaue Uniform , und schwarz , wenn er eine schwarze Kutte trägt ? « » Eine - was ? « Mein Vater pflegte , wenn ihm eine Diskussion nicht recht genehm war , etwas Schwerhörigkeit hervorzukehren . Auf solches » was « die ganze Rede zu wiederholen - dazu hatten die wenigsten Leute die Geduld und man gab den Streit lieber auf . Noch in derselben Nacht , nachdem wir nach Hause gekommen , nahm ich meinen Mann ins Verhör : » Was hast Du meinem Vater gesagt ? ... Daß es allen Anschein habe , man würde sich in diesem Jahre wieder schlagen ? Ich will Dich in keinen Krieg mehr ziehen lassen , ich will nicht « ... » Was hilft dieses leidenschaftliche ich will , meine Martha ? Du wärest doch die erste , die es angesichts der Umstände wieder zurückzöge . Je wahrscheinlicher ein Krieg vor der Thür steht , desto unmöglicher wäre es mir , um Entlassung einzukommen . Unmittelbar nach Schleswig-Holstein wäre es thunlich gewesen - « » Ach , diese elenden Schmitt & amp ; Söhne ! « ... » Doch jetzt , wo sich neue Wolken ballen - « » Du glaubst also wirklich , daß - « » Ich glaube , diese Wolken werden sich wieder verziehen - die beiden Großmächte werden sich doch jener Nordländchen wegen nicht zerfleischen . Aber weil es nun einmal drohend aussieht , würde ein Zurückziehen feige erscheinen . Das leuchtet Dir wohl ein ? « Diesen Gründen mußte ich mich fügen . Aber ich klammerte mich fest an das Hoffnungswort » Die Wolken werden sich verziehen . « Mit Spannung folgte ich nunmehr der Entwickelung der politischen Ereignisse und den darüber in Zeitungen und Gesprächen kursierenden Meinungen und Vorhersagungen . » Rüsten , « » rüsten « war jetzt die Losung . Preußen rüstet im Stillen . Österreich rüstet im Stillen . Die Preußen behaupten , daß wir rüsten , und es ist nicht wahr - sie rüsten . Sie leugnen - nein , es ist nicht wahr : wir rüsten . Wenn jene rüsten , müssen wir auch rüsten . Wenn wir abrüsten , wer weiß , ob jene abrüsten ? So schlug die Rüsterei in allen möglichen Varianten an mein Ohr . - Aber wozu denn dieses Waffengeklirre , wenn man nicht angreifen will ? fragte ich , worauf mein Vater den alten Spruch vorbrachte : Sie vis pacem , para bellum : Wir rüsten ja doch nur aus Vorsicht . - Und die Andern ? - In der Absicht , uns zu überfallen . - Jene sagen aber auch , daß sie sich nur gegen unseren Überfall vorsehen . - Das ist Heimtücke . - Und sie sagen , daß wir heimtückisch seien . - Das sagen sie nur als Vorwand , um besser rüsten zu können . Wieder so ein endloser Cirkel , eine sich in den Schwanz beißende Schlange , deren oberes und unteres Ende zweifache Unaufrichtigkeit ist ... Nur um einem Feinde zu imponieren , der den Krieg will , kann die rüstende Schreckmethode etwa des Friedens willen am Platze sein ; aber zwei Gleichgesinnte , Frieden Wollende , können unmöglich nach diesem System handeln , ohne daß Jeder fest überzeugt sei , daß der Andere mit leeren Phrasen lügt . Und diese Überzeugung wird nur so fest , wenn man selber hinter den gleichen Phrasen dieselben Absichten versteckt , deren man den Gegner beschuldigt . Nicht nur die Auguren - auch die Diplomaten wissen voneinander genau , was jeder hinter den öffentlichen Ceremonien und Redeweisen im Sinne führt ... Das beiderseitige In-Kriegsbereitschaft-setzen dauerte die ersten Monate des Jahres fort . Am 12. März kam mein Vater freudestrahlend in mein Zimmer gestürzt . » Hurrah ! « rief er . » Gute Nachrichten - « » Abgerüstet ? « fragte ich freudig . » Warum nicht gar ! Im Gegenteil , die gute Nachricht ist die : Gestern wurde großer Kriegsrat gehalten ... Es ist wirklich glänzend , über welche Streitmacht wir verfügen ... da kann sich der arrogante Preuße verstecken . - Mit 800 000 Mann sind wir stündlich bereit , auszurücken . Und Benedek , unser tüchtigster Stratege , wird Oberfeldherr mit unbeschränkter Vollmacht ... Ich sag ' Dir ' s im Vertrauen , Kind : Schlesien ist unser , wenn wir nur wollen « ... » O Gott , o Gott , « - stöhnte ich - » soll denn wieder diese Geißel über uns kommen ! Wer - wer kann denn nur so gewissenlos sein - aus Ehrgeiz , aus Ländergier - « » Beruhige Dich . Wir sind nicht so ehrgeizig - noch sind wir ländergierig . Wir wollen - ( das heißt ich gerade nicht , mir wäre die Wiedergewinnung unseres Schlesiens schon recht ) aber die Regierung will Frieden halten - das hat sie oft genug versichert . Und der ungeheuere Stand unserer aktiven Armee , wie derselbe aus den im gestrigen Kriegsrat dem Kaiser vorgelegten Mitteilungen sich ergibt , wird allen anderen Mächten gehörigen Respekt einflößen ... Preußen wird wohl zu allererst klein beilegen und aufhören , das große Wort führen zu wollen ... Wir haben , Gott sei Dank , in Schleswig-Holstein auch noch mitzureden - und werden sicher nie dulden , daß sich der andere Großstaat durch allzustarke Machtausdehnung eine überwiegende Stellung in Deutschland erringe ... Da handelt es sich um unsere Ehre , um unser » prestige «