Mir war etwas viel Schöneres eingefallen . Na ! Nicht gerade eingefallen . Ueber Manches hätten wir wohl noch zu sprechen , Hedwig - über manches Wichtige , Tiefe , Intime . Und wenn wir uns jetzt recht zusammennähmen - und uns so recht jung und rein , kräftig und ungebrochen zu fühlen versuchten - und so recht allein und auf uns nur angewiesen - mir schwebt noch Dies und Das vor ... dämmert zu mir herüber - ich möchte Dir aus meinem Leben erzählen ... Erinnerungen auffärben - Erinnerungen anderer Art , als vorhin , wo ich Dir von Deinen ... Deinen - Vorläuferinnen - pardon ! - also - - aber bitte ! - Komm zunächst ! Hedwig ! Komm ! Komm ! Komm ! Komm ! Mach ' doch ! Und thu ' mir den Gefallen und weine nicht wieder ! Ein furchtbar schwerer Güterzug bist Du ! Donnerwetter ! Die Locomotive muß eine Puste haben - « Adam versuchte zu scherzen und machte ein gezwungen heiteres Gesicht . Warm blies ihn der feuchte Frühlingswind an . Adam nahm den Hut ab und lockerte das zusammengedrückte Haar auf . Nun gähnte er laut . Zögernd , verdrossen führte er die Hand zum Munde . Er blinzelte müden , verschwommenen Blickes zu Hedwig hinüber , die ein paar Schritte vorwärtsgegangen und dann wieder wie rathlos , zweifelnd , suchend , unentschlossen und doch zugleich auch direkt abweisend stehen geblieben war . Der Tag war schon tüchtig gewachsen . Das Licht differenzirte Bäume , Büsche , Sträucher schon um Vieles zwanglos-nachdrücklicher . Das Einzelne gewann mehr und mehr seine Grenzen , ließ seine Farben spielen , schuf sich seine Umgebung . So objektivirt das Licht . Nacht , Schatten , Dämmerung sind immer subjektiv . Am Meisten aber die Dämmerung . - Nein ! Der Druck in den Augenwinkeln war unerträglich . Und die Glieder wurden dem Herrn Doctor immer steifer , zäher , widerspenstiger . Es war schon viel Selbstverständliches in ihm . Er hatte gründlich abgewirthschaftet . Sollte er das Weib lieber doch nach Hause bringen ... zu seinem verlassenen Vater ... und seinem Schicksale überantworten ? Es war ja schließlich Alles so egal . Aber - besonders ehrenhaft und muthig wäre es doch wohl nicht gewesen . Allerdings - wie überreden , überzeugen , daß - ? Ach ! die Geschichte war verdammt langweilig und hausbacken geworden . Selbst wenn er das kleine Weib wirklich noch mit nach Hause schleppte und diese lobesam-labsälige Tragikomödie in einer gewissen Mausefalle ihren süßen Abschluß fand - besonderen Reiz hatte der Gedanke kaum noch für ihn , seine Sinnlichkeit ließ den Kopf hängen und welkte - er war nicht mehr im Stande , Etwas zu finden , das er tief durchfühlen konnte . Nur ungeduldig konnte er noch sein . Er hatte ein starkes , fein ausgebildetes Verständniß- und Bedürfnißorgan für alles Weibliche - aber schließlich wird jedes sotane Weibliche doch blutig langweilig ... » Na - wie denken das gnädige Fräulein - ? « » Adam - ! « » Wir wollen nicht wieder in krampfhafte Dialoge verfallen , Hedwig ! Das ist auch so ' n weltläufiger Irrthum , als ob man mit Gesprächen und Verhandlungen irgend Etwas ausrichtete ! Wir monologisiren ja Alle nur - reflektiren über unsere höchst eigenhirnigen Triebe , Neigungen , Kräfte , Tendenzen - und so weiter . Das versteht sich Alles ganz von selber . Oder auch nicht . Das ist aber ganz Dasselbe . Widersprüche giebts nämlich gar nicht . Im Grunde durchaus nicht . Bloß auf der Oberfläche . Die Oberflächen drängen , stoßen , reiben , balgen sich . Das nennen wir denn begriffenes Leben . Das wesentliche Leben ist natürlich das Unbegreiflich-Unbegriffene . Das sind nämlich die verdammten Dinger an sich . Daraus folgt , mein Lieb , daß es nämlich ganz schnuppe ist , ab Du hier stehen bleibst , oder ob Du mitgehst - ob Du nach Hause fürbaß wandelst oder bei mir campirst , meine reizende Kameradin - ob Du - - na ! ich will nur ruhig sein - ich hätte nämlich beinahe wieder ' mal ' was Knalliges losgelassen ... Gott verdamm mich ! - bin ich zusammengehauen von den Strapazen des Abends und dieser glorreichen Nacht ! Ja ! Ja ! - : So ' n klenet bisken Liebe - Ach ! det macht viel Pläsir - Een Leben ohne Liebe - Det wäre nischt for mir ... - was ich mir allerdings unterthänigst zu bezweifeln erlaube . Een Leben ohne Liebe dürfte viel empfehlenswerther ... jedenfalls viel gesünder sein . Aber was soll die ganze Schwatzerei ! Wir gehen direkt zu meiner Wohnung - nicht , Hedwig ? Das ist am Gescheitesten - « Seit einigen Minuten waren die beiden wieder neben einander vorwärtsgeschritten . Hedwig sah Adam von der Seite an . » Adam - ! « » Nun - ? « » Ach ! es ist schrecklich ! « » Immer noch ? Du bist poussirlich , Kind ! « » Du weißt nicht - « » Ich weiß nicht - ? Was denn - ? « » Nicht wahr : Du läßt mich aber allein bei Dir - ich meine : allein - ja - ich - ich ruhe mich nur ein Wenig aus auf deinem Sopha - dann - « » Selbstverständlich - wenn Du es durchaus wünsch ' st - ich dachte allerdings , daß wir - « » Oh mein Gott - ! « » Was ist denn nur so furchtbar - ? « » Meine - Ver - - ich bin ja schon - Adam ! ich habe ja nichts mehr ... zu - ver ... l - - « Das war leise ... wie mit unsäglicher Ueberwindung herausgestöhnt . Adam war doch zusammengezuckt . Hm ! Er hätte ein derartiges Geständniß nach Allem , was vorausgegangen war , allerdings erwarten müssen . Und nun berührte es ihn - ja ! wie denn eigentlich