, ein befreiendes Geständnis abzulegen , er fühlte beinahe gewiß , daß sie vergeben werde und doch sein guter Engel bleiben würde . Aber seine Liebe - nein , die würde sie dann nicht mehr annehmen . Und wie ein Blitzstrahl fiel die Erinnerung an die erlebten göttlichen Stunden entzückend in sein Blut . » Fanny , « flüsterte er aufwallend , » ich liebe Dich . « Das war ihr Antwort und Gelübde genug . Die Wahrheit sprach aus seinen aufblitzenden Augen . Sie senkte den Blick , der sich von Glücksthränen trübte , und legte ihren Kopf gegen seine Schulter . Sie bedachten nicht , daß sie am Fenster standen und daß , wer draußen ging , sie so sehen konnte . Draußen aber gingen Taiß und Lanzenau , die noch vor der nahen Dämmerung einen Spaziergang machen wollten , da der Baron von der langen Wagenfahrt am Morgen ganz steif zu sein behauptete . Sie sprachen gerade von der Möglichkeit , unter den ostelbischen Grundbesitzern ein gemeinsames Vorgehen bezüglich der notwendigen Flußkorrektion anzuregen , und Taiß hielt in dem ihm eigenen wohlgerundeten Periodenbau einen Vortrag über die Frage , als habe er den ganzen Kreistag vor sich , als Lanzenau einen eigentümlichen Ausruf that . Ein gurgelnder , halberstickter Laut kam von seinen Lippen . Taiß sah ihn entsetzt an und dachte , der Baron bekäme einen Schlag . Sein farbloses Gesicht war bläulich geworden , sein Mund stand auf , die Augen waren starr . » Was ist Ihnen , Lanzenau ? Hören Sie doch ! « Taiß legte den Arm um ihn . Lanzenau atmete schwer , wollte weiter gehen , doch knickten ihm die Kniee ein . » Das ist ja ein Unglückstag . Lanzenau - was ist Ihnen ? « » Nichts , « lallte er . » O - da sehe ich zum Glück Fanny und Herebrecht am Fenster - sie sind auf uns aufmerksam geworden , « sagte Taiß erleichtert . Alsbald kam Joachim durch den Saal über die Terrasse herbeigelaufen . Doch als er Lanzenau mit stützen wollte , fand dieser in übermenschlicher Bezwingung seine Kräfte wieder und wehrte dem jungen Mann mit einem solchen Blick des Hasses , daß selbst Taiß davor erschrak . » Der arme Lanzenau , « dachte der Graf , während , auf seinen Arm gestützt , dieser mit ihm dem Haus zuschritt und Joachim , blaß und scheu , folgte , » der arme Kerl - leidet an Ischias , an schlagartigen Blutstockungen und an allen möglichen anderen mementi mori und plagt sich noch obenein mit Eifersucht . « Fanny eilte dem Freunde schon besorgt entgegen und geleitete ihn in das Wohnzimmer , wo er sich auf die Ottomane legen mußte und von ihr mit starken Weinen , kalten Kompressen und dergleichen gepflegt wurde . Der Anfall ging schnell vorüber , aber Lanzenau gönnte sich die schmerzliche Wollust , von ihr so sorgfältig bewacht zu werden . Er lag still und lang ausgestreckt ; seine Gestalt war bis zur Brusthöhe mit Fannys türkischem Shawl bedeckt , sein Monocle hing an der schwarzen Schnur seitwärts herab , in dem kleinen runden Glas , das an dem bunten Stoff lag , blinkte der Lampenschein vom Tisch her wider . Lanzenau sah mit halbgeschlossenen Augen hinüber , wo Fanny mit Taiß still Zeitungen las . Das zeitweilige knitternde Umschlagen der großen Papierfläche der » Kölnischen « war der einzige Ton , der durch das ruhige Zimmer ging . Sehr oft hob Fanny das Auge und sah aufmerksam zu dem Leidenden hinüber . Der beobachtete jeden dieser liebevollen Blicke und erregte sich immer schmerzlicher davon . So gut , so selbstvergessen war sie in der Freundschaft , welche unermeßliche Schrankenlosigkeit mußte ihr Gefühl in der Liebe haben ! Und das alles hatte sie weggeworfen an diesen flatterhaften Jüngling . Lanzenau glaubte sich wieder ganz wohl , ganz kühl und klar ; und doch irrten seine Gedanken fiebernd umher . Bald dachte er grollend an Joachim , der oben bei seiner Schwägerin saß und an den fernen Bruder schrieb , bald stellte er sich vor , was Fanny sagen würde , wenn sie von dem Verrat erfuhr . Es würde sie töten - gewiß , das würde es . Nichts würde sie so schwer treffen , nicht einmal , wenn Joachim plötzlich stürbe , als sich belogen zu sehen . Immer fieberischer dachte Lanzenau darüber nach , auf welche Weise man Joachim von Fanny trennen könne , ohne daß sie erführe , warum . Joachim mußte sterben , das stand zuletzt für Lanzenau fest . Aber wie ? Ihn zum Duell fordern ? Der junge Mann war der bessere Schütze , und da es um Leben und Tod ging , würde er den Gegner einfach niederschießen . Aber sterben mußte er - sterben . Um seinen Tod durfte Fanny weinen , nicht um seinen Verrat . Er stöhnte . Sofort erhob Fanny sich und erneute den kalten Umschlag auf seiner Stirn . » Lieber Lanzenau , « sagte sie mit ihrer zärtlichsten Betonung , » Ihre Stirn brennt , Sie sollten lieber ins Bett gehen . « » Ja - ja , « stotterte er und versuchte mühsam , sich zu erheben . Taiß sprang herzu und stützte ihn . » Morgen wird es besser sein , « sagte Lanzenau heiser . In der That schien er am nächsten Tag für den oberflächlichen Blick ganz wie sonst . Er war bei all den traurigen Vorgängen gegenwärtig , die ein Begräbnis mit sich bringt , ja , gab noch selbst Anordnungen , um die Feierlichkeit desselben zu erhöhen . An diesem Tage traf auch , der erste seit vielen , vielen Wochen , ein Brief von Arnold ein . Es erschien allen wie eine barmherzige Fügung des Zufalls , und Adrienne begrüßte es ekstatisch wie ein Zeichen von Gott ; sie vergaß , daß sie sich allesamt schon lange ausgerechnet hatten , es müsse um den ersten Dezember herum ein