« » Hochzeit ist los ! Das Fräulein Douglas macht morgen Hochzeit ! « Die beiden Schwestern schraken zusammen , warfen sich einen raschen Blick zu und schauten dann auf Paul . - Der aber drehte eine Brotkrume zwischen den Fingern und tat , als ob ihn die Geschichte nicht im mindesten anginge . Die Schwestern warfen sich einen neuen Blick zu und nickten verständnissinnig . Dann ergriffen sie in gleichem Impulse seine beiden Hände . » Kinder , ihr zerreißt mich ja ! « sagte er mit einem schwachen Lächeln . » So , dann gibt ' s ja heute Polterabend drüben ? « fragte der Vater , der plötzlich sehr lebendig geworden war . » Wahrscheinlich , wahrscheinlich ! « antwortete die Wirtschafterin . » Vorhin sah ich ' nen Haufen von Kindern vorübergehn , die waren ganz beladen mit alten Töpfen und sonstigem Gekrassel . « » Bei unserer Hochzeit haben sie ' s glimpflich gemacht , « meinte Grete , und beide Schwestern sahen sich an und lächelten träumerisch . » Das trifft sich ja prächtig , « raunte der Alte und rieb sich die Hände . » Warum prächtig ? « fragte Paul . » Ach , ich meine nur so ... Zufall - derselbe Tag , wo sie unsere Scheune niederbrannten . Sag mal - du , Paul , du warst ja wach - was war wohl die Uhr , als du die Flamme aufsteigen sahst ? « » Eins kann es gewesen sein . « » Na , du mußt ' s ja wissen . Was du in Helenental eigentlich zu suchen hatt ' st , ist mir zwar noch heute unklar , aber es ist gut - ganz gut so - , ich weiß nun ganz genau , um wieviel Uhr es war ! « » Dann weißt du was Recht ' s , « sagte Grete lachend . » Weiß ich auch ! « erwiderte er trotzig . » Wirst schon sehen , mein Töchterchen , wirst schon sehen ! « Käthe wollte der Schwester zu Hilfe kommen , aber Paul winkte ihnen heimlich zu , daß sie den Alten in Ruhe ließen . Bald darauf nahmen die Schwestern Abschied . » Du wolltest Paul ja sagen , daß der Vater hinter der Scheune Heimlichkeiten hat , « sagte Käthe , als sie beide auf dem Wagen saßen . » Ja , richtig ! « erwiderte diese , ließ den Kutscher halten und winkte Paul zu sich heran . Aber der Alte , der in seinem Mißtrauen überall hinzuhorchen pflegte , drängte sich dazwischen , und so mußte es unterbleiben . Als Paul bei seinem allabendlichen Rundgang in die Küche kam , gewahrte er , wie der Vater mit der Wirtschafterin um einen irdenen Topf unterhandelte . » Wozu brauchen Sie den Topf , Herr Meyhöfer ? « fragte die Alte . » Ich will auch Polterabend feiern gehen , Frau Jankus ! « erwiderte er mit einem hohlen Gelächter . » Vielleicht schenken sie mir dort was vom Hochzeitskuchen . « Die Alte wollte sich schier zuschanden lachen , und der Vater humpelte mit seinem Topf in das Schlafzimmer , dessen Tür er sorgfältig hinter sich verschloß ... Das Haus war zur Ruhe gegangen , nur Paul trieb sich noch auf dem dunkeln Hofe umher . » Also morgen macht sie Hochzeit , « sagte er , die Hände faltend . » Wenn ich ein guter Christ wäre , müßte ich nun für ihr Glück ein Vaterunser beten ... Aber so ein schlapper Geselle bin ich doch noch lange nicht ... Ich glaub ' , ich hab ' sie mal sehr liebgehabt , mehr lieb , wie ich selber wußte ... Wie mag es nur gekommen sein , daß ich ihr so fremd geworden bin ? « Er sann und sann , konnte aber zu keinem rechten Schlusse kommen . Der Mond ging über der Heide auf - eine große , blutrote Scheibe , die einen ungewissen Glanz über den Hof hinbreitete ... Der Sturm schien sich verstärkt zu haben ... Er pfiff in den Ecken und brauste durch die Wipfel ... » Wenn heute eine Feuersbrunst ausbräche , so würde sie mit der Scheune wohl nicht zufrieden sein , « dachte Paul , und dabei fiel ihm ein , daß er dem Agenten ein Monitum schicken müßte , damit er die Versicherung beschleunige . » Denn man kann nicht wissen , was über Nacht geschieht ... Ich will schlafen gehn , « schloß er seine Überlegungen , » morgen ist auch ein Tag und - ein Hochzeitstag dazu . « Auf Zehenspitzen schlich er sich in sein Schlafzimmer , das er sich neben dem des Vaters eingerichtet hatte , um hilfreich beispringen zu können , wenn dem alten Mann irgend etwas passierte . Er zündete kein Licht an , denn der höhersteigende Vollmond schien bereits hell in das Gemach . » Ob du wohl heute noch einschlafen wirst ? « dachte er eine Stunde später . - Die Schatten der sturmbewegten Blätter tanzten auf der Bettdecke einen wilden Reigen , und zwischendurch tanzten die Mondlichter wie weiße Flämmchen . » In jener Johannisnacht schien der Mond ebenso hell , « dachte er , und dabei fiel ihm ein , wie weiß das Nachtkleid Elsbeths unter dem dunkeln Mantel hervorgeleuchtet hatte . » Das war doch die schönste Nacht in meinem Leben , « murmelte er mit einem Seufzer , und darauf beschloß er , einzuschlafen , und zog sich zur Bekräftigung die Bettdecke über die Ohren ... Eine Weile darauf war es ihm , als hörte er im Nebenzimmer den Vater leise aufstehen und zur Tür hinaushumpeln ... Deutlich hörte er , wie die Krücke auf den Steinfliesen des Hausflurs klapperte . » Er wird wohl gleich wiederkommen , « dachte er , denn es geschah öfters , daß der Vater in der Nacht noch einmal aufstand . Hierauf überfiel ihn ein unruhiger Halbschlaf , in dem allerhand schreckhafte