darunter ist ! Das war alles . Kaum gedacht , war dem Stolz ein End gemacht . Es muß vieles faul sein im Staate Dänemark . Ja , Lümmel , jetzt thust Du sanft wie ein Lämmchen ... Ich werde Dich so gnädig behandeln , daß Du mir noch öffentlich die Hand drückst . Fette Inserate versprichst Du ? Bravo ! ... Nun hätte ich gute Lust , die Schmierereien mit den abgeschmackten Amtssiegeln uneröffnet in den Papierkorb zu schleudern . Ich versteh ' gar nicht , was sich diese Leute immer gegen unsereinen herausnehmen ! Die sollen mich doch gefälligst in Ruhe lassen ; wenigstens so lange ich sie in Ruhe lasse . Das Übrige ist meine Sache . Daß ich das Richtige treffe , beweisen meine Erfolge . Da seht doch hin , wie dieses großmaulige Parlamentarische Tier sich vor mir duckt und um gut Wetter bittet . Seht doch hin ! Ich wette , wenn ich ihm morgen in sein Champagnerglas spucke , muckst er nicht , so sehr hab ' ich ihn jetzt in meiner Hand ... Die Presse ist eine Großmacht , meine gewappelten Herren ! ... Wir werden Euch noch zeigen , wie viel die Uhr geschlagen ... « Er schob die Briefe beiseite und trommelte mit seinen plumpen Fingern darauf . Da klopfte es wieder , rhythmisch , in fein empfundener und abgewogener Tonstärke . Bevor er den Mund zu dem entsprechenden Herein öffnen konnte , erschien ein frisch vom Brenneisen des Haarkünstlers kommender Kopf mit sanftem Grinsen in der Thürspalte . Es war die zärtlich-heroisch-dämonische Charaktermaske des Schauspielers Geiling . » Darf ich , Allgütiger ? « flötete sein sonorer Baryton in der weichsten Höhenlage . » Erschrecken Sie nicht , den Quälgeist wieder zu sehen ? « Der Preßbandit winkte mit der Hand , der Eintretende schwenkte grüßend seinen glänzenden , funkelneuen Zylinder . » Ernst ist der Anblick der Notwendigkeit - wahrhaftig , Ihr Dichterkollege Schiller hat nicht Unrecht . Ich kann Ihnen diesen Anblick nicht länger ersparen , Sie böser Mann . Ja , ja , ja , keine Widerrede , das sind Sie . Warum vernachlässigen Sie mich so ? Zwei von den acht eingesandten Berichten über meine Gastspieltriumphe - ich sage Triumphe und übertreibe nicht , sie waren einfach phänomenal - haben Sie gar nicht abgedruckt und an den anderen haben Sie Striche gemacht . Keine Ausrede . Habe ich Ihnen jemals Striche zugemutet ? Habe ich nicht Ihre Forderungen , Pardon , Ihre Vorschläge in extenso und darüber erfüllt ? Habe ich jemals mit meinem Golde gekargt ? Habe ich Ihnen nicht immer mit vollen Händen gegeben und lustig dazu gepfiffen : Ja , das Gold ist nur Chimäre , und ich hab ' s fürwahr redlich und sauer verdient . Nun , reden Sie doch ! « » Sie lassen mich ja gar nicht zu Wort kommen . Was auch gar nicht nötig ist : Sie , der geniale Menschenkenner , lesen mir ' s vom Gesicht , was ich sagen möchte ... « » Ja , das thue ich - und was ich lese ist dies : Ich , der allgewaltige Chefredakteur , vor dessen Feder ganz München zittert , bin ein undankbarer Erzschuft ... « » Oho ! Da möcht ' ich doch bitten ... « » Bin nicht wert , daß mich Sonne , noch Mond , noch der Glanz des Goldes bescheint , wenn ich diesem armen Komödianten Geiling nicht volle und rasche Genugthuung gewähre . Hab ' ich richtig gelesen oder nicht ? « » Stimmt Wort für Wort . « » Na also . « Der Komödiant reichte dem Preßbanditen die Hand mit inhaltsschwerem Drucke . » Die werte Frau Gemahlin zu begrüßen , habe ich wohl nicht das Vergnügen ? « » Sie überraschen uns ein wenig früh , großer Gönner ; ich glaube , es ist noch Besuch da . Bitte , gütigst Platz zu nehmen , ich will nachsehen ... « » Um alles in der Welt nicht , daß ich stören möchte . Ich komme wieder . Tauschen wir rasch ein paar Worte über unser Geschäft , dann schlüpfe ich unbemerkt davon wie ich gekommen . « » Wie Sie befehlen . « » Was ich zunächst wünsche - « seine Stimme zum kunstvoll accentuierten Säuseln dämpfend : » Sie wissen doch , daß in den höchsten und allerhöchsten Sphären schicksalsschwere Dinge sich vorbereiten , die erhabene Person unseres Königs betreffend ? « - Wieder lauter , geschäftsmäßig glatt : » Was ich wünsche , ist daß in dieser Zeit des Übergangs , der Krisis , die ja auch gewissermaßen eine Kunstkrisis ist , sehr sogar , Ihr Organ keine Woche vergehen lasse , ohne meiner zu gedenken und zwar in starker , origineller , sensationeller Weise . Wir haben es leider mit einem ziemlich stumpfen Publikum zu thun , das will kräftig zur Aufmerksamkeit aufgerüttelt werden . Wir müssen das verzettelte Interesse sammeln , konzentrieren . Mit dem abgebrauchten Vokabular erreicht die Kunstkritik das nicht . Wir müssen uns neue Worte prägen . Zum Beispiel : nennen Sie mich das schauspielerische Zentralgenie der kosmischen Kunstindividualität oder ... « » Bitte , langsam , das muß ich mir gleich aufschreiben . Sie sagten ? « » Schauspielerische Zen-tral-genie der kosmischen Kunst - « » Etwas langsamer ... der kosmetischen Kunst ... « » Kosmischen , kosmischen ! Aber was quälen wir uns ? Gestatten Sie mir , daß ich Ihnen von Woche zu Woche ein kleines Stilmuster schicke , ja ? Das wäre das Einfachste . « » Sehr einverstanden . « » Aber nichts streichen ! « » Genau wie Sie ' s wünschen . Ich bürge Ihnen für korrekten Abdruck . « » Keine sinnstörenden Druckfehler ! Darin bin ich sehr empfindlich . Neulich schrieb Ihr Blatt , das heißt , setzte der Dummkopf von einem ungebildeten Setzer : Judentanz statt Intendanz , in lateinischen Zitat Fama crescit eundo - Fauna statt Fama