Vor Zeiten sagte man ihr nach , daß sie sich auf Kräuter und Tränk verstehe . Aber doch wohl nicht . Denn der Bauer ging immer mit leeren Händen von ihr , und Sympathie wird doch das keine gewesen sein , daß er dann , wenn er sich unbelauscht glaubte , in das Vorgärtel des Herrgottlmachers schlüpfte , geraume Weil vor dem Häuschen stehenblieb und an einer Fensterscheibe fast die Nase platt drückte ? Auch ging auf dem Sternsteinhofe die Rede , man wüßte recht gut , welches Wegs der Bauer herkäme , denn sei er bei der alten Hexe gewesen , dann gebe er der Bäuerin kein gutes Wort . Zweimal kam es sogar zu lärmenden Auftritten . Der Bauer überhäufte die Bäuerin mit kränkenden Vorwürfen über ihr ungesundes Wesen , von dem sie wohl gewußt haben werde , aber es ihm verheimlicht hätte , und als sie mit tränenden Augen auf die Wiege hinwies , kehrte er derselben , das Kind verschimpfierend , den Rücken ; beide Male war er unter Tages im Dorfe unten gewesen , Helene war eben auswärts , und die alte Zinshofer hatte ihr Enkelkind , den kleinen , kraushaarigen Nepomuk , in ihre Hütte herübergeholt . Helene war es wohl in etlichen mondhellen Nächten , wo sie länger wach lag , vorgekommen , als ob etwas vor dem Fenster schattete , aber sie hatte es nicht arg noch acht ; erst als man im Dorfe von den nächtlichen Gängen des jungen Sternsteinhofers zu sprechen begann und der kleine Muckerl von einem schönen , freundlichen Bauern schwätzte , der ihm viele schöne Sachen verspräch , da reimte sie sich das Gerede der Leute und das Geplauder des Kindes zusammen . Noch am selben Abende , nachdem sie sich darüber klargeworden , saß sie inmitten der Stube und machte einen langen Hals nach dem Fenster , und als außen Toni der Straße entlang kam , erhob sie sich kurz darauf und lief nach der Hütte ihrer Mutter . Sie riß die Türe hastig auf und warf sie schmetternd hinter sich zu , dann trat sie hart an den Bauern heran , die geballte Faust vor seinem Gesichte rüttelnd . » Du bist ein elendiger Kerl ! Is ' s dir nit gnug , einmal an meinm Unglück schuld gwest z ' sein ? Willst mich hitzt auch noch als Weib in Verruf bringen ? « Die Zinshofer drängte sich zwischen die beiden . » Heb nur kein Streit an in meiner Hütten « , sagte sie , Helenens drohende Rechte am Handgelenke anfassend . » Meng du dich nit ein « , schrie das junge Weib , sich heftig losreißend . » Du meng dich nit ein , weder so - ich rat dir gut - noch in andrer Weis , wozu d ' etwa Lust hättst ! Was ich mit dem da hab , das is allein zwischen uns zwein ! « » Freilich wohl - « , grinste die Alte ; eine unmutige Bewegung und ein zorniger Blick des Bauern machte sie verstummen . Toni schob sie zur Seite . » Laß s ' nur « , sagte er , » laß s ' , Mutter Zinshofer . Sie hat ja recht , wann s ' mir ' s Vergangene nachtragt , ich hab schlecht an ihr ghandelt , und ' s is mir übel gnug ausgangen . « » Sonst beschweret ' s dich nit viel « , höhnte Helene . » Aber Gott is mein Zeug « , fuhr er fort , » und auch du kannst mich nit Lugen strafen , vom Anfang war mein Absehn a ehrlichs - « » Und ich jung und dumm gnug dazu « , unterbrach sie ihn , » afs alleine Absehen was z ' gebn . Aber du irrst , wann du denkst , ich trag dir deswegen was nach . So ein Betrügen zwischen zwein , wobei allzeit ' s Betrogene noch mithilft , weil sich ' s selber betrügt , das witzigt ein ' n nur für ein andermal , und damit is ' s aus und vorbei . Wann du mir aber hitzt über die Weg schleichst , mich als Weib für so schlecht haltst , wie ich als Dirn unbesinnt war , hitzt , wo ' s af ein Betrügn unter dreien ankäm , ' n dritten dir z ' lieb , und wo nur von einm unehrlichen Absehn die Red sein könnt und für dich gar nix afm Spiel stünd und für mich mehr wie alls , hitzt is das ein beleidigend Einbilden und ein schandbar Zumuten ! « Toni schüttelte den Kopf . » Es is weder ein Einbilden noch ein Zumuten dabei . Was die Leute erlauern können , wann ich dir gleichwohl über die Weg schleich , das is nur für mich abträglich ; nur mir greicht ' s zur Unehr , und nur mich macht ' s zun Gspött , wann ich dir nachlauf und kein Ghör find . « » Dös is nit so ! Bisher hab ich ' s gleich geacht , ob du am Zaun vorüberstreifst oder ob sich ein Hund dran reibt , und solang mer denken mußt , ich merk nix davon , konnt mer mir auch nix verübeln , aber hitzt kommt mir zu , daß ich dir verbiet , mir übern Weg und unter d ' Augen z ' gehn , und das wirst dir auch gsagt sein lassen ! « » Nein « , sagte er leise , aber bestimmt . » Was ? « schrie das junge Weib , vor Zorn erglühend . » Mit aller Gwalt brächtst mich in Verdacht ? Du wolltst nit ? « » Ich kann nit . « » Dann spuck ich dir auf offener Straßen ins Gesicht , wie schon einmal , und schrei es vor allen Leuten aus , daß du pflichtvergessener Lump meiner Ehr nachstellen willst , trotz ich dir dafür alln Schimpf und Schand angetan .