denn hoffentlich wird das Tanzen auf Leichenbegängnissen endlich doch verschwinden ! « Wir huschten sogleich hinaus , wo auf der Flur und der Treppe , die nach oben führte , die Menge sich zu einem Zuge ordnete und paarte , denn ungepaart durfte niemand hinaufgehen . Ich nahm daher Anna bei der Hand und stellte mich in die Reihe , welche sich , von den Musikanten angeführt , in Bewegung setzte . Man spielte einen elendiglichen Trauermarsch , zog nach seinem Takte dreimal auf dem Boden herum , der zum Tanzsaal umgewandelt war , und stellte sich dann in einen großen Kreis . Hierauf traten sieben Paare in die Mitte und führten einen schwerfälligen alten Tanz auf von sieben Figuren mit schwierigen Sprüngen , Kniefällen und Verschlingungen , wozu schallend in die Hände geklatscht wurde . Nachdem dies Schauspiel seine gehörige Zeit gedauert hatte , erschien der Wirt , ging einmal durch die Reihen , dankte den Gästen für ihre Teilnahme an seinem Leid und flüsterte hier und dort einem jungen Burschen , daß es alle sahen , in die Ohren , er möchte sich die Trauer nicht allzusehr zu Herzen gehen und ihn in seinem Schmerze jetzt nur allein und einsam lassen , er empföhle ihm vielmehr , sich nun wieder des Lebens zu freuen . Hierauf schritt er wieder gesenkten Hauptes von dannen und stieg die Treppe hinunter , als ob es direkt in den Tartarus ginge . Die Musik aber ging plötzlich in einen lustigen Hopser über , die Älteren zogen sich zurück , und die Jugend brauste jauchzend und stampfend über den dröhnenden Boden hin . Anna und ich standen , noch immer Hand in Hand , verwundert an einem Fenster und schauten dem dämonischen Wirbel zu . Auf der Straße sahen wir die übrige Jugend des Dorfes dem Geigenklange nachziehen ; die Mädchen stellten sich vor die Haustür , wurden von den Knaben heraufgeholt , und wenn sie einen Tanz getan , hatten sie das Recht erworben , aus den Fenstern die Burschen , die noch unten waren , heraufzurufen . Es wurde Wein gebracht und in allerhand Dachwinkeln kleine Trinkstätten hergestellt , und bald verschmolz alles in einen rauschenden und tobenden Wirbel der Lust , welche sich in ihrem Lärm um so sonderbarer ausnahm , als es Werktag war und das Feld weit herum in gewöhnlicher stiller Arbeit begriffen . Nachdem wir lange Zeit zugeschaut , fortgegangen und wiedergekommen waren , sagte Anna errötend , sie möchte einmal probieren , ob sie in der großen Menge tanzen könne . Dieses kam mir sehr gelegen , und wir drehten uns im selben Augenblicke in den Kreisen eines Walzers dahin . Von nun an tanzten wir eine gute Weile ununterbrochen , ohne müde zu werden , die Welt und uns selbst vergessend . Wenn die Musik eine Pause machte , so standen wir nicht still , sondern setzten unsern Weg durch die Menge fort in raschem Schritte und fingen mit dem ersten Tone wieder zu tanzen an , wir mochten gerade gehen , wo es war . Mit dem ersten Tone der Abendglocke aber stand auf einmal der Tanz still mitten in einem Walzer , die Paare ließen ihre Hände fahren , die Mädchen wanden sich aus den Armen der Tänzer , und alles eilte , sich ehrbar begrüßend , die Treppe hinunter , setzte sich noch einmal hin , um Kaffee mit Kuchen zu genießen und dann ruhig nach Hause zu gehen . Anna stand , mit glühendem Gesichte , noch immer in meinem Arme , und ich schaute verblüfft umher . Sie lächelte und zog mich fort ; wir fanden ihren Vater nicht mehr im Hause und gingen weg , ihn beim Oheim aufzusuchen . Es war Dämmerung draußen , und die allerschönste Nacht brach an . Als wir auf den Kirchhof kamen , lag das frische Grab einsam und schweigend , vom aufgehenden goldenen Monde bestreift . Wir standen vor dem braunen , nach feuchter Erde duftenden Hügel und hielten uns umfangen ; zwei Nachtfalter flatterten durch die Büsche , und Anna atmete erst jetzt schnell und stark . Wir gingen zwischen den Gräbern umher , für dasjenige der Großmutter einen Strauß zu sammeln , und gerieten dabei , im tiefen Grase wandelnd , in die verworrenen Schatten der üppigen Grabgesträuche . Da und dort blinkte eine matte goldene Schrift aus dem Dunkel oder leuchtete ein Stein . Wie wir so in der Nacht standen , flüsterte ich Anna , sie möchte mir jetzt etwas sagen , aber ich müßte sie nicht auslachen und es verschweigen . Ich fragte : » Was ? « und sie sagte , sie wolle mir jetzt den Kuß geben , den sie mir von jenem Abend her schuldig sei . Ich hatte mich schon zu ihr geneigt , und wir küßten uns ebenso feierlich als ungeschickt . Fünftes Kapitel Beginn der Arbeit . Habersaat und seine Schule Als Anna mit ihrem Vater noch spät sich verabschiedete , war ich in dem Augenblicke nicht zugegen , und sie konnte mir daher nicht Lebewohl sagen . Obgleich ich schmerzlich betroffen war , sie nicht mehr zu finden , überwog doch mein junges Seelenglück ; auf meiner Kammer lag ich noch eine volle Stunde unter dem Fenster und sah die Gestirne ihren fernen Gang tun , und die Wellen unter mir trugen das Mondensilber auf ihren klaren Schultern hastig und kichernd zu Tal , als ob sie es gestohlen hätten , warfen hier und da einige Schimmerstücke ans Ufer , als ob sie ihnen zu schwer würden , und sangen fort und fort ihr mutwilliges Wanderlied . Auf meinem Munde lag es unsichtbar , aber süß und warm und doch frisch und taukühl . Als ich schlafen ging , spukte und rauschte es die ganze Nacht auf meinen Lippen , durch Traum und Wachen , welche oft und heftig wechselten ; ich sank von Traum zu Traum , farbig und blitzend , dunkel und schwül , dann wieder sich erhellend