der Zeit gefertigt , der Stolz des gastlichen Hauses in der Ostraallee , möglicherweise auch noch dessen am Monte Pincio gewesen war . Dies aber geschehen , sollte unverweilt , an Stelle der Falltür , die Gruft durch eine Steinplatte für alle berechenbare Zeit geschlossen werden . » Denn , « so erläuterte die Verordnung , » kein Mensch von heute oder morgen hat ein Interesse daran , diese Stätte der Verwesung wieder zu betreten . Wenn aber nach Jahrhunderten vielleicht - durchaus kein beklagenswerter Schade ! - der Oberbau in Trümmer gelegt sein wird , sei es durch verjüngende Barbarenhorden , sei es allein durch die verjüngende Barbarei der Zeit ; und wenn , nach Jahrtausenden vielleicht , von den Forschern einer neuen Kulturepoche dieser Trümmerhaufe durchwühlt werden wird , dann soll das , was heute an die Vergänglichkeit mahnt , als ein Merkmal des Unsterblichen auf Erden entdeckt und gewürdigt werden . « Die stärkste Spannung erregte das Testament , das vor der letzten Abreise nach Rom in Dresden niedergelegt worden war und vorschriftsmäßig jetzt von dort an das Patrimonialgericht ausgehändigt wurde . Als Termin für die Eröffnung war die alte Sitte einer Monatsfrist vom Tage des Todes ab auf die von dem der Bestattung hinausgeschoben worden . » Ein Schabernack , dem alten Spottvogel leichtlich zuzutrauen . Die erblustige lachende Sippe wird aus weiter Ferne auf den Trab gebracht und schließlich ihr ein Schnippchen geschlagen . « So legte nämlich der Judex Hecht , der selbst ein arger Spottvogel war , jene Aufschubsklausel aus , und zwar auf Grund der Aufschrift des Testamentes , die folgendermaßen lautete : » Zu publizieren im Ahnensaale von Werben , durch den Justitiarius von Werben , in Gegenwart ad eins : der Mitglieder der Familie von Hartenstein , insofern selbige dem Geschlechte der Werben blutsverwandt oder verschwägert sind und Verlangen hegen , den letzten Willen der letzten Namensträgerin zu erfahren . Ad zwei : des Ortspfarrers von Werben , insofern am Tage der Publikation der jezeitige Herr Konstantin Blümel noch im Amte stehen oder aber dessen Pflegesohn Dezimus Frey ihm in diesem Amte nachgefolgt sein sollte . « Nun , hinsichtlich dieses letzten » Oders « hatte die lebenslustige Testatorin ihre Dauerkraft freilich um viele Jahre überschätzt ; in Mutter Hannas Herzen aber hatte das » Oder « den Johannissegen gewaltig ins Kraut schießen lassen . Sollte ihr braver Dezem bloß auf dem Testamente stehen und nicht auch darin ? Ihr Konstantin belächelte den Aberglauben . Wollte es ihm auch nicht gelingen , den Kitt der einzelnen Seelenteile seiner weiland Patronin klärlich zu analysieren , das Totale , zu welchem die widersprechenden Teile sich so oder so verkittet , hatte er hinlänglich erfaßt , um zu wissen , daß sie nur einen Bluts- oder Kunstgenossen würdig erachtet haben werde des Erbes , auf welchem die heitere Freiheit ihres Lebens wesentlich beruht hatte . Aber einen Vertrauensakt sah er in der Berufung , mutmaßlich ein Bürgenamt für irgendwelches heikle Kommissorium . Und dieses ehrende Zeugnis von Herzenskunde galt Konstantin Blümel als das kostbarste Legat auch für den Jüngling , den er auf seinen Boden verpflanzt hatte . In des Propstes Zustande trat seit Eintreffen der Todesbotschaft eine auffällige Besserung ein ; seine Haltung hob sich , vor den Blicken sank ein Nebel , die Schritte wurden elastisch wie einst . » Niederschlagendes Resultat ! « sagte Pastor Blümel mit einem tiefen Seufzer , » wenn unter dem Druck der Erdgewalten der Idealist dahin gelangt , von einem Lotteriegewinst den Frieden für sein Leben und Sterben zu erwarten . « Die Beisetzungsangelegenheiten führten Herrn von Hartenstein wiederholt in das Pfarrhaus ; er war mitteilsam wie noch nie ; einmal äußerte er sogar , daß er seine Tage in der ihm liebgewordenen Stille von Werben zu beschließen gedenke , für den wahrscheinlichen Fall , daß dessen Besitz auf seine Gattin als nächste Erbin übergehe . Lydia begleitete den Vater regelmäßig bei diesen Besuchen ; in ihren Augen leuchtete ein Widerstrahl von seinem neuen Leben , und noch eine zweite Hoffnung zauberte auf ihre Wangen den einstigen Anemonenhauch . Ihr Bruder Martin war bereits zu der Bestattungsfeier eingetroffen ; und durften denn nicht auch Sidonie und Max für sie erwartet werden , um voraussichtlich bis zur Testamentseröffnung zu verweilen ? Ein voller Monat Freude ! Freund Martin strahlte im neuen Glück der Epauletten ; er kam jeden Tag ein paarmal auf die Pfarre stolziert und machte natürlich , seiner Weltstellung entsprechend , Röschen den Hof . » Ist die aber reizend geworden ! « sagte er mit der Miene heimlichen Vertrauens , aber einer Stimme , als ob er seine ersten Rekruten kommandierte . » Dich nicht in die zu ver lieben ! Dezimus , bist du denn von Stroh ? « » Ich liebe sie ja , « versetzte Dezimus stillvergnügt . Röschen dahingegen sagte : » Ein guter Junge , dein Martin . Aber wie kommt es nur ? Die Zeit wird mir mit ihm greulich lang , und mit dir , alter Dezem , wird sie es doch nicht . « » Das kommt : der Martin schwätzt , und Dezem hört dir Plaudertasche zu , « erklärte lachend Mutter Hanna . Denn unter vier Augen betrieben Röschen und Dezem ihre Schmeichelreden und Zärtlichkeiten nicht . Eifersüchtig auf den Leutnant konnte sonach der Primaner aber auch nicht werden . Häufig brachte Martin seine beiden jüngeren Schwestern , Priszilla und Phöbe , mit ; da wurde denn wie zu Kinderzeiten im Garten getollt oder auch in der Wohnstube ein Tänzchen gemacht . Peter Kurze gab den erforderlichen dritten Partner ab , und Peter Kurze war ein gewaltiger Springer vor dem Herrn , trotz eines Fettbäuchleins schon in Schülerjahren . Und so ist denn die Reihe der Vorführung endlich auch an Peter Kurzen gekommen , der in der Geschichte eines Glücklichen nicht nur eine Rolle zu spielen haben wird , sondern auch selber ein Glücklicher war , zweifelsohne besser als der andere geeignet zur