die Herrschaft ihn zur Tafel erwarte , und es blieb Herbert daher nur eben die Zeit , sich für sein erstes Erscheinen in der Familie des Freiherrn angemessen umzukleiden . Er war achtundzwanzig Jahre alt und ein schlanker braunäugiger Mann , voll heiterer Sicherheit im Betragen . Er war im Wohlstande aufgewachsen , hatte zu seiner künstlerischen Ausbildung Italien , England und Frankreich bereist und war , da er ein hübsches Vermögen durch seinen Vater für sich erworben wußte , durchaus darauf gestellt , seinen Platz in der Welt nach seinem Sinne auszufüllen und zu behaupten . Verschiedene Bauten , die er trotz seiner Jugend in seiner Vaterstadt und in deren Umgebung bereits ausgeführt , hatten ihm einen guten Namen gemacht , so daß sein Vater ihn mit Fug und Recht dem Freiherrn hatte empfehlen können , als dieser bei dem alten Freunde um einen Architekten für seinen Kapellenbau nachgefragt . Man hatte sich dann schriftlich in Verbindung gesetzt , und Bauherr und Architekt waren mit dem gegenseitigen Verhalten so wohl zufrieden gewesen , daß Herbert sich der bevorstehenden persönlichen Bekanntschaft mit dem Freiherrn , von dem er , seit er denken konnte , hatte sprechen und Gutes sagen hören , lebhaft erfreute . Er war bereits selbstständig und Weltmann genug , um sich von der Begegnung mit vornehmen Leuten keine besondere Vorstellung zu machen , und doch noch in dem Alter , in welchem die Aussicht , mit einem gebildeten Edelmanne täglich zu verkehren und für eine längere Zeit der Hausgenosse der schönen Schloßherrin zu werden , ihn reizte und beschäftigte . So ging er denn nicht ohne Achtsamsamkeit daran , sich für die bevorstehende Zusammenkunft zu kleiden . Sein ungepudertes Haar wallte ihm frei um den Nacken , das erbsenfarbene Beinkleid und die niedrigen Klappstiefel zeigten , wie gut er gewachsen sei , der braune , weit vom Halse abfallende Frack ließ mit seinen langen schmalen Schößen den ganzen Vorderkörper frei , die Weste schlug in breiten , spitzen Rabatten auf der Brust zurück , das weiße Halstuch , das große Jabot , die dunkle Camee in demselben und die Uhrkette mit den vielen Berloques würden von jedem Incroyable in Paris als tadellos befunden worden sein . Auch gestand Herbert es sich mit unschuldiger Selbstgefälligkeit , daß er sich wohl sehen lassen dürfe . Herzlich guten Muthes folgte er dem Diener , der ihn zur Tafel rufen kam , und es gefiel ihm , daß er auf diese Weise nicht erst jenes Examen des gesellschaftlichen Verkehrs zu bestehen haben sollte , welches vornehme Herren mit Jedem anzustellen sich für verpflichtet halten , dessen Kräfte sie irgendwie in ihrem Dienste verwenden , dessen Arbeit sie bezahlen . Sechzehntes Capitel Die breite Stiege hinauf geleitete der voranschreitende Diener den jungen Baumeister über den weiten Flur und durch ein Vorgemach nach dem Zimmer der Baronin , dann öffnete er ihm die Thüre desselben , um ihn eintreten zu lassen . Der Baron stand auf , als er Herbert erblickte , ging ihm freundlich entgegen und sagte , indem er ihm die Hand reichte : Willkommen , lieber junger Mann , und doppelt willkommen , denn ich begrüße in Ihnen den Sohn eines werthen Jugendgefährten und zugleich den Mitarbeiter an einem Werke , dessen Ausführung mir und der Baronin eine Gewissenssache ist . Je eifriger Sie sich daran halten , es seiner Vollendung entgegen zu führen , um so mehr werden die Baronin und ich es Ihnen danken . - Er führte ihn damit Angelika zu , die ihn ebenfalls willkommen hieß ; aber ihren Worten und ihren Mienen fehlte der Ausdruck der Freundlichkeit , die der Baron ihm bewiesen hatte , und wie ein erkältender Hauch fuhr ihm der Gedanke durch den Sinn : dieser Frau mißfalle ich ! Wie dies geschehen könne , da er kaum noch ein Wort gesprochen und da er gewohnt war , durch seine Erscheinung sonst ein günstiges Vorurtheil für sich zu erwecken , das begriff er allerdings nicht ; indeß er war sicher , sich in seiner Voraussetzung nicht zu irren . Der beobachtende Blick , mit welchem Angelika ihn betrachtete , dünkte ihm mit einem spottenden Zuge um ihre Lippen in Verbindung zu stehen , und obschon er sich es nicht leugnen konnte , daß sie schön sei , fühlte er sich dennoch von ihr eher abgestoßen , als angezogen . Die heitere Zuversicht , mit der er ihr genaht war , ging ihm dadurch verloren ; er sagte sich , daß man mit dieser Frau auf seiner Hut sein müsse , und er nahm sich vor , ihrem adeligen Stolze sein unabhängiges bürgerliches Wesen und sein freies Künstlerbewußtsein mit fester Entschiedenheit entgegenzusetzen . Der Baron fragte ihn nach seinem Vater , erinnerte daran , wie dieser , als er aus Italien zurückgekehrt , hier im Schlosse die Eltern und die Schwester des Freiherrn gemalt und dieselben Zimmer bewohnt habe , welche man Herbert jetzt angewiesen hatte . Er machte ihn dabei auf die erwähnten vortrefflichen Portraits aufmerksam , welche an den Wänden hingen ; und da der Sohn Gelegenheit fand , des Vaters Arbeit von Herzen zu bewundern , würde er bei der Zuvorkommenheit , mit welcher der Baron ihn behandelte , sich sehr behaglich gefühlt haben , hätte nur die Baronin aufhören wollen , ihn zu betrachten , oder sich entschließen mögen , an dem Gespräche irgend einen Antheil zu nehmen . Es war ihm daher wirklich eine Erleichterung , als endlich ein leises Lächeln über ihre Mienen flog und sie , gegen ihren Gatten gewendet , die Frage that , ob Monsieur Herbert geraden Weges von Paris komme . Der junge Mann , den es schon verdroß , daß die Baronin diese Frage , die ihm auffallen mußte , da er alle seine Briefe an den Baron aus seiner Vaterstadt geschrieben hatte , nicht an ihn selber richtete , übernahm eben deßhalb die Antwort selbst und sagte ihr , daß er schon über Jahr und Tag wieder in der Heimath gewesen