hatte , bis ihn ein großes Wassergeplätscher nebenan aus seiner Betäubung emporschreckte . Der Leutnant Götz schnaufte und schnob gleich einem Walfisch in seinem Waschnapf , und nun - wusch sich auch der Theologe . Eben war er mit der Toilette fertig , als auch schon sein Begleiter den Kopf in die Tür steckte : » Angenehmer Ort , nicht wahr ? - Etwas schmal , niedrig und dunkel , aber - sehr angenehm , Kandidate . Lag hier nach der Schlacht bei Friedland vier Wochen in der Gesellschaft von Ratten , Mäusen , alten Besen und Stiefeln versteckt . Sehr duftig und sehr angenehm . Haben ein wenig gelüftet seit dem Jahre sieben . Lämmert senior , Vater von Lämmert junior , Unteroffizier in unserm Regiment . Patriotische Gemüter drinnen - französische Spürnasen draußen . Rettung - Tugendbund - Aufruf an mein Volk - Leipzig - Waterloo - Viktoria ! Äußerst angenehm ! Kommen Sie , wenn Sie im Wichs sind , man wartet drunten auf uns ; wir sind gemeldet . « Mehr denn bloß erwartungsvoll folgte Hans seinem Führer die Treppe hinab , und unten an der Treppe stand bereits Herr Lämmert , der Wirt , salutierte abermals und riß mit Nachdruck eine Tür auf , hinter welcher es sehr laut war . Daß die in dem Gemach anwesenden Herren rauchten , sah man , aber die anwesenden Herren selber sah man anfangs nicht . Selbst die Gasflamme über dem Tische und die beiden Lichter auf ihm ließen sich kaum ahnen ; » ein Hof war um sie her « wie um den Mond , um welchen sich der gute Sir Patrick Spence im Schloß zu Dumferline so kläglich hinter dem Ohr kratzte . Magisch tauchte aber ein Neuntöter nach dem andern aus dem Nebel auf , und es waren lauter ältere Herren , deren jeder ein Glas mit irgendeinem behaglichen Getränk vor sich stehen hatte und die sämtlich die beiden Eintretenden mit einem aufgeregten Gegrunze begrüßten . Präses der Gesellschaft schien ein alter Herr mit schneeweißem Bart zu sein . Hans Unwirrsch wurde ihm zuerst vorgestellt und erfuhr , daß der würdige Alte mit der kolorierten Nase der Oberst und Oberneuntöter von Bullau sei und daß der Leutnant Götz einst in dem Regimente desselben gestanden habe . Wir aber berichten jetzt , wer die Neuntöter eigentlich waren , was sie wollten , woher sie ihren Namen genommen hatten und ob sie denselben mit Recht führten . Jedes Mitglied der Gesellschaft hatte einst mittelbar oder unmittelbar mit dem Wehrstande in Verbindung gestanden ; jedes Mitglied fühlte mehr oder weniger den Trieb der Geselligkeit und hatte ihn zu befriedigen gesucht , obgleich nicht jedes Mitglied unbeweibt und somit unbehütet , unbeaufsichtigt durch das Leben wandelte oder humpelte . Jedes Mitglied der Gesellschaft hatte das Recht , zu rauchen und spirituöse Getränke jeder andern Feuchtigkeit vorzuziehen , selbst dem funkelnden Tropfen im Auge der bessern Hälfte daheim , wenn besagtes Auge schmerzlich sich auf den Nagel richtete , an welchem der Hausschlüssel - gehangen hatte . Jedes Mitglied hatte das Recht , zu lügen und Gäste einzuführen , die fähig waren , bis zu einem gewissen , aber ziemlich weit hinausgeschobenen Punkte jedwede Erzählung für verbriefte , besiegelte und beschworene Wahrheit zu nehmen . Jedwedes Mitglied hatte das Recht , an jedem Gesellschaftsabend ein gewisses Quantum Blut zu vergießen , doch durften nach Paragraph acht der Statuten nicht mehr als neun Leichen auf den - Erzähler kommen . Davon der sehr schöne Name des Klubs ! Ging ein exaltiertes Individuum über die heilige Zahl Neun in seinem Eifer hinaus , so verfiel es , wenn auch nicht sehr drakonischen Gesetzen , so doch der sittlichen Entrüstung der ganzen löblichen Tafelrunde , die in solchen Momenten von dem Unbefangenen oder vielmehr dem Befangenen für den obersten Gerichtshof der Wahrhaftigkeit genommen werden konnte . Die Neuntöter führten ihren Namen mit Recht , nicht der kleinste Einwand ließ sich dagegen erheben ; es fiel übrigens auch niemandem ein dagegen aufzutreten . Nicht alle Mitglieder der Gesellschaft waren festeingesessene Bewohner der Stadt . Der Oberst von Bullau zum Beispiel brachte einen großen Teil des Jahres auf seinem Gute Grunzenow zu , andere der Herren und Vögel waren in kleinen Städten und Ortschaften der Umgegend zu Hause ; aber wen Geschäfte , Reiselust , Vergnügen oder ein zusammengedrücktes Zwerchfell zur Hauptstadt führten , der suchte unter allen Umständen das alte Nest im Grünen Baum auf und war gewiß , einen Kreis wackerer Jugend- und Kampfgenossen an dem runden Tisch zusammenzufinden . Nachdem der Oberst von Bullau den Kandidaten einer kurzen , aber eingehenden Untersuchung unterzogen hatte , entließ er ihn für dieses Mal mit dem Prädikate » dienstfähig « , und Hans wurde von dem Leutnant Götz jetzt auch den anderen Herren vorgestellt . Zuerst machte er seinen unbeholfenen Diener vor einem rotgesichtigen , vollwangigen , apoplektischen Neuntöter , dessen Haupteigenschaften ein inniges Wohlwollen und Wohlbehagen und ein merkwürdiger Husten waren . Wohlbehagen , Wohlwollen und Husten schienen in seinem Innern im immerwährenden Kampf zu liegen und erschütterten seinen respektablen Bauch wechselweise . Dieser Herr hatte einst der Artillerie angehört und erzählte an diesem Abend eine sehr interessante Geschichte von einer feindlichen Kanonenkugel bei Bar-sur-Aube , die so verständig in die Mündung seiner - des Erzählers - eigenen Kanone geflogen sei und sich so regelrecht auf die Pulverladung gesetzt habe , daß - » das herauskam , was ich ein richtiges Fangballspiel nenne . Paff , wir schickten sie ihnen wieder , und da sie uns allbereits das Schwanzende zugekehrt hatten , so hatten sie das Schlimmste davon , und der Spaß kostete sie elf Beine , welche wir nachher auf einem Haufen fanden , als wir zur Strecke kamen . « » Elf - elf Beine ! ? « fragte der Oberst von Bullau , die Augenbrauen bedenklich in die Höhe ziehend . » Lauter rechte oder lauter linke , Kamerad ? « » Sechs rechte und fünf linke , Kamerad ! «