die ihm mit jedem Augenblicke unerträglicher wurde , nicht entgehen . Er habe eine Nachricht erhalten , die ihn nöthige , sofort nach Hause zu eilen . In der nächsten Minute stand er auf der Straße . Gott sei Dank ! Daß ich fort bin ; rief er , Timm , der ihn lachend in Empfang nahm , beim Arm ergreifend und mit sich fortziehend . Konnt ' s mir denken , rief Herr Timm , daß Du Höllenpein ausstandst ; dachte , dem armen Schelm muß geholfen werden . Komm , wir wollen den gelehrten Staub , so Du verschluckt hast , mit edlem Wein hinunterspülen . Zwanzigstes Capitel Ich glaube , Helene Grenwitz ist trotz ihrer schwarzen Haare und ihrer dunklen strahlenden Augen eine heimliche Wasserfrau , sagte Sophie Robran zu ihrem Vater . Der Geheimrath lachte . Du möchtest nicht so ganz unrecht haben , sagte er , denn wenn in zwei verschiedenen physischen Medien , wie Luft und Wasser , auch physisch verschiedenartige Creaturen existiren , die keine wahre Gemeinschaft mit einander haben können , so ist nichts logischer , als daß verschiedene moralische Atmosphären , wie die , in welcher der Adel lebt , und die , in welcher wir leben , auch moralisch verschieden geartete Wesen hervorbringen müssen , die niemals so recht von Grund der Seele aus Freunde werden können . Hast Du während der Zeit , daß Du bei Fräulein Bär warst , eine Freundschaft geschlossen , die über die Pension hinaus gedauert hätte ? Doch , Papa , mit Fräulein Bär selber , erwiderte schalkhaft Sophie . Da siehst Du ' s nun ! sagte der Geheimrath mit seinem satirischen Lächeln , man kann selbst mit Bärinnen innige Freundschaft machen , aber nimmermehr mit - Wasserfrauen . Sophie konnte das Mißtrauen des Vaters , welcher ein langes Leben und eine reiche Erfahrung für sich hatte , in diesem Falle nicht theilen . Sie erklärte sich Helenens Zurückhaltung durch eine angeborene oder anerzogene Scheu , aus sich herauszutreten , und verzieh ihr diese Zurückhaltung um so lieber , als sie sich selbst keineswegs frei davon fühlte . Galt sie doch selbst im allgemeinen für schroff und kalt , sagte man ihr doch manchmal offen , daß sie , gar nicht sei wie andere junge Mädchen . Sie kann nun einmal nichts dafür , dachte sie bei sich , man soll nicht Feigen pflücken wollen von dem Dornstrauch . Helene würde gegen Dich nicht anders sein , und wenn die Robrans schon zu Zeiten Karl ' s des Großen Barone gewesen wären . Wenn Sophie an dem Nachmittage des dritten Tages nach Oswald ' s Ankunft in Grünwald , wo Helene in ihrem Zimmer saß und an ihre Freundin Miß Mary Burton schrieb , einen Blick über die Schulter der Schreiberin weg auf das Papier geworfen hätte , würde sie sich vielleicht zu ihres Vaters Ansicht , daß Wasserfrauen wenigstens mit Wasserfrauen vertraulich umgehen können , bekehrt haben . Helene schrieb : Es ist das erste Mal seit langer , langer Zeit , theuerste Mary , daß ich den Muth in mir fühle , Dir auf Deine Briefe - denn es liegt jetzt ein ganzes Packet da - zu antworten . Aber ich konnte es nicht über das Herz bringen , Dir , die Du jetzt in die große Welt , in die Du gehörst , eingetreten und neulich gar bei Hofe vorgestellt bist , - Dir , der Braut und in kurzer Zeit der Gemahlin eines englischen Peers , zu schreiben , daß ich , Helene von Grenwitz , der Du eine so glorreiche Zukunft prophezeitest , - vorläufig wieder erst einmal in die Pension zurückgeschickt bin ; in Pension geschickt wie ein ungezogenes Kind , in Pension geschickt wie ein Gänschen vom Lande ! - Du staunst , Du lächelst ungläubig ; Du lispelst ein : ' t is impossible ! und wenn Du nun endlich meinen wiederholten Versicherungen Glauben schenken mußt , so fassest Du mich bei beiden Händen und rufft : aber was heißt dies ? warum dies ? und zwingst mich , die traurige Geschichte von Anfang an zu erzählen . Nun ; ich sehe keine Möglichkeit , dieser Pein zu entrinnen , aber daß ich sie abkürze , so viel ich vermag , wirst Du begreiflich finden . Also kurz , wenn auch nicht gut . Das Verhältniß zu meiner Mutter , über das ich Dir im Anfang so befriedigend schrieb , wurde in Folge meiner entschiedenen Weigerung , die Gattin meines Vetters Felix zu werden , von Tag zu Tag schlimmer , bis der offene Bruch , den ich schon lange vorausgesehen , zuletzt unvermeidlich war . Ich habe mich bei der ganzen Affaire benommen , wie ich es mir und Dir schuldig zu sein glaubte . Es war ein heißer Kampf , das kann ich Dich versichern . Meiner Mutter entgegen zu treten , erfordert Muth , und mein Vater unterstützte mich , schwach wie er ist , nur schwach . Nun wohl ! der Kampf ist vorüber , - die Todten sind begraben und die Wunden fangen an zu heilen . Ja , Mary , die Todten ! Mein Bruno , mein Stolz , mein Ritter ohne Furcht und Tadel , mein vielgeliebter Bruno ist nicht mehr ! Er ist gestorben im Kampfe für mich und hat seine junge Heldenseele in einem Kusse auf meine Lippen ausgehaucht . Der wilde Schmerz über seinen Verlust - denn als ich ihn nicht mehr hatte , wußte ich erst , was ich an ihm besessen - machte mich stumpf und gleichgiltig gegen Alles und gegen Alle um mich her . Wie dieser Knabe mich geliebt hat , so kann und wird Niemand auf Erden mich wieder lieben . Ich war ihm Sonne und Luft und Licht , ich war ihm Essen und Trinken ; ich war ihm Schlafen und Wachen , ich war ihm das Leben . Wie oft , wenn er es mich mit glühenden Wangen