. Krank im Bett , Mimi auf die Füße . Komme gestern Abend nach ölf Uhr aus die Betstunde , steiche die Drepp hinauf - weiße Gestalt mit feurige Augen - Ohnmacht ! Erwache in die Ahrme von Fräulein Stibbe und das gantze Haus . Stehen alle um mich und lachen . Gans lacht , Schneiderbock lacht , Bolizist Fiebicher lacht , natürlicher Sohn lacht , - Histehriohne lacht auch . Kein Gespenst mehr zu sehen ; schwazen alle auf mir ein , schreie ich nach Hulda nach Hausher , kommen entlich angestirzt und reißen mich aus die Hände von die Rotte Mörderrotte , auswurf von der Menschheid . - Werde von Hulda zu Bett gebracht - Krämpfe , Weinekrampf gantze Nagt , Doctor geholt - werde sterben dran . Am Morgen von Hulda ein hohler Kirbüs mit Augen , Nahse und Mund im Kellerhals gefunden und an mein Bed und zu Herr Mäuseler gebracht . Histehrione muß weg , boshaftiche grinsende Schneidertriene muß weg , Schneider muß weg , Strolch muß weg , Bolizei muß auch weg . Alle müsen aus dem Hause . Nodapeneh . Krampfstillendes Mittel : Schlage ein ei zu Schaum und in ein Glas Franzbrandewein , Zucker atlibedumm , Vanillge , Wird heiß genommen . Nhodabene . So heiß als möchlig ! ! 7 September . Kaffegesellschafd bey Frau Sekräterin Flenner . Weinerliche Perschon dünner Kaffeh . - Zikorijen ! ! Arrogans von die jötzigen jüngern dämchen . Soll wol kratziöses Wäsen sein , wenn sieh naseweis sind gegen gereifdere Dahmen ; - Affen ! - Allerlei erfaren . Strolch magt süße Augen nach dem jungen Geschöppff , die Togder von Banqwieh Wienand . Dreikähsehoch von Mägdchen mit Taubenblicke - man kennd daß . Bei nachhausekunft von Hulda gehörd , das Histeriohne und Schneidermamsell wieder eihn Rahngdefuß im Hausganck gehabt haben . Soll so wahr ich das laben habe das letzte sein . Will Pinnsel von Vater die Augen öffnen , daß ihn ein gantser Lightzieherladen aufgehen soll . Alter Donjuhan von Bolizeischreiber ist mir auch wieder in stichdunkle nacht mit dem alden lahmen Freilein von Poppen begegend ; der Her Pastor Drönemeier « - - - - - - - - Hier brach das Tagebuch ab . In der Nacht vom siebenten auf den achten September war das Feuer in der Fabrik von Semmelroth und Kompanie ausgebrochen , und aus dem Bette , auf den Vorplatz stürzend , hatte Fräulein Aurora Pogge , die hagere Tochter des weiland so ungemein wohlbeleibten Proviantkommissärs , ihre himmelblauen Seelenergüsse , ihre liebenswürdigen Aufzeichnungen mit allen sich schnäbelnden silbernen Tauben aus dem Busen und dem Nachtrock an der Treppe verloren . Der , welchem sie das süße Büchlein am letzten gezeigt hätte , der Popanz ihrer jungfräulichen Seele , der » Histeriohne « Julius Schminkert hielt es in den teuflischen Klauen und hätte es , obgleich er den Wert von fünf Talern sehr wohl zu schätzen wußte , um alle Reichtümer der Welt nicht herausgegeben . Mit diesem Buche in der Hand ließen sich durch einen Schlaukopf wie er merkwürdige Resultate erzielen . Was würde zum Beispiel Monsieur Alphonse Stibbe sagen , wenn man ihm einige Bruchstücke , einige Epitheta , welche seine eigene achtungswerte Persönlichkeit betrafen , daraus vortrüge ? Was würde der » Bartikuglieh « Herr Mäuseler zu einigen Stellen aus dem himmelblauen Buch sagen ? » Es ist zu himmlisch ! Es ist zu göttlich ! Man sollte es nicht glauben , wenn man es nicht schwarz auf weiß vor sich hätte ! « rief der Schauspieler , mit der Faust auf Auroras Schatzkästlein schlagend . » Wie das Weib losgeht ! Alle Teufel , wenn ich doch das Ding in der Lilie vorlesen dürfte ! Aber sachte , Julius - wirf dir nicht selbst den Milchtopf um ; immer ruhig und bedachtsam , wir wollen das Feuerwerk nicht am hellen Tage abbrennen . Hurra , die Schwärmer , Frösche , Feuerräder und Raketen ! Wenn nur nicht die ganze Nummer zwölf und die halbe Musikantengasse mit in die Luft fliegt ! « Julius Schminkert hatte in der letzten Zeit immer mehr Terrain in dem hochromantisch blühenden Herzen Angelikas gewonnen . Die Memoirenschreiberin hatte in ihren Beobachtungen vollkommen recht : Angelika Stibbe schwärmte für die leichtsinnige Lebensart des genialen Julius . Es lag doch Poesie und Schwung darin ! Angelika Stibbe liebte die Art , wie der deklamierende Künstler die struppige Mähne aus der Stirn warf , und nicht weniger gefiel ihr sein blühender Redestil und die Art der Mimik , mit welcher er seiner Rede Nachdruck gab . Sie hatten sich » Rangdefuß « gegeben , und - sie gaben sich ferner welche . Wieder einmal öffnete Julius Schminkert sein Fenster , sog die ambrosische Herbst- und Nachtluft in die jubelnde Brust und sang in den Hof hernieder einige Takte einer Opernarie , in welcher ein höchst verliebter Jüngling in Trikots , Mantel und Federhut einer Donna sein Nahen verkündete . Nachdem er auf diese Art seine eigene Innamorata benachrichtigt hatte , daß er noch in der Höhe vorhanden sei , schlich er in Pantoffeln die Treppe hinunter , horchte mit teuflischem Grinsen an der Tür Auroras und schlüpfte aus der Hintertür des Hauses in den Hof , der zu jetziger Stunde einzig durch einen matten Schimmer des Krankenlämpchens des Meisters Tellering erhellt wurde . In einer Ecke dieses Hofes über einem Regenfaß befand sich das keusche Kammerfenster Angelikas , und wenn jemand dem Zuge seines Herzens folgte und auf besagtes zugedecktes Regenfaß trat , so konnte er grade mit Bequemlichkeit die zarte weiße Hand fassen , welche ihm aus dem rosigverhangenen Kammerfenster niedergestreckt werden mochte . Julius Schminkert kannte bereits die beste Art , sich auf die morsche Tonne zu schwingen und sich mit übervollem Herzen auf dem gefährlichen Standpunkt im Gleichgewicht zu halten . Er voltigierte , stand , balancierte , flüsterte Worte der Liebe ; - das Fenster erklang , leiseste Gegenflüsterungen durchzitterten die Nacht . Mit glühenden Küssen bedeckte der