dort in der Kloster-Bibliothek entdeckte ich endlich das langgesuchte Manuscript . Da stand denn die ganze Geschichte . Was stand da ? Da stand im reinsten Hoch-bramaputraisch , daß - ich übersetze Alles in unsere modernen Begriffe und Ausdrücke - Ja , machen Sie ' s um ' s Himmelswillen so , daß ich es verstehe . Daß gleich von vornherein zwei Menschenpaare geschaffen wurden , wie es auch gar nicht anders sein kann : ein adeliges und ein bürgerliches . Der Name dieses ersten adeligen Geschlechts ist aus dem Manuscript nicht zu ersehen . Gerade an der einen Stelle , wo er ausgeschrieben gestanden hat , ist ein großer Klecks . So viel ist sicher , Oldenburg hat es nicht geheißen ; es war noch ganz deutlich ein C zu erkennen , und in der Mitte ein t. Vielleicht Cloten , sagte der Andere . Es ist möglich , aber beschwören kann ich es nicht . Auch was für eine Geborene seine Gemahlin gewesen ist , die schlechtweg Fräulein genannt wird , ist nicht ersichtlich . Aber ich denke , sie ist aus der Rippe des Mannes gemacht und gar nicht geboren . Ah , lassen Sie sich doch kein dummes Zeug einreden , Cloten . Sie wird ausdrücklich Fräulein genannt , dann muß sie doch auch ein Fräulein von so und so gewesen sein . Das ist ja aber eine verflucht verwickelte Geschichte . Gar nicht so sehr , wie Sie glauben . Genug , der Herr und das Fräulein , das bald genug zur gnädigen Frau wurde , hatten ein Landgut , welches Paradies hieß ; - warum soll ein Landgut nicht Paradies heißen , Cloten ? Verdammt schnurriger Name , indessen . Warum ? Nennt doch einer sein Gut Solitude , der Andere Sanssouci , der Dritte Bellevue , warum soll nicht einmal Einer das seine Paradies genannt haben ? Eh bien ! Der Bediente des Herrn hieß Adam . Vortrefflicher Name für einen Bedienten . Als er steif und lahm wurde , schimpften sie ihn den alten Adam - haben Sie je von einem Adeligen gehört , der Adam geheißen hätte , Cloten ? Im Leben nicht . Sehen Sie , da haben Sie wieder den schönsten Beweis . Er rief also seinen Kerl Adam , und die Zofe seiner Gemahlin Eva , Evchen - allerliebster Kammerzofenname das . Meine Mutter hatte ein Kammermädchen » Evchen « , ein bildhübsches Ding . Der Adam war aber ein großer Schlingel , wie die Bedienten das bekanntlich bis auf den heutigen Tag sind . Das Ding , die Eva , war auch nicht viel besser . Zuletzt trieben es die Beiden zu arg . Schließlich ergriff der Herr denn einmal die Hetzpeitsche und jagte die Beiden vom Hofe . In das Gesindebuch schrieb er : Entlassen wegen Unehrlichkeit , Putzsucht und Arbeitsscheu . Das ist so in großen Umrissen der eigentliche Verlauf der Geschichte . Wirklich merkwürdig - ganz famos , auf Ehre ! Haben Sie das Buch mitgebracht , Baron ? Nein ; aber eine von dem dortigen Landrath beglaubigte Abschrift . Giebt ' s denn dort auch Landräthe ? Aber , lieber Freund , wie kann denn ein Land ohne Landräthe bestehen ? Natürlich ; aber es wäre doch besser , wenn wir das Buch selber hätten . Vielleicht macht es sich . Die Mönche sind entsetzlich obstinat ; ich hatte schon vor , sie alle mit Blausäure zu vergiften . Wahrscheinlich thue ich das auch noch , wenn ich wieder in die Gegend komme . Bis dahin müssen wir uns mit der Copie begnügen . Hören Sie , Baron , können Sie mir nicht auch so eine Copie geben ? ich meine natürlich in deutscher Uebersetzung , nicht in bramaputraisch , oder wie der verdammte Jargon heißt . Hm ; aber versprechen Sie mir , es Niemand zu zeigen . Verlassen Sie sich d ' rauf ! Höchstens Einem oder dem Andern aus unserm Cirkel . Das also darf ich ? Meinetwegen ; aber nennen Sie meinen Namen nicht . Sagen Sie , es wäre eine bloße Hypothese von Ihnen - Eine was ? Eine bloße Vermuthung , die noch der Bestätigung bedürfe ; wenn wir dann hernach das Original in die Hände bekommen , so ist das Ihr Triumph und der Triumph der guten Sache zu gleicher Zeit . Vierundzwanzigstes Capitel Die Sommersonne war bereits seit einer Stunde hinter den Bäumen des Parks untergegangen ; dunkle Schatten lagerten sich in den dichteren Boskets , hie und da zirpte noch ein Vogel , ehe er zur Ruhe das Köpfchen unter den Flügel steckte ; sonst war es still geworden in dem vor kurzer Zeit noch so belebten Garten . Aber desto lauter war es jetzt in dem Schlosse . Das blendende Licht von hundert Wachskerzen auf Kronleuchtern und Girandolen strahlte aus den Fenstern auf den weiten Rasenplatz vor dem Gartensaale . Musik erschallte aus den geöffneten Flügelthüren ; und an Thüren und Fenstern vorüber sahen die Dorfleute , die sich in ehrfurchtsvoller Ferne im Park hielten , die Paare der Tanzenden schweben . In den Zimmern , die an den Tanzsaal stießen , waren für die älteren Herrschaften Spieltische arrangirt und des Grafen von Grieben kreischende Stimme wurde mehr als einmal vernommen , wenn der alte Baron Grenwitz , der nur ein sehr mittelmäßiger Bostonspieler war , auf drei Asse zum Mitgang gepaßt , oder sonst , durch seine Zaghaftigkeit verleitet , einen jener horribeln Fehler begangen hatte , die das Gemüth eines methodischen Spielers so schmerzlich berühren . Herr von Barnewitz und seine Gemahlin wechselten im Spiele ab , damit stets eines von ihnen entweder bei den Tanzenden oder Spielenden war und sich so jede Partei gleicher Gunst erfreute . Hortense hatte ursprünglich den ganzen Ball mitmachen wollen ; aber schon nach den beiden ersten Tänzen ärgerte sie sich so über die Huldigungen , die ihrer schönen Cousine von allen Seiten gezollt wurden , daß sie ihrem Gemahl jenes Arrangement vorschlug , in