sei , wenn man ihr nicht folgt . Sie kann sich nicht denken , daß man ihr eben nicht folgt , weil ' s manchmal ungeschickt ist was sie will , wenn sie ' s auch noch so gut meint . Und das merk ' dir besonders : thu ' ihr nichts nach grad so wie sie ' s macht , mach ' s auf deine eigene Art wie ' s recht ist , das hat sie viel lieber . Sie hat ' s gar nicht gern , wenn ' s den Schein hat als ob man ihr unterthänig sei , aber das wirst du Alles schon merken . Und wenn dir was vorkommt , um Gotteswillen , mach ' deinen Mann nicht wirbelsinnig ; es giebt nichts Aergeres , als wenn der Mann dasteht zwischen der Mutter und der Söhnerin und die Mutter sagt : ich gelte nichts mehr vor der Söhnerin , ja die Kinder werden Einem untreu - und die Söhnerin sagt : jetzt seh ' ich wer du bist , du läßt deine Frau unterdrücken . Ich rathe dir , wenn dir einmal so etwas vorkommt , was du nicht allein klein kriegen kannst , sag ' s mir im Stillen ; ich will dir schon helfen ; aber mach ' deinen Mann nicht wirbelsinnig , er ist ohnedies ein bischen stark verkindelt von seiner Mutter , aber er wird jetzt schon herber werden , fahre du nur langsam und laß dich ' s immer dünken : ich wäre von deiner Familie und bin dein natürlicher Annehmer und es ist auch so : von deiner Mutter Seite her bin ich weitläufig etwas verwandt mit dir . « Und nun suchte er eine seltsam gegliederte Verwandtschaft auseinanderzuhaspeln , aber er fand den rechten Faden nicht und verwirrte die Gliederung immer mehr wie einen Strang Garn , und dann schloß er immer zuletzt mit den Worten : » Du kannst mir ' s auf ' s Wort glauben , daß wir verwandt sind ; ja wir sind verwandt , aber ich kann ' s nur nicht so aufzählen . « Es war nun doch noch vor seinem Ende die Zeit gekommen , daß er nicht mehr blos die falschen Groschen aus seinem Besitzthum herschenkte ; es that ihm wohl , nun endlich das wirklich Geltende und Werthvolle anzugreifen . Eines Abends rief er Amrei zu sich hinter das Haus und sagte zu ihr : » Schau , Mädle , du bist brav und gescheit , aber du kannst doch nicht wissen , wie ein Mann ist . Mein Johannes hat ein gutes Herz , aber es kann ihn doch einmal wurmen , daß du so gar nichts gehabt hast . Da , komm her , da nimm das , sag ' aber keiner Menschenseele was davon , von wem es ist . Sag ' , du habest es mit Fleiß verborgen . Da nimm ! « Und er reichte ihr einen vollgestopften Strumpf voll Kronenthaler und setzte noch hinzu : » Man hätte das erst nach meinem Tod finden sollen , aber es ist besser , er kriegt es jetzt und meint , es wäre von dir . Eure ganze Geschichte ist ja gegen alle gewöhnliche Art , daß auch das noch dabei sein kann , daß du einen geheimen Schatz gehabt hast . Vergiß aber nicht , es sind auch zwei und dreißig Federnthaler dabei , die gelten einen Groschen mehr als gewöhnliche Thaler . Heb ' s nur gut auf , thu ' s in den Schrank , wo die Leinwand drin ist , und trag ' den Schlüssel immer bei dir . Und am Sonntag , wenn die Sippschaft bei einander ist , schüttest du ' s auf den Tisch aus . « » Ich thue das nicht gern , ich mein ' das sollte der Johannes thun , wenn ' s überhaupt nöthig ist . « » Es ist nöthig , aber mag ' s meinetwegen der Johannes thun ; aber still , versteck ' s schnell , da , thu ' s in deine Schürze , ich hör ' den Johannes , ich glaub ' , er ist eifersüchtig . « Die Beiden trennten sich rasch . Noch am selben Abend nahm die Mutter Amrei mit auf den Speicher und holte einen ziemlich schweren Sack aus einer Truhe ; das Band daran war auf ' s Abenteuerlichste verknüpft und sie sagte zu Amrei : » Mach ' mir das Band auf . « Amrei versuchte , es ging schwer . » Wart , ich will eine Scheere nehmen , wir wollen ' s aufschneiden . « » Nein , « sagte Amrei , » das thu ' ich nicht gern ; habt nur ein bischen Geduld , Schwieger , werdet schon sehen , ich bring ' s auf . « Die Mutter lächelte , während Amrei mit vieler Mühe , aber mit kunstgeübter Hand den Knoten doch endlich aufbrachte , und jetzt sagte sie : » So , das ist brav , und jetzt schau einmal hinein was drin ist . « Amrei sah Silber- und Goldstücke , und die Mutter fuhr fort : » Schau Kind , du hast am Bauer ein Wunder gethan , ich kann ' s noch nicht verstehen , wie er ' s zugegeben hat ; aber ganz hast du ihn doch noch nicht bekehrt . Mein Mann redet immer drauf herum , daß es doch gar so arg sei , daß du so gar Nichts habest ; er kann ' s noch nicht verwinden , er meint immer , du müßtest im Geheimen ein schönes Vermögen besitzen und du habest uns nur angeführt , um uns auf die Probe zu stellen , ob wir dich allein ohne Alles gern annehmen ; er läßt sich das nicht ausreden und da bin ich auf einen Gedanken gefallen . Gott wird uns dies nicht zur Sünde anrechnen . Schau , das hab ' ich mir erspart in den sechs und