und Ziborium in die rehfellene Jagdtasche ; weiter war an Gold und Geld nichts vorrätig . Dann versammelte er seine Jagdhunde , den zur Reiherbeize geübten Habicht und die zwei Falken ; was seine Vorratkammer an Fleisch und Fischen bot , warf er ihnen vor . » Freßt euch satt , Kinder ! daß nichts für die gottverfluchten Landplagen übrigbleibt ! « Das Faß im Keller schlug er entzwei , daß der funkelnde Wein herausströmte . » Nicht einen Tropfen Seeweins sollen die Teufel in Moengals Pfarrhaus zu schlucken bekommen ! « Nur den Essig im Krug ließ er unversehrt stehen . Über die kristallhelle Butter in der Holztonne schüttete er eine Schicht Asche . Angelhaken und Jagdgerät vergrub er , dann schlug er die Fenster ein und streute die spitzen Glasscherben sorglich durch die Gemächer , andere steckte er zwischen die Spalten der Dielen , - die Spitze nach oben - alles den Hunnen zu Ehren . Habicht und Falken ließ er hinausfliegen : » Lebt wohl « , rief er , » und haltet euch gut in der Nähe , bald gibt ' s tote Heiden zu benagen ! « So war das Haus bestellt . Die Tasche umgeworfen , eine lederne hibernische Feldflasche drüber , zwei Spieße in der Faust , die Keule Cambutta auf den Rücken geschnallt : so schritt Moengal , der Alte , aus seinem langjährigen Pfarrsitz , ein rechtschaffener Streiter des Herrn . Ein Stück Weges hatte er zurückgelegt ; der Himmel war verdüstert von Brand und Rauch . » Halt an ! « sprach er , » ich hab ' etwas vergessen ! « Er ging wieder zurück . Einen Gruß zum Empfang ist das gelbgesichtige Gesindel doch wert ! Ein Stück Rötel zog er aus seiner Tasche und schrieb damit in irischer Schrift ein paar Worte auf die graue Sandsteinplatte über dem Portal des Pfarrhofs . Gewitterregen hat sie später verwaschen und niemand hat sie entziffert , aber sicher war ' s ein inhaltschwerer Spruch , den Moengal , der Alte , in irischen Runen zurückließ . - Er schlug einen scharfen Schritt an und wandte sich dem hohen Twiel zu . Fußnoten A1 Boethius , der Verfasser des Werkes » De consolatione philosophiae « , wurde des Hochverrats angeklagt und auf Befehl des Theodorich nach langer Einkerkerung 62 n. Chr. zu Pavia getötet . A2 Aus Virgils » Äneis « , 2. Gesang , V. 311 f. Vierzehntes Kapitel . Die Hunnenschlacht . Karfreitagmorgen war angebrochen . Des Erlösers Todestag ward heute auf dem hohen Twiel nicht in der stillen Weise begangen , wie es der Kirche Vorschrift heischte . Des alten Moengal Ankunft hatte alle Zweifel gelöst , ob der Feind herannahe ; noch in später Nacht hatten sie Kriegsrat gehalten und waren eins geworden , den Hunnen entgegenzurücken und sie in offenem Feldstreit zu bestehen . Trüb ging die Sonne auf , bald war sie wieder verhüllt . Sturmwind zog übers Land und jagte das Gewölk , daß es sich über den fernen Bodensee niedersenkte , als wenn Wasser und Luft eins werden wollten . Dann und wann schlug ein Sonnenstrahl durch ; es war des Frühlings noch unentschiedener Kampf mit des Winters Gewalten . Die Männer hatten sich vom Lager erhoben und rüsteten zu des ernsten Tages Arbeit . In seiner Turmstube ging Ekkehard schweigsam auf und nieder , die Hände zum Gebet gefaltet . Ein ehrenvoller Auftrag war ihm geworden . Er sollte zum versammelten Kriegsvolke die Predigt halten , bevor man auszöge zum Streit : da betete er um Stärke und mutigen Flug der Gedanken , daß sein Wort werde zum glühenden Funken , der in aller Herz die Flamme der Streitlust entfache . Plötzlich tat sich die Türe seines Gemaches auf . Herein trat die Herzogin ohne Praxedis ' Begleitung ; einen faltigen Mantel hatte sie über das Morgengewand umgeworfen als Schutz gegen die Kühle der Frühstunde , vielleicht auch , daß sie den fremden Gästen unerkannt sein wollte , wie sie zum Turme schritt . Ein leicht Erröten überflog sie , wie sie allein ihrem jungen Lehrer gegenüberstand . » Ihr zieht heute mit in den Kampf ? « fragte sie . » Ich ziehe mit « , sprach Ekkehard . » Ich würd ' Euch verachten , müßt ' ich eine andere Antwort hören « , sprach die hohe Frau , - » und Ihr habt wohl vorausgesehen , daß es nicht notwendig , Urlaub von mir zu solchem Gang zu erbitten . Auch ans Abschiednehmen denkt Ihr nicht ? « fuhr sie mit leis vorwurfsvollem Ton fort . Ekkehard stand verlegen . » Es ziehen fürnehmere und bessere Männer heute aus Eurer Burg « , sagte er ; » die Äbte und die Edeln werden um Euch sein , wie konnt ' ich an besondern Abschied denken , auch wenn es ... « seine Stimme stockte . Die Herzogin schaute ihn an . Beide schwiegen . » Ich bring ' Euch etwas , das Euch im Kampfe dienlich sein soll « , sprach sie nach einer Weile . Sie trug unter ihrem Mantel ein kostbar Schwert in reichem Wehrgehäng , ein milchweißer Achatstein erglänzte am Griff . » Es ist das Schwert Herrn Burkhards , meines seligen Gemahls . Von allen Waffenstücken hielt er das am höchsten . Mit der Klinge lassen sich Felsen spalten , sie splittert nicht , hat er oft gesagt . Ihr sollt ihm Ehre machen ! « Sie reichte ihm die Waffe dar . Ekkehard nahm sie schweigend hin . Schon trug er den Harnisch unter der Kutte , itzt schnallte er das Wehrgehäng um und fuhr mit der Rechten nach dem Schwertgriff , als stünd ' ihm bereits der Feind gegenüber . » Und noch etwas « , sprach Frau Hadwig . An seidener Schnur trug sie ein goldgefaßt Kleinod um den Hals , das zog sie aus ihrem Busen ; es war ein Kristall , der einen unscheinbaren Splitter barg . » Wenn mein