Auswärtigen , Reichskanzler Graf Resselrode , schickte im nochmals eine Note an Reschid Pascha , in welcher er die Annahme der früher gestellten Bedingungen binnen acht Tagen forderte , widrigenfalls Rußland die Donaufürstenthümer besetzen würde , erklärte jedoch dabei , daß diese Besetzung eben nur als Pfandnahme und nicht als Kriegserklärung zu betrachten sei . Das Protectorat der Donaufürstenthümer berechtigte übrigens Rußland nach dem Vertrage von Baltaliman nur zu einer gemeinsamen Besetzung derselben mit der Türkei im Fall innerer Unruhen . Eine durch die Bemühungen der Vertreter Preußens und Oesterreichs ziemlich gemäßigte Note des Divan , in der man sich bereit erklärte , einen besonderen Gesandten nach Petersburg zu schicken , lehnte diese Forderung nochmals unterm 10. Juni ab . Am 14. Juni war der neue österreichische Gesandte , Baron von Bruck , in Constantinopel eingetroffen ; die Sendung des Grafen Gyulai nach Petersburg sollte zugleich dort die Versöhnung vermitteln . Frankreich und England , die nach der Einleitung des Conflicts zwischen Petersburg und der Pforte sich der äußeren Einmischung fern gehalten hatten , riefen jetzt ihre Flotten in die Nähe von Constantinopel , und dieselben warfen am 15. Juni in der Besika - Bai am Eingang der Dardanellen Anker . Die Gesandten erhielten jetzt öffentlich Vollmacht , im Fall einer Kriegserklärung des Sultans gegen Rußland die Flotten nach Constantinopel zu rufen . Zugleich hatte jener diplomatische Notenwechsel zwischen den Kabinetten von Petersburg , Paris , London , Berlin und Wien begonnen , durch welchen die streitenden Parteien die Schuld der Zwistigkeiten und deren weitere Folgen sich gegenseitig aufzuwälzen versuchten . - Dies war die Uebersicht , die Welland dem Freunde mittheilte , da er sich , obschon bereits im März von Paris abgereist , doch bei seinem zweimonatlichen , durch eine Krankheit veranlaßten Aufenthalt in der Schweiz und Oberitalien fortwährend von dem Gang der politischen Angelegenheiten in Kenntniß erhalten hatte . » Mir scheint , Freund , « sagte er zum Schluß , » der redliche Wille einer Versöhnung und Ausgleichung ist auf keiner Seite sonderlich groß und der Zwischeninteressen , die in dem Streit spielen , scheinen so viele , daß eine friedliche Lösung kaum zu denken ist . Es scheint gegenwärtig allein das Ziel der Betheiligten , vor den Augen der Welt die Schuld des Angriffs und des bevorstehenden Krieges Einer auf den Andern zu werfen . In Frankreich , ja selbst in Deutschland , hält man den Krieg für unvermeidlich und erwartet jeden Augenblick den Ausbruch . Es ist offenbar , daß wir auf einem unterwühlten Boden stehen , und Niemand kann sagen , nach welcher Seite die Wagschaale sich senken , wo das gezogene Schwert rasten wird . Alle Verhältnisse scheinen sich umgekehrt zu haben , Freunde stehen sich feindlich einander gegenüber , alte Feinde haben den Groll im Busen verschlossen und machen gemeinsame Sache , - willenlos folgt der Einzelne , Unbedeutende diesem Wogenschlag der Völker , glücklich , wenn er aus der kommenden Zerstörung sich selbst und das , was ihm theuer ist , in einen sicheren Port retten wird . Ich fürchte , Freund , auch unser Schicksal wird uns in das volle Wogengebraus hinaus werfen . « » Ja wohl haben Sie Recht , daß alle Verhältnisse verkehrt und aus den Fugen gerückt sind in diesem Streit ! « entgegnete mit Bitterkeit der Grieche . » Steht nicht das allerchristlichste Frankreich , das streng protestantische England neben dem ewigen Erbfeind des Kreuzes , um drei Millionen Türken das Recht wahren zu helfen , zehn Millionen Christen zu unterdrücken , zu tyrannisiren , sie aller historischen und menschlichen Rechte zu berauben ? Zu wem soll das Volk der Griechen vertrauend aufsehen , zu England und Frankreich , die für ihre Theilnahme an Navarin mein armes Vaterland zu Grunde richten ? die , Sieger über unsere Tyrannen , ihnen den größten Theil des Volkes , dessen Freiheitskampf ganz Europa damals zujauchzte , wieder unter die Sohlen warfen ? - Macht denn der wiener Vertrag die Weltgeschichte und die Rechte und die Historie der Völker , oder gab es ein byzantinisches Reich , das Jahrhunderte Europa voran blühte , und dessen Verderben die westlichen Staaten durch die Kreuzzüge herauf beschworen , während sie es dann hilflos in die Hand der Feinde des Kreuzes fallen ließen ? ! « » Ich glaube schwerlich , Freund , daß Sie es besser haben würden unter dem Scepter oder der Knute Rußlands , als Ihre Väter es unter der Peitsche des Moslems hatten . Sie wünschen die Wiedergewinnung und Erhebung Ihrer Nationalität . Wohl ! aber Rußland , Ihr Beschützer , ist doch gewiß gerade der Staat , der eine fremde Nationalität am wenigsten achten würde , der Staat , der in seinen eisernen Armen jedes fremde selbstständige Leben zu unterdrücken , zu tyrannisiren droht . Wo anders her stammt die Furcht und der Haß Europa ' s und jedes Einzelnen vor diesem Koloß ? Blicken Sie hin nach Polen - « » Meinen Sie denn , « unterbrach ihn der Grieche , » daß mein Volk auch nur den Gedanken in sich trägt , ein Theil des russischen Reiches zu werden ? Keinem Hellenen kommt die Idee ! Frei wollen wir sein auf unserer eigenen Erde , die getränkt ist mit tausend großen Erinnerungen der Vorzeit , Herren unseres eigenen Landes , das zur Wüste geworden , dessen Kirchen zerstört , dessen Kinder geschändet und geschlachtet sind von einer Handvoll Ungläubiger . Das Kreuz soll herrschen in der alten Hauptstadt unseres Landes , die einst zwei Welttheilen Gesetze vorgeschrieben , so gut wie Ihr Rom , unsere heilige Kirche gereinigt werden von der Schmach des falschen Götzendienstes ! « Sein Auge flammte , seine Hand war erhoben , als er von der Unterdrückung seines Vaterlandes , von den Hoffnungen sprach , welche die Brust jedes Hellenen schwellen . Auch Diona , die Tochter Griechenlands , schaute , auf den Knieen liegend , mit gerötheten Wangen und feurigen Augen empor zu dem Bruder . Der Räuber hatte sich