, fast nicht zu bewältigendes Haar . Sie galt für eine Art Lorelei , obschon sie Judith hieß , auch niemand etwas Bestimmtes oder Nachteiliges von ihr wußte . Dies Weib trat nun herein , vom Garten kommend , etwas zurückgebogen , da sie in der Schürze eine Last frischgepflückter Ernteäpfel und darüber eine Masse gebrochener Blumen trug . Dies schüttete sie alles auf den Tisch , wie eine reizende Pomona , daß ein Gewirre von Form , Farbe und Duft sich auf der blanken Tafel verbreitete . Dann grüßte sie mich mit städtischem Akzente , indessen sie aus dem Schatten eines breiten Strohhutes neugierig auf mich herabsah , sagte , sie hätte Durst , holte ein Becken mit Milch herbei , füllte eine Schale davon und bot sie mir an ; ich wollte sie ausschlagen , da ich schon genug genossen hatte , allein sie sagte lachend » Trinkt doch ! « und machte Anstalt , mir das Gefäß an den Mund zu halten . Daher nahm ich es und schlürfte nun den marmorweißen und kühlen Trank mit einem Zuge hinunter und mit demselben ein unbeschreibliches Behagen , wobei ich sie ganz ruhevoll ansah und so ihrer stolzen Ruhe das Gleichgewicht hielt . Wäre sie ein Mädchen von meinem Alter gewesen , so hätte ich ohne Zweifel meine Unbefangenheit nicht bewahrt . Doch war dies alles nur ein Augenblick , und als ich mir darauf mit den Blumen zu schaffen machte , zwang sie gleich einen großen betäubenden Strauß von Rosen , Nelken und stark duftenden Kräutern zusammen und steckte mir denselben wie ein Almosen in die Hand ; das alte Mütterchen füllte meine Taschen mit Äpfeln , daß ich nun , mit Gaben förmlich beladen , ohne Widerrede gedemütigt , von dannen zog , von sämtlichen Frauen zu fleißigem Besuche bei ihnen , wie bei den noch übrigen Verwandten , aufgefordert . Es war schon tiefer Nachmittag , als ich endlich das Haus meines Oheims wiederfand ; es war verschlossen , weil alle Bewohner im Freien waren ; doch wußte ich , daß ich durch Scheune und Stall ein Schlupfloch finden würde . In der Scheune sprang mir das Reh entgegen und schloß sich mir unverweilt an , da es ihm langweilig sein mochte , im Stalle sahen sich die Kühe , Unterhaltung fordernd , nach mir um , und ein lediges Rind tappte halbwegs auf mich zu , sah mich verwundert an und machte Anstalt , einen vertraulichen Satz gegen mich zu nehmen , daß ich mich furchtsam in den nächsten Raum salvierte , der ganz mit Ackergerätschaften und Holzgerümpel angefüllt war . Aus dem dunklen Wirrsal hervor schoß mit vergnüglichem Murren der Marder , welcher sich hier einsam amüsiert hatte , und saß mir im Augenblicke auf dem Kopfe , mir mit dem Schwanz um die Backen schlagend und vor Freude tollen Unsinn treibend , daß ich laut lachen mußte . So gelangte ich mit meiner Gesellschaft in den hellern , bewohnten Teil des Hauses und fand endlich die Wohnstube , wo ich meine Bürde von Blumen , Früchten und Tieren abwarf . Auf dem Tische stand mit Kreide geschrieben , wo ich zu essen finden würde , im Falle ich Lust hätte , nebst allerlei beigefügten Witzen des jungen Volkes ; aber ich zog vor , mir das Geburtshaus meiner Mutter nun gemächlich anzusehen . Mein Oheim hatte schon seit einigen Jahren seiner geistlichen Pfründe entsagt , um sich ganz seinen Neigungen hinzugeben . Da der Staat ohnehin willens war , der Gemeinde ein neues Pfarrhaus zu bauen , kaufte der Oheim dazumal das alte Pfarrhaus von ihm , welches ursprünglich eigentlich der Landsitz eines Aristokraten gewesen war und daher steinerne Treppen mit Eisengeländern , in Gips gearbeitete Plafonds , einen Saal mit einem Kamine , viele Zimmer und Räume und überall eine Unzahl geschwärzter Ölgemälde enthielt , Tierstücke , Stilleben , Landschaften und Perückenbilder . In dieses Wesen hinein hatte der Oheim , unter das gleiche Dach , seine Landwirtschaft geschoben , indem er einen Teil der Wohnung herausgebrochen , daß sich beide Elemente , das junkerhafte und das bäuerliche , verschmolzen und durch wunderliche Türen und Durchgänge verbanden . Aus einem mit Jagden bemalten und mit alten theologischen Werken versehenen Zimmer sah man sich , wenn man eine Tapetentür öffnete , plötzlich auf den Heuboden versetzt , das Parkett und die Decke des Kaminsaales waren mit Falltüren versehen , welche mit Tenne und Speicher korrespondierten , und ich verwunderte mich nachher , als ich in dem kühlen und heitern Saale meinen Sitz aufgeschlagen und an nichts dachte , als plötzlich eine schwere Garbe aus dem Boden stieg , an einem Seile aufgezogen , und in den Gipsblumen der Decke wieder verschwand , wie ein Traum von den sieben fetten Jahren . Von der Decke dieses Saales hingen überdies große gläserne Kugeln herab , welche inwendig mit Herren und Damen in Reifröcken und Perücken , auf Papier gemalt , beklebt waren ; dazwischen ein Kronleuchter , aus Hirschgeweihen zusammengesetzt , und neben der Flügeltür ragte eine in Holz geschnittene und bemalte Meerfrau aus der Wand , zwischen ihren Händen eine zierliche Walze haltend , über welche ehemals ein langes Handtuch gehangen wurde zu allgemeinem Gebrauche . Unter dem Dache fand ich eine kleine Mansarde , deren Wände mit alten Hirschfängern und Galanteriedegen sowie mit unbrauchbarem Schießgewehr bedeckt waren ; eine überlange spanische Klinge mit herrlich gearbeitetem stählernem Griffe war ein seltenes Prachtstück und mochte schon seltsame Tage gesehen haben . Ein paar Folianten lagen bestäubt in der Ecke , in der Mitte des Zimmers stand ein mit Leder bezogener zerfetzter Lehnstuhl , so daß nur der Don Quixote fehlte , um das Ganze zu einem Bilde zu machen . Übrigens setzte ich mich behaglich hinein und dachte an den guten Herrn , dessen Geschichte ich , unter der Leitung meines ehemaligen Lehrers , aus dem Französischen des Mr. Florian übersetzt hatte . Ich hörte ein seltsames Geräusch , Gurren und Krabbeln an der Wand