Improvisation . Noch ärgere Invektiven schallten von der Straße , denn das Gerücht von dem , was im Hause sich zugetragen , wuchs natürlich je entfernter man davon stand . Die Schwadronen zogen ab , und das von den Blasinstrumenten angestimmte Lied : » Ach , du lieber Augustin ! « dröhnte als Parodie durch das Getöse . Da hatte die Obristin , die nicht nach dem Geldbeutel griff , denn sie sah , es war hier mehr verspielt , eine unbeschreibliche Wuth ergriffen . Die Larve der Sanftmuth und Gleisnerei war abgefallen , die innerste Natur des gemeinen Weibes hatte sich herausgekehrt und ihre funkelnden Augen und fletschenden Zähne suchten nach einem Gegenstand der Rache . Sie hatte ihn gefunden . Den Geistlichen hatte sie mit dem Ellnbogen und einem Schimpfwort bei Seite geschoben , die » Natterbrut an ihrem Busen , « die ihr so mit Undank gelohnt , die den Störenfried versteckt , sollte es entgelten . Aber stand der nicht selbst vor ihr , der all das Unglück angerichtet , - mit seinen bösen , schönen Augen ? Sprach sie ' s aus , oder sah sie ' s an ihren gespitzten Fingern , an den gehobenen Armen , die Hyäne auf dem Sprunge ? Jülli ' s Augen funkelten auch dämonisch : » An seinen schönen Augen Deine Hand , Du schändlich Weib ! Erst über meinen Leib , den zertritt nun vollends ! « » Die Weiber bringen sich um ! « schrie es . » Polizei ! « Schon arbeitete der Kommissar sich durch die Thür . Das Weib hatte das Mädchen an der Schulter gepackt , wo der Degen gestreift . Das Mädchen stieß einen Schmerzensschrei aus und sank ohnmächtig nieder , während von hinten eine andere Megäre die Wüthende umklammerte . Auch hier eine abgefallene Larve , auch hier die lang verhaltene Wuth einer gemeinen Natur , die keine Rücksichten mehr kennt ! Der Polizeibeamte sah nicht mehr des Kavaliers gezückten Degen , er hatte ihn eingesteckt , auch der geschwungene Sessel war längst aus Louis ' Händen zu Boden gefallen ; er saß , zurückgesunken in einem Stuhl und starrte , Todtenblässe im Gesicht , auf das zu seinen Füßen liegende Mädchen , seine Lebensretterin . Der Polizeibeamte sah nur die ringenden Weiber , eine blutbedeckte Hand von der zusammenschnürenden Umarmung einer Wüthenden in die Luft gestreckt . Mit kräftigem Arm , mit dem Griff des Säbels , der unsanft auf ihre Schultern fuhr , riß er sie auseinander . Die beiden Sergeanten ergriffen die Obristin und Karolinen . Indem sein Blick umherstreifte , nach den übrigen Komplicen zu suchen , fiel er zunächst auf Adelheid . Sie war , von Mitleid fortgerissen , neben der Verwundeten hingekniet ; aus dem natürlichen Impuls sich den Blicken zu verbergen , beugte sie sich tiefer über das unglückliche Mädchen als nöthig war , in dem Augenblick vielleicht das glücklichere ; sie wusste ja nicht , was um sie vorging . Auch Adelheid wusste es kaum , als die rauhe Hand des Kommissars sie aufriß : » Aufgestanden ! Marsch ! « - » Sie ist unschuldig ! « rief eine Stimme . - » Da den Beweis ihrer Unschuld ! « sagte der Kommissar , und zeigte Adelheids Hand , auch sie blutig von der Berührung . » Auf der Wache wird sich alles herausfinden , mein schönes Kind . Einstweilen mitgefangen , mitgehangen . « - » Sie ist unschuldig ! « schrie Louis , aus seinem Starrsinn erwachend . Er war aufgesprungen . Der Beamte sah ihn mit einem höhnischen Blicke an : » Wenn man Sie als Zeugen aufrufen wird , ist Zeit für sie zu sprechen . Oder sind Sie etwa auch unschuldig ? Die Person hier auf eine Trage , und vorsichtig ! Auf der Wache wollen wir untersuchen , wo sie hin muß . « Wie so viele Nadelstiche bohrte das rohe Gelächter in Adelheids Herz . An wen sich wenden ! Sie hatte keinen Freund , keinen Bekannten hier . Der Kammerherr war verschwunden . Sollte sie das Weib anrufen , das jetzt noch kochte , und , grimmige Blicke mit dem andern Mädchen tauschend , von neuen Thätlichkeiten nur durch die Wache abgehalten ward ? Und was hätte deren Zeugniß in dieser Lage ihr geholfen ? Durfte sie den Namen ihres Vaters nennen ? Der Retter stand aber schon vor ihr : » Diese Dame ist an den Auftritten hier so unbetheiligt als ich selbst , « rief der Fremde ; und schon sein Kostüm und Anstand brachte auf den Kommissar so viel Eindruck hervor , daß er unmerklich Adelheids Arm losließ . » Ich bin der Legationsrath , Kammerherr von Wandel aus Thüringen . Auf der Rückkehr von der Tafel Seiner Königlichen Hoheit führte mich der Zufall , ich meine der Spektakel , in dies Haus , und ich kam glücklicherweise noch zu rechter Zeit , um dies junge Mädchen vor Beleidigungen zu retten , über die ich , wenn es erfordert wird , Zeugniß ablegen kann . Ich verbürge mich für den unbescholtenen Ruf der Dame , deren Name und Familie mir bekannt sind , und die nur der Zufall oder die Bosheit hierher locken konnte . Diesem würdigen Geistlichen und seiner Familie ist es nicht besser ergangen . Daß sie keinen Theil an den Excessen dieser Personen da hat , brauche ich kaum auszusprechen ; das Blut an ihrer Hand rührt , wie Sie sehen , von der liebreichen Pflege , die sie jenem armen Geschöpfe angedeihen ließ . « Der Polizeikommissar verneigte sich leicht vor dem Fremden , nachdem dieser ihm den Namen des Vaters ins Ohr geflüstert hatte : » Diese Demoiselle kann demnächst auf Bürgschaft des Herrn Legationsraths entlassen werden . « » Und ich ersuche Sie , mein Herr Prediger , « wandte sich der Legationsrath an den durch das Gedränge noch immer festgehaltenen Geistlichen , » das junge Mädchen unter dem Geleit Ihrer Töchter aus diesem