Vermummung ? Welcher Sturm hat Dich nach diesem Norden heraufgeweht ? Sprich , mein Knabe ! Salvador erhob sich . Er hatte sich bis zur Unkenntlichkeit verändert . Fast um einen Kopf größer als vor einem halben Jahre , war er in demselben Verhältniß schlanker und schmächtiger geworden . Das bräunliche Roth seiner Wangen war einer krankhaften ins Gelbliche spielenden Blässe gewichen und der trotzige Feuerblick seines Auges hatte sich in den düstern Glanz einer halb verglimmenden Kohle verwandelt . Alice wurde schmerzlich von dieser Umwandlung getroffen , aber sie unterdrückte mit feinem Zartgefühl jede Bemerkung darüber . - Der Pater Angelikus hat es so gewollt - sagte Salvador . Alice bemerkte , daß er den Pater nicht mehr Tio nannte . - Ich müsse nach Norden , um in Ihrer Nähe zu sein . Sie würden mich mit nach Frankfurt nehmen , meinte der Pater . - Und jetzt bist du wirklich im Dienste des Prinzen von N .... r ? - - Ja - sagte Salvador , indem eine flüchtige Röthe sein Gesicht färbte . - Er hat mich gesandt , um Sie um eine Unterredung zu bitten . - Was will der Prinz von mir ? Ich kenne ihn nicht . Salvador sah Alicen forschend an , als wolle er die Wahrheit dieser Aeußerung erproben . - Was soll ich ihm antworten ? - fragte er mit weniger befangenem Ton . - Er mag kommen - sagte Alice nach kurzem Nachdenken . - Wann ? - Heute Nachmittag . - Nicht wahr ? - fragte er zögernd - Sie nehmen mich wieder zu sich ? - Wenn es der Prinz zufrieden ist , gewiß . Freudig drückte er die Hand Alicens an seine Lippen und entfernte sich rasch . Alice war durch das Zusammentreffen tiefer bewegt , als sie sich gestehen mochte . Alle alten Erinnerungen , die sie längst begraben glaubte , tauchten mit neuer Kraft in ihrer Seele wieder empor . Sie setzte sich an den Schreibtisch und ergriff mechanisch die Feder . Da fiel ihr die Ueberschrift eines angefangenen Briefes in die Augen , und sie ließ die Feder sinken . - Durchlaucht - - - früher lautete es anders , wenn ich an Dich schrieb , Felix - - - Ich mag jetzt nicht - - - vielleicht giebt mir das Gespräch mit dem Prinzen neuen Stoff . Aber warnen will ich ihn , er sieht den Abgrund nicht , der sich zu seinen Füßen öffnet . Wehe ihm , wenn der unselige Waffenstillstand zum Abschluß kommt , dieser neue Verrath an der deutschen Sache . Felix , Felix ! Mit jedem Schlage , den Du gegen die Größe Deutschlands führst , treibst Du einen Nagel in Deinen eignen Sarg . - - III Als die Sonne längst gesunken war und nur noch eine falbe Röthe am nordwestlichen Horizont die Stelle ihres Untergangs zeigte , stieß ein leichter Nachen vom innern Ufer des Hafens ab . Drei Personen befanden sich darin . Die eine , ein junger Mann mit gebräuntem Gesicht , führte mit kräftigen Armen zwei Ruder , welche sich fast unhörbar in die schwärzlich-grüne Fluth tauchten , obschon die Schnelligkeit , mit der das Boot die Wogen durchschnitt , bewies , mit welcher Kraft es in Bewegung gesetzt wurde . Am Hintertheil des Bootes , den linken Arm nachlässig um das Steuer geschlungen , den rechten auf den Bord des Fahrzengs gestützt saß , oder lag vielmehr ein dem feinen von unzähligen kleinen Locken beschatteten Gesicht und der üppig schlanken Gestalt nach , um welche sie die enge , einfache Uniform der schleswigschen Freischärler schmiegte , zu urtheilen , eine junge Dame , die mit scheinbarer Gedankenlosigkeit in die grünliche Fluth starrte . Der dritte war ein Jüngling , welcher nur erst kürzlich das Knabenalter verlassen haben konnte . Er stand aufrecht mit im Boot und schaute trübe der geschiedenen Sonne nach . Keines von den dreien sprach ein Wort . Man hörte nur den eintönigen Taucherschlag des Ruders und das Zischen der Wogen , die sich am Kiel des Bootes brachen und zuweilen hoch aufspritzten . Als der Nachen sich bereits mitten auf dem Hafen befand , wandte Ralph - den meine Leser wohl schon in dem Ruderer erkannt haben werden - seinen Blick nach dem Meere , dem er den Rücken zukehrte und sagte halblaut , als fürchte er das Schweigen zu unterbrechen : - Ich meine , wir müssen mehr rechts halten . Hier auf offnem Hafen sind wir zu sehr der Beobachtung ausgesetzt . Alice , welche das Steuer führte , fuhr aus ihrer Träumerei empor . Sie blickte jetzt ebenfalls auf den Hafen , nickte bejahend mit dem Kopfe und wandte das Steuer . Das Boot beschrieb einen Bogen und schoß dann in grader Richtung auf die südliche Landzunge zu . - Setze dich , Salvador ! - sagte sie zu dem Stehenden , zog das Fernrohr Gilberts hervor und richtete es auf die dänische Fregatte , die einen Kanonenschuß entfernt , wie ein dunkler Koloß über den Spiegel des Wassers emporragte . Du hast heute eine Zusammenkunft mit dem Prinzen von N .... r gehabt ? - sagte Ralph mit anscheinender Gleichgültigkeit . - Erinnere mich nicht an diese Menschen , die mit ihrem Golde Seele wie Körper kaufen zu können glauben ! Er wollte mich für die Reaktion gewinnen , und fing nach der gewöhnlichen Manier damit an , mir Schmeicheleien zu sagen , zuerst über meine Schönheit , als das nicht glückte , über mein Talent und meine Kühnheit , als auch dies keine Wirkung that , über meinen Einfluß auf die Freischaaren . Jetzt verstand ich ihn . Man wünschte nämlich , ich solle , bei etwa » eintretenden Ereignissen « , die nicht im Sinne unserer Partei seien , dazu beitragen , daß keine Aufregung entstände , oder wenigstens mich passiv zu verhalten . Ich lehnte das Anerbieten natürlich keineswegs ab , um das schön aufblühende Vertrauen des edlen Herrn nicht