Selbsthülfe war es ; in die andere Wagschale thut man seinen guten Leumund , die ganze Ritterschaft tritt für ihn ein . Eine ritterliche Haft von ein paar Monaten , eine Geldbuße von ein paar Mark , die ich bezahlen will , und der ganze Bettel ist ausgeglichen . « » Gnädigster Herr , wer soll ihn dazu überreden ! « » Wozu seid Ihr Pfaff , wozu habt Ihr Logik studirt und die Beredsamkeit in Ingolstadt ? « » Wenn er bei gesunden Sinnen ist , Herr von Lindenberg - « » Auf den Götz kommt ' s nicht an , es kommt auf Euch an , ob Ihr bei gesunden Sinnen seid . « » Er ist zu ehrlich und wahrhaftig . « » Will ich denn , daß er lügen soll ? - Wenn er nicht geschlafen , wenn er gewußt hätte , daß der Krämer mit seinen Hosen durchging , würde er nicht gewüthet und getobt , würde ernicht , auch ohne Hosen , auf ' s Pferd sich gesetzt haben , und hätte er dann ihn sanfter gestreichelt ? « » Ich glaube kaum . « » So verständigen wir uns . Er schlief acht volle Tage , so glaubt Ihr , er , ich vielleicht auch ; aber thut der Mensch im Schlafe nichts ? Vegetirt , träumt er nicht , fährt er nicht auf , ja man weiß sogar , daß er auf Dächern spazieren geht ! - Ist ' s so schwer , ihm einreden , daß er das gethan , was er hätte thun müssen , was er bei freien Sinnen gethan haben würde ? Ehrwürdiger Herr , bedürfen denn nicht Menschen , wie er , immer eines Vormundes , wie denn eigentlich die Mehrzahl der Menschen nur nachspricht , was Andere ihnen vorsagen ? Worauf wäre das Regiment der Kirche begründet , als daß sie bei guter Zeit die Vormundschaft über die Unmündigen übernahm ? Diese Zeit möchte ihrem Ende sich nähern , da mancher Laie mündig wird . Es thäte daher gut , wenn die Kirche bei Zeiten vernünftig theilte , was sie nicht allein besitzen kann . « » Herr von Lindenberg , wir verstehen uns , aber die Aufgabe - « » Ist nicht so schwer , als sie aussieht . Kann Götz ein künstlich gewebtes , verschlungenes Redenetz rasch durchschauen ? Nein ! Kann er , darin gefangen , sich loshaspeln ? Vielleicht , wenn er wieder geschlafen hat und erwacht ist , und noch einmal geschlafen hat . Das mag er ; wir haben , was wir wollten . Auf dem Landtage hat er immer Nein gesagt ; aber der Landtagsmarschall wußte ihn so zu verstricken in seinen Reden , daß er immer glaubte , Ja gesagt zu haben , und als er aufwachte , stand es zu Papier und sein Name darunter . Ich sage Euch da nur sehr was Alltägliches , was auf jedem Landtag vorkommt , aber wollt Ihr minder klug sein als unser Landtagsmarschall ? « Der Ritter legte seine Hand auf des Dechanten Schulter und sah ihn mit durchdringender Freundlichkeit an . » Es wäre - aber - sein Weib - « » Wir haben es nur mit ihm zu thun . Sie ist in Hohen-Ziatz . Man hat Einlagerung nachgeschickt , damit nichts verschleppt wird . « » Versuchen will ich es , « sprach der Dechant mit gedämpfter Stimme , » in Anbetracht , daß das allgemeine Wohl - « » Um Gottes Willen laßt das aus Eurem Gebet . Fliegt jetzt nach dem Mühlenhof . Der Vogt von Hoym wird Euch ohne Zaudern einlassen ; Geistliche finden bei uns nirgend verschlossene Thüren . Der Hofprediger Musculus ist , wie ich höre , schon bei ihm . Sprecht wie Cicero , wie Sanct Johannes , singt wie Orpheus , aber in einer Stunde muß es geschehen sein . « Der Dechant ging . An der Thür faßte der Ritter noch einmal seine Hand : » Der Bischof Scultetus wird alt . Mir hat es nie gefallen , daß ein Bauernsohn , eines schlesischen Schulzen Enkel , den Bischofssitz von Brandenburg einnehmen durfte . Wenn ich dann noch in der Nähe des Kurfürsten bin , so seid dessen gewiß , daß nur ein Kurmärkischer von Adel zu dieser erhabenen Würde gewählt wird . - Herr von Krummensee , rechnet dann auf mich . « Er drückte ihm die Hand . Es wäre ihm gut gewesen , wenn der Dechant fliegen können , denn das Gedränge auf der Straße war groß , es war aber doch vielleicht besser , daß er nicht flog , sondern nur mit großer Anstrengung sich durch die Volkshaufen und Marktleute den Weg bahnte . Inzwischen hatte ihm ein Anderer auf unerwartete Weise bei dem Gefangenen den Weg in ganz anderer Weise gebahnt . Der Hof-Caplan Andreas Musculus , ein junger Priester , war auf Anlaß einer alten Frau von Bredow , die in Berlin lebte , zu ihrem gefangenen Verwandten gegangen , um ihm Trost einzusprechen oder seine Beichte abzunehmen . Sie hatten Vieles und lange mit einander gesprochen , und Musculus den gedrückten Mann noch durch keine zornschnaubenden Verwünschungen und Blicke auf seine Sündhaftigkeit niedergeschmettert , wie wohl der Priester Art ist . Vielmehr hatte er so aufmerksam ihm zugehört , wie ein Arzt , der einen Kranken , dessen Zustand ihm noch zweifelhaft erscheint , ganz aushören will , um alle Symptome zu erfahren , bis er sein Urtheil spricht . » Es muß mit dem Satan zugehen « , schloß der Gefangene , » ich kann mir ' s gar nicht anders denken . Bin mir doch keines Fehls und keiner Sünde bewußt . Die drei Wochen , daß wir Stände beim Landtage saßen , lieber Gott , da haben wir doch Alle nichts gethan , das weiß jedes Kind . Ihr nickt dazu . Dann kam der Festschmauß , da tranken wir auf des Kurfürsten Wohl und des ganzen kurfürstlichen Hauses