und er wird zu mir zurückkehren . Ich läugne es Ihnen nicht , ich beklage Sie ! Ich will glauben , daß Sie ihn lieben , aber was ist Ihre Liebe gegen die Rechte einer Frau ? Was ist ein solches Verhältniß wie das Ihre gegen eine Ehe ? Was sind Ihre Ansprüche gegen die meinen ? Sie opfern einen Liebhaber , der Sie nicht lieben darf , der eine schwere Sünde damit begeht an Frau und Kind : und ich soll meinen Mann und mein Kind zugleich verlieren ? Nimmermehr ! aber freilich Sie wissen nicht , was Mutterliebe ist ! Sie wissen nicht , was Sie an mir verbrechen ! Vor der unedlen Ausdrucksweise zog sich das Herz der armen Therese kalt zusammen , wie von einer eisigen Hand berührt . Daß eine Frau wie diese ihr solche Vorstellungen machen durfte , daß sie dieselben nicht als ganz grundlos von sich zu weisen vermochte , das erniedrigte sie in ihren eignen Augen . Sie fühlte an dem Schmerz , der sie durchwühlte , wie wenig sie seit lange an eine Trennung von Alfred gedacht , wie sehr sie ihn als zu sich gehörend betrachtet , wie sie sich betrogen hatte mit dem Glauben , Alfred ' s Freundschaft genüge ihr und sie werde niemals mehr verlangen . Worauf sie gehofft , was sie erwartet und ersehnt , ward ihr jetzt unabweisklich klar und Alfred ' s Ausspruch stand plötzlich wie mit flammenden Schriftzügen vor ihrem innern Auge : Wahre Liebe strebt nach gänzlicher Vereinigung ! Ja ! so war es ! Sie liebte Alfred , sie wünschte und verlangte die Seine zu werden ; sie liebte einen Mann , der durch Bande , die er selbst nicht zu lösen wagte , gefesselt war ; und sie hatte sich bis jetzt für schuldlos gehalten , während sie eine Sünde in sich nährte und diese Sünde als Tugend an sich bewunderte . Mit hoher Selbstüberwindung und mit dem Tone der Wahrheit sprach sie , nachdem sie lange schweigend mit sich gerungen : Es soll anders werden , Frau von Reichenbach ! ich will versuchen , Sie mit mir auszusöhnen . Ich will versuchen , Sie zufrieden zu stellen . Was ich kann , werde ich thun , Ihnen den häuslichen Frieden wiederzugeben , ohne Rücksicht auf mich ; aber haben Sie Mitleid , haben Sie Nachsicht mit mir und überlassen Sie mich diesen Augenblick mir selbst . Ich ertrage es nicht länger ; Ihre Gegenwart drückt mich zu Boden . Caroline stand auf und betrachtete Therese verwundert : Ist das die Wahrheit oder ist es nur der Wunsch , mich zu entfernen , der Sie zu den Versprechungen veranlaßt ? fragte sie . Der niedrige Verdacht erhob Therese und ruhig antwortete sie : Ich habe Niemand getäuscht im Leben , als mich selbst . Was daraus erwächst an Leid und Schmerz , werde ich ertragen und mich nicht schonen aus selbstsüchtiger Schwäche . Ich konnte irren , aber ich beharre nicht im Irrthum , wenn ich ihn erkannt habe als solchen . Glauben Sie mir das und leben Sie wohl . Und woran werde ich wissen , daß Sie Ihren Vorsatz ausführen ? Sie sollen noch heute den Beweis davon erhalten , wenn es in meiner Macht steht , entgegnete Therese , während sie Caroline begleitete , die sich entfernte . In völliger Erschöpfung fiel sie in den Sessel , der ihr zunächst stand ; sie wollte einen Plan fassen , ihre Gedanken ordnen , aber eine Stumpfheit ihrer geistigen und körperlichen Kräfte hinderte sie daran . Sie hätte es für eine Gnade des Himmels gehalten , wenn eine Ohnmacht ihr auch nur für wenige Augenblicke das Bewußtsein des Elends genommen hätte , das über sie hereingebrochen war und gegen das anzukämpfen ihr die Kraft fehlte . Sie fühlte , daß sie einen Entschluß fassen müsse , um sich jene Achtung vor sich selbst zu erhalten , die im Stande ist , uns über das schwerste Leid hinwegzutragen . Es war ihr als müsse sie beten um Kraft , aber die Stimme der Vernunft in ihr fragte : Warum beten um Etwas , das die Natur dir gegeben hat ? Warum Hülfe erwarten , wo du sie dir selbst gewähren kannst ? Du mußt wollen und du wirst können . Und der starke Wille , das Rechte zu thun , trug auch jetzt den Sieg über die Schwäche davon . Sie richtete sich empor und überlegte , wie sie Dasjenige am besten erreichen könne , was sie für ihre Pflicht hielt , als Alfred selber sich bei ihr melden ließ . Er hatte den Präsidenten gebeten , ihn mit Therese allein zu lassen und nicht durch seinen Einfluß das Urtheil der Schwester zu bestimmen . O gut , daß Sie kommen ! rief sie ihm entgegen : gut , daß ich Sie sehe ! Plötzlich stockte sie . Was hatte sie denn eigentlich im Sinne ? Sie wollte Alfred bitten , zu seiner Frau zurückzukehren , sie wollte ihm sagen , daß sie ihre gegenseitige Neigung , ihr Verhältniß für ein strafbares halte ; aber das hieße ihm ja eingestehen , daß sie ihn liebe , daß sie auf die Zukunft unbewußt Hoffnungen gebaut habe , vor denen sie jetzt erröthete . So gedemüthigt , wie sie sich vor Caroline gefühlt hatte , so beschämt stand sie vor Alfred , als dieser , ihr Schweigen benutzend , ihr in raschen beredten Worten nochmals seine Liebe gestand und sie beschwor , die Seine zu werden . Wir waren verblendet , Therese ! sagte er , als wir uns sträubten , dem Zuge zu folgen , der unsere Seelen zu einander führt . Ich schuf mir eine Welt von eingebildeten Pflichten , die ich schlecht erfüllte , denn mein Herz erkannte sie nicht an und hatte keinen Theil an ihnen . Wir haben entsagen wollen und haben davon gelitten . Haben wir zu entsagen vermocht ? Glüht nicht die heftigste Leidenschaft für