zweifeln könnte , weil in Dir allein das ganze Glück meines Lebens beruht . Er war wirklich vor ihr niedergesunken und hielt sie mit seinen Armen umfaßt , während seine Augen an den ihren hingen . Schöner , hingebender hatte sie ihn nie gesehen , glücklicher hatte sie sich nie gefühlt , und doch stieg eben in diesem Augenblicke der Zweifel in ihr auf , ob Reinhard sie mit dieser Innigkeit lieben , ob seine Neigung nicht wanken würde , wenn er einst erfahren sollte , wie sie ihn getäuscht , um sich seine Liebe zu bewahren , um die Seine zu werden . Sie drückte ihn voll Leidenschaft an ihre Brust , und ihm zärtlich und fest ins Auge blickend , sagte sie : Versprich mir , dieser Stunde immer zu gedenken , wie ich ihrer nie vergessen werde , und wenn einst ein Tag käme , an dem Du irre an mir würdest , an dem ich Dir Deiner Liebe weniger würdig schiene - dann , aus Barmherzigkeit , dann denke an diese Stunde , dann laß mich Dich daran erinnern und eine Stütze in dieser Erinnerung bei Dir finden ! Was bedeutet das ? fragte Reinhard verwundert , wie kannst Du glauben , jemals eines andern Fürsprechers bei mir zu bedürfen , als meiner Liebe zu Dir ? Das gebe Gott ! rief Jenny . Aber wenn Du mich einst schwach und tadelnswerth finden , wenn Du mich deshalb weniger lieben , mich von Dir weisen solltest , dann möge Deine Neigung mein treuer Schutz sein ; sie möge Dir deutlich machen , daß ich aus Liebe kein Opfer scheute , daß ich Alles erdulden wollte , Alles ! Nur Dir entsagen - das konnte ich nicht , das werde ich niemals können , dazu fehlt mir die Kraft . Ich verstehe Dich nicht , sagte Reinhard , vergebens einen Sinn in diesen Reden suchend , der in irgend einem Zusammenhang mit ihren Verhältnissen stehen konnte , aber das schwöre ich Dir , ich werde nie an der Lauterkeit Deiner Seele , an der Reinheit Deines Herzens zweifeln ; Du sollst in mir alle Liebe finden , die Dir gebührt , und auch Nachsicht , wenn es möglich wäre , daß Du sie jemals brauchtest ; denn wie sollte ich Dir nicht Alles verzeihen , so lange Deine Liebe mir bleibt ! Schwöre mir das , Geliebter , flehte sie mit einer Angst , als ob sie fürchtete , er könne seine Meinung ändern . Ich schwöre es Dir ! antwortete Reinhard und reichte ihr seine Hand , welche sie lange festhielt , dann leidenschaftlich an ihre Lippen drückte und mit den Worten : Nun bin ich ruhig , nun ist es gut ! endlich wieder losließ . Wenige Tage nach Clara ' s erstem Besuch in Berghoff war William zurückgekehrt . Da er den Tag seiner Ankunft nicht bestimmt angegeben , fand er zufällig weder seine Tante noch Clara zu Hause , und wurde von dem Diener zu Herrn Horn in das Comptoir gewiesen , mit dem Bemerken , Frau Commerzienräthin würde sehr überrascht sein , ihn schon zu finden , da man seine Ankunft heute noch nicht erwartet hätte . Nicht erwartet zu werden von Personen , nach denen man sich gesehnt hat , gehört zu den peinlichsten Gefühlen , die uns nach längerer Trennung von denselben berühren können . Tausendmal hatte er es sich vorgestellt , während er in seinem Wagen einsam und rasch dahinflog , wie die Tante und Clara ihm entgegeneilen und er mit dem Willkomm zugleich den Brautkuß von den Lippen seiner Cousine küssen werde . Statt dessen empfing ihn sein Onkel zwar freundlich , aber durch Geschäfte zerstreut , in denen er ihn unterbrochen hatte , und mit so eiligen Fragen nach dem Befinden seines Vaters , nach seiner Reise und den Aussichten für das nächste Handelsjahr in London , daß der junge Mann wohl merken konnte , wie gern sein Onkel ihn abzufertigen wünsche . Er zog sich also bald zurück und begab sich in die Zimmer der Damen , um dort die Heimkehr derselben zu erwarten . Eine eigenthümliche Empfindung beschlich ihn , als er sich wieder in den Räumen befand , aus denen er , von Furcht und Hoffnung bewegt , geschieden war . Gleich nach seiner Ankunft in London hatte er der Commerzienräthin geschrieben und einen kurzen , herzlichen Brief für Clara beigelegt , den sie ihm beantwortet , ohne eigentlich seiner Werbung zu gedenken , indem sie ihm hauptsächlich ihre Theilnahme an der Krankheit seines Vaters , ihr Bedauern über seine plötzliche Abreise unter so traurigen Umständen ausdrückte , und die Hoffnung äußerte , daß dennoch Alles sich zum Besten und nach ihren Wünschen fügen werde . William selbst gehörte nicht zu den Menschen , welche es lieben , sich mündlich oder gar schriftlich über ihre Gefühle auszusprechen ; die Zurückhaltung seiner Cousine überraschte ihn deshalb nicht . Sie wußte , daß er sie liebe ; die Tante hatte ihm die Hand ihrer Tochter zugesagt , hatte ihm die Versicherung gegeben , daß Clara seine Neigung erwidere , und da diese sich nicht dagegen erklärt hatte , las er mit fröhlichem Vertrauen aus den wenigen und flüchtigen Briefen , welche er von ihr erhielt , Alles das heraus , was sein Herz begehrte . Jetzt , wo er jeden Augenblick den leichten Tritt der Geliebten zu hören hoffte , wo er ihrer mit lebhafter Ungeduld harrte , fiel es ihm auf , wie wenig Clara bis jetzt dazu gethan hatte , ihn ihrer Liebe oder nur der Zustimmung zu seinen Ansprüchen zu versichern . Er setzte sich sinnend auf den Platz nieder , den er so häufig Clara gegenüber an ihrem Arbeitstische eingenommen hatte . Ein Nähkästchen , welches Eduard in einer Verloosung gewonnen und in William ' s Beisein Clara geschenkt hatte , erkannte er wieder . Es war schon ein wenig abgenutzt und mußte eben gebraucht sein , denn es enthielt außer verschiedenen