Denn Anne Mareili auf einen Markt zu bestellen , den die halbe oder ganze Familie besuchte , wäre gefährlich gewesen , und auf einen Markt , welchen gewöhnlich niemand besuchte , wäre verdächtig gewesen , und wahrscheinlich hätte man aufpassen oder Anne Mareili nicht gehen lassen . Aber an einem Orte , von Natur einsam , lag ein Bad , das wegem Wasser bsunderbar berühmt war , wegen den Wirtsleuten aber destweniger , denn entweder hatten sie nichts , das Fleisch gestern aufgegessen und das Brot am Morgen , oder aber wenn sie etwas hatten , so ließen sie sich bezahlen , daß einem das Liegen weh tat . Sie wollten halt so und so viel aus dem Bade ziehen , und jeder Gast sollte seinen Anteil daran bezahlen . Nun meinten sie , wenn nur hundert Gäste kämen , so hätten sie das Recht , aus diesen hundert Gästen den gleichen Profit zu ziehen , als sie gezogen hätten , wenn tausend Gäste gekommen wären . Das Publikum versteht bei solchen Rechnungen aber nicht Spaß , und da ihm meist an der Wirtschaft mehr gelegen ist als am Bade , so ward der Ort nicht nur von Natur einsam , sondern auch von Menschen leer , und wer was Ruhiges wollte , der fand es dort Sonntag und Werktag . Tag und Namen dieses Ortes hatte Resli dem Meitschi ins Ohr geflüstert , und es hatte genickt dazu ; das wars , was ihn so getrost machte und warum er nicht begehrte , daß einstweilen jemand anders hinein sich mische . Dort saß nun Resli schon lange am bestimmten Tage , und kein Anne Mareili kam dem waldigen Abhange nach oder über den gebrechlichen Steg von der Ebene her . Düstere Wolken jagten sich am Himmel , ein saurer Wind strich durch die Lüfte , Badewetter war es nicht , und düster und sauer sah es aus in Reslis Gemüte , und Liebesfreuden sonneten es nicht . Angst und Bangen war darin , und wie es dann geht , wenn man warten muß und immer banger wird ob dem Warten : hunderterlei Dinge kommen einem in Sinn , warum man warten müsse , und ein Ding ist immer ärger als das andere Ding , und eines macht einen immer böser als das andere , und wenn man endlich recht böse ist , so schlägt der Zorn in Angst über , und tausenderlei fällt einem ein und steigert von Minute zu Minute des Wartens Pein . Oh , Warten ist hart , so recht Warten ist fürchterlich , ist eine Folterbank , die kein Gesetz abschaffen kann , über die keine Zeit hinauswächst . Aber wir sollen eben nie vergessen , was das Warten ist an der Himmelstüre , wenn kein Pförtner kommen kein Schlüssel im Schlosse sich drehen , kein Willkommen uns entgegenschallen will , kein Liebesblick durch das Schlüsselloch dringt , kein Säuseln uns Gnade verheißt , wenn es immer düsterer um uns wird , immer kälter , schauerliche Finsternis wie eine Wolke uns umfängt , die Wolke allmählig zur Nacht wird und die Nacht zur Hölle erglüht , und keine Stimme will ertönen , keine will Erbarmen rufen , wie wir auch warten unter Heulen und Zähneklappern in des Wartens entsetzlichstem Entsetzen . Aber wenn man so in banger Spannung auf etwas Geliebtes auf Erden wartet , denkt man an jenes entsetzliche Warten nicht , sondern man sitzt auf glühendem Stuhle und wiegt die Wenn und Aber ab , die Ob und Noch , die Was und Wie . Hat es mich nicht verstanden ? Kömmt es noch ? Wars schon da ? Hat es sich verirrt ? Haben sie es nicht gehen lassen ? Hat es nicht kommen wollen ? So werweisete Resli in sich in einer glühenden Pein , denn wochenlang hatte er es sich ausgedacht , wie , wenn er gegen das Bad komme , er Anne Mareili von der andern Seite her kommen sehe , und wie sie akkurat bei dem Bade zusammentreffen würden . Jetzt war er schon stundenlang da , man hatte ihn gefragt , ob er baden , ob er essen wolle ; er solle es nur zu rechter Zeit sagen , von wegen an einem solchen Orte könne man nicht hexen , wie etwa die Leute meinen möchten , daß wenn sie daran dächten , die Sache schon zweg sei . Resli hatte ausweichenden Bescheid gegeben , endlich Essen bestellt ; die Stubenmagd brachte Teller und sagte , ds Angere werde sie bringen , sobald der Bub mit dem Brot komme ; der schießig Bub mache immer so lange , er werde wahrscheinlich auch öpperem warten . So leitete sie ein Gespräch ein , von dem man nicht recht wußte , sollte es eine Einleitung sein zu einer Schimpfeten über ihre Meistersfrau und des Hauses Unordnung oder aber zu einem Privatvergnügen mit dem hübschen Burschen . Da ging langsam die Türe auf . » Gott grüß euch miteinander « , sagte eine Stimme , und ein Mädchen stand in der Stube , dessen Backen rot anliefen , während die Stubenmagd aufstund vom Vorstuhle und antwortete : » Gott grüß dich wohl . Womit kann ich aufwarten ? « Resli war auch rot geworden , ob aus Überraschung oder weil er es ungern hatte , daß die Stubenmagd so nahe bei ihm gesessen , wissen wir nicht ; rasch stund er aber auf und sprach : » Gottwilche , Base ! Bist du auch da ? Was bringt dich Guts dahin ? « Anne Mareili merkte Resli und sagte : » Bis mir auch Gottwilche ! Ich bin auf dem Wege gewesen zu euch , und jetzt kann ich dir die Sache verrichten ; es ist mir noch anständig , so kann ich zu rechter Zeit wieder heim sein Es ist bei solchem Wetter nicht lustig auf der Straße sein , aber dSach hat pressiert . « Resli sagte : » Komm hock und tue Bescheid « ; er hätts